Schönebeck. Stolz hält Claudia Gawrosch ihren Führerschein in den Händen. Seit wenigen Monaten hat sie damit die Berechtigung, sich motorisiert von A nach B zu bewegen. Eine Selbstverständlichkeit ist das für die 22-Jährige jedoch nicht. Nachdem sie im Anschluss an ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in Schönebeck nicht übernommen wurde, und Bewerbungen nicht gefruchtet haben, ist sie vorerst arbeitslos. Geld, um sich die Führerscheinausbildung leisten zu können, war dadurch nicht vorhanden. Und trotzdem hält die junge Frau nun dieses kleine Kärtchen in den Händen.

Claudia Gawrosch hat eine Maßnahme der Kommunalen Beschäftigungsagentur ( KoBa ) in Schönebeck genutzt, die es jungen Erwerbslosen ermöglicht, durch selbstverdientes Geld den Führerschein zu machen. Nun blickt sie optimistischer in die Zukunft. " Die Erfahrung hat gezeigt, dass junge Menschen ohne Führerschein nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben ", sagt Sven Hause, Bereichsleiter bei der KoBa, zuständig im Altkreis Schönebeck. Während die Fahrerlaubnis bei Bewerbungen heute meist eine Grundvoraussetzungen sei, würde es hingegen für junge Menschen ohne festes Einkommen eine große Hürde sein, diese Ausbildung zu finanzieren.

Gerade die jungen Erwerbslosen stehen laut Hause bei der KoBa oben in der Prioritätenliste. Dass im Bundeskabinett in der vergangenen Woche nun der Beschluss verfasst wurde, " künftig jedem Arbeitslosen unter 25 Jahren innerhalb von sechs Wochen ein Ausbildungsoder Arbeitsplatz oder eine Arbeitsgelegenheit " angeboten werden soll, kommentiert Hause schlicht : " Das ist das, was wir seit Jahren leisten. " Um seine Aussage zu unterstreichen, nennt der Bereichsleiter die Statistik, die jetzt durch die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte wurde. Darin steht Schönebeck an der Spitze aller Grundsicherungsstellen in Deutschland. Der Anteil Jugendlicher unter 25 Jahre an den Arbeitslosen beträgt 0,9 Prozent, das der Agentur nach das Minimum ist. Als weiterer Ort in Sachsen-Anhalt ist in der Liste Wernigerode ( Harz ) mit 3,5 Prozent aufgeführt. " Wir können für die vergangenen Monate auf einen achten Platz in der Deutschland-Statistik verweisen ", sagt Hause stolz.

" Das Ergebnis bestätigt unsere nachhaltige Arbeit auf diesem Gebiet. Wir werden weiter intensiv mit jungen Menschen arbeiten, um ihnen eine vernünftige Grundlage für ihr Arbeitsleben bieten zu können ", nennt der Bereichsleiter das Ziel, das die KoBa in ihrem Zuständigkeitsbereich durch den Einsatz verschiedener Werkzeuge verfolgt.

Unter dem Titel " Arbeitsgelegenheit mit Qualifizierungsanteil " hat die KoBa im vergangenenJahr 175 Jugendlichen die Möglichkeit geboten, bei verschiedenen Trägern tätig zu sein und sich gleichzeitig mit dem umgangssprachlich bekannten 1-Euro-Job beispielsweise die Führerscheinausbildung zu finanzieren. " Wir bezahlen den Teilnehmern nicht den Führerschein ", betont Hause mehrfach. Es geht vielmehr darum, dass sich die Jugendlichen selbst durch eine sinnvolle Tätigkeit die Fahrerlaubnis finanzieren.

Hilfreich ist dabei sicher auch die Kooperation mit einer Fahrschule, die zu einem etwas vergünstigten Preis die Ausbildung anbietet. Zusätzlich ist der Lehrer geschult in dem Umgang mit den Mädchen und Jungen, die oft gewisse Brüche in ihrer Biografie zu überstehen hatten, wie Cornelia Wiesner berichten kann. Sie ist Mitarbeiterin bei der Gesas ( Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktförderung ), die ein Träger der KoBa-Maßnahmen ist. Sie weiß, dass ihre Teilnehmer nicht nur erwerbslos sind, sondern einige auch kognitive Schwierigkeiten haben. Das zeigt sich darin, dass nach bestandener Theorieprüfung manch einer mit der Koordination von Hand und Fuß im Auto zu kämpfen habe. " Das benötigt ein gewisses Fingerspitzengefühl vom Lehrer ", sagt Wiesner.

Weitere Instrumente der KoBa sind die Berufsvorbereitenden Maßnahmen sowie die Ausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen ( BaE ) aus. Das BaE, in das die KoBa jährlich 1.5 Millionen Euro steckt, richtet sich an Jugendliche, die noch keine betriebliche Ausbildung haben. Der Vorteil des BaE sei laut Hause, dass den jungen Teilnehmern aus sozialpädagogischer Sicht enorm unterstützt werden. " Wir wollen Defizite bei den Jugendlichen abbauen und ausgleichen ", sagt der Bereichsleiter, der auch darauf stolz ist, dass in Kooperation mit der Gesas Jugendliche, die bei der KoBa gemeldet sind, eine Ausbildung zum Straßenwärter absolvieren können.

Mit kleinen Bausteinen, die bei den Fachmännern unter anderem mit den Abkürzungen APO / LEP oder GAJL betitelt sind, soll letztlich ein großes Ziel erreicht werden : " Das, was wir bei den Jugendlichen retten, sind die grundsätzlichen Voraussetzungen für den ersten Arbeitsmarkt. "