Die Mitglieder des Carsted Clubs e. V. Heimatverein Atzendorf trafen sich am Wochenende zu ihrer Jahreshauptversammlung. Vereinsvorsitzende Sabine Rotter fasste in einem Multimedia-Vortrag die Höhepunkte des vergangenen Jahres zusammen. Fünf Vereinsmitglieder wurden für ihre zehnjährige Mitgliedschaft geehrt.

Atzendorf. Wenn Nico Zimmer durch das Museum des Heimatvereins Atzendorf in der ehemaligen Hopfendarre an der Hauptstraße schlendert, interessieren ihn vor allem die alten Arbeitsgeräte, die noch zu Zeiten seines Urgroßvaters auf den Feldern Verwendung fanden. Rechen, Hacken oder Holzkörbe und viel mehr sind in der Landwirtschaftsabteilung der Ausstellungsräume zu sehen. Nico weiß genau, wie die Gerätschaften eingesetzt wurden. Und obwohl er erst zwölf Jahre alt ist, wurde der junge Atzendorfer bei der Jahreshauptversammlung der Hobbygeschichtler für seine zehnjährige Mitgliedschaft geehrt. " Ich finde es immer wieder spannend, in das Museum zu gehen ", sagt Nico und fügt an, dass jeder Besuch aufs Neue zu einer Entdeckungsreise werde. Weiß man, dass sich nahezu Nicos gesamte Familie im Heimatverein einbringt, der junge Mann schon im Alter von acht Wochen Vater Siegmar auf dem Traktor begleitete und auf einem echten Hof aufwächst, versteht man auch seine Begeisterung für die Landwirtschaft und für die Geschichte seines Heimatortes. So ist Nico bei jeder Veranstaltung des Vereins dabei. " Das wird einmal mein Nachfolger ", sagt Vereinsvorsitzende Sabine Rotter, als sie dem stolzen Nico eine Urkunde und ein Buch überreicht und sich für sein Engagement bedankt.

Dieses Engagement aller Mitglieder war 2009 vielfältig gefragt, Sabine Rotter wies in ihrem Bericht darauf hin. Der Heimatverein betreut nicht nur eine umfangreiche Sammlung tausender Exponate mit den Abteilungen Schule, Kaufladen, Kirche, Landwirtschaft, Möbel, Schreibmaschinen, Musik oder Wohnen, sondern bietet auch Tage der offenen Tür an. Außerdem steht das Haus Interessierten nach Absprache immer offen.

Ein Museum zum Anfassen

So kommen regelmäßig ehemalige Klassen oder Jubelkonfirmanden in die Hopfendarre, in der sich der Verein seit 2000 eingerichtet hat. " Wir sind ein Museum zum Anfassen ", sagt Sabine Rotter. Jeder Besucher könne die Exponate aus der Nähe betrachten, sich beispielsweise auf eine alte Schulbank setzen oder über einen Rasierklingenschärfer staunen. " Wenn Geschichte erlebbar ist, kann man sie am besten vermitteln ", erklärt die Vereinsvorsitzende die Philosophie des Museums und des Heimatvereins.

Dessen 34 Mitglieder präsentierten sich im vergangenen Jahr vielfältig. Sei es in der Region, bei von Haus aus initiierten Kranzniederlegungen am Totensonntag, dem Erntedankfest und dem Weihnachtsmarkt im Cosic-Park oder auf dem Staßfurter Salzlandfest. Und überregional, wie auf dem Sachsen-Anhalt-Tag. Höhepunkt für den Nachwuchs war eine Gespensternacht mit 43 Kindern, die in diesem Jahr unbedingt ihre Neuauflage erleben soll. Das 30. Salzlandfest 2010 gestaltet man ebenfalls mit, die eigenen, festen Termine – schon zur Tradition geworden – inklusive.

Vereinsarbeit trägt zur Identität bei

Die Wurzeln der Gruppe gehen bis in das Jahr 1993 zurück. Ein Club, der den Namen des Atzendorfer Pfarrers und Chronisten Samuel Benedikt Carstedt ehrenhalber annahm, bereitete die 1020-Jahr-Feier in Atzendorf vor. Als das Jubiläum erfolg- und höhepunktreich über die Bühne gebracht war, wollten die Mitglieder nicht wieder auseinandergehen. 1996 schließlich war der Carstedt Club Heimatverein Atzendorf als eingetragener Verein etabliert. Schon damals waren eine Trachten- und eine Plattdeutschgruppe integriert. Heute gehören eine Handarbeits- und eine Kalendergruppe dazu.

Froh sind die Heimatvereinsleute, dass sie 2009 einen PC von Erdgas Mittelsachsen geschenkt bekam. " Mit ihm können wir die Inventarlisten für die Bücherei und für das Museum in Angriff nehmen ", sagt Sabine Rotter. In dem Fundus, der zur alten Bücherei Atzendorf gehörte und von Privaten vergrößert wurde, können Besucher immer mittwochs stöbern. In den Startlöchern stehen außerdem Ehrenvorsitzender Kurz Braun und die Mitglieder der Kalendergruppe, um eine Jahresblattsammlung zum Thema Kindertagesstättezusammenzustellen. Verstärkt gesucht werde, so Sabine Rotter, im laufenden Jahr auch wieder die Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen des Ortes, besonders beim Sommerlager der Zentralen Landsportgemeinschaft.

Ein so facettenreiches Vereinsleben versetzte Staßfurts stellvertretenden Bürgermeister Hans-Georg Köpper beim Besuch der Jahreshauptversammlung ins Staunen. Er sprach den Mitgliedern im Namen der Stadt Dank und Anerkennung aus. Mit Blick auf die Eingemeindungen von Atzendorf nach Förderstedt und Staßfurt sagte Köpper : " Die Arbeit des Heimatvereins beweist, dass die Orte nicht ihre Identität verlieren. " Ein Gut, dass es wie bei allen Vereinen in den Ortsteilen zu bewahren gelte.

Ortsbürgermeister Peter Rotter schloss sich dem an. " Nur wer sich seiner selbst sicher ist, kann sich voll einbringen ", so sein Gruß. Im Sinne aller Ortsteile wünschte sich Rotter rege Vereinstätigkeit für eine Stadt Staßfurt mit vielfältigen Facetten.