Am Freitag war in der Kunstgießerei Lauchhammer der Guß der größten Bronzeglocke für die Förderstedter Petrikirche angesetzt. So machte sich eine über 20-köpfige Delegation unter Leitung des stellvertretenden Kirchenratsvorsitzenden Olaf Böge und der Pfarrein Marina Mönnich auf den Weg nach Lauchhammer, um diesem bedeutenden Ereignis vor Ort beizuwohnen.

Lauchhammer. Anfangs begrüßte der Lauchhammer Verkaufsleiter Johannes Remenz die Gäste. Er informierte über den 1725 gegründeten Betrieb. Zunächst wurde aus Raseneisenstein das Eisen herausgeschmolzen. Erst über 100 Jahre später, 1834, begann hier mit einer Eisenglocke der Glockenguß. Als Kunstgießerei war der Betrieb schon vor dem ersten Weltkrieg weltberühmt – im Glockenguß wurde er erst danach bekannt. Die schwerste damals gegossene Glocke wog 4,5 Tonnen. Erst nach der Wende ging es wieder richtig los. Fast jede Woche – immer freitags 13 Uhr – wird eine Glocke hier gegossen. Seit 1990 liegt der Auftragseingang bei 690 Glocken. Die größte jemals vom Betrieb gegossene Glocke ist die " Domina"– die größte Glocke im Halberstädter Dom. Sie wurde 1999 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit auf dem Platz vor dem Dom gegossen. Die drei für Förderstedt bestimmten Glocken wiegen 533,839 und 1506 Kilo.

Danach konzentrierte sich alles auf den Guss der größten der drei Glocken. Pfarrerin Mönnich erbat vorher den Segen Gottes für den Guß. Gemeinsam wurde anschließend das " Vater unser " gebetet. Schon lange vorher war im Gußraum die Schmelze im Ofen vorbereitet. Durch eine Rinne floss die flüssige Glockenbronze, bestehend aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn, in die in den Erdboden eingelassene Form. Ein Gießer kontrollierte den Austritt der Schmelze aus dem Ofen, ein zweiter den Schmelzfluss in die Form, drei weitere waren für eventuelle Handreichungen zuständig. Gegossen wurde in einem Zug ohne Unterbrechung.

Der weitere Ablauf ist, dass die Glocke bis etwa Mittwoch in der Form langsam erkaltet und dann ausgeformt wird. Dann wird sie zunächst von Remenz, der auch geprüfter Glockensachverständiger ist, begutachtet. Die beiden kleineren, für das Bördedorf bestimmten Glocken, waren bereits zwei Wochen vorher gegossen. Am 5. Mai erfolgt die offizielle Abnahme aller drei Glocken und anschließend der Transport nach Förderstedt. Hier wird auf dem Kirchturm parallel alles vorbereitet, so dass zum Pfingstfest erstmalig das dann komplette neue, aus insgesamt fünf Glocken bestehende Geläut erschallen wird. Denn die beiden Glocken, die bisher die Viertel- und die vollen Stunden schlugen, gehören nun dann dazu.

Im Gußbetrieb schloss sich ein Vortrag von Glockenformer Andreas Gensel an, der die komplizierte Formherstellung erläuterte. Für eine Glocke dieser Größenordnung benötigen zwei Former rund eineinhalb Wochen Arbeitszeit, fast alles Handarbeit, die sich wegen der immer wieder notwendigen Trocknungsprozesse auf einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen erstreckt. Er erläuterte auch, dass Bronzeglocken eine erheblich größere Lebensdauer und einen besseren Klang im Vergleich zu Stahlglocken haben.

Der Besuch im Museum und ein Essen rundeten den Tag in Lauchhammer ab.