Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai plant die Stadt Staßfurt mit vielen Partnern eine Aktionswoche vom 4. bis zum 7. Mai. Das Angebot wird dabei vor allem auf dem Bereich der sozialen Inklusion liegen.

Staßfurt. " Inklusion beschreibt die Gleichwertigkeit eines Individuums, ohne dass dabei Normalität vorausgesetzt wird ", sagt Christine Fischmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Normal sei vielmehr die Vielfalt, das Vorhandensein von Unterschieden. Die einzelne Person sei so nicht mehr gezwungen, unerreichbare Normen zu erfüllen, vielmehr sei es die Gesellschaft, die Strukturen schaffe, in denen sich Personen mit Besonderheiten einbringen und auf die ihnen eigene Art wertvolle Leistungen erbringen können.

Umgekehrt muss es aber überall Zugang geben. Beispiel dafür ist die Barrierefreiheit. Die Erreichbarkeit von öffentlichen Einrichtungen, Verkehrsmitteln, Einkaufsmöglichkeiten oder Arztpraxen. Doch der Zugang ist nicht das große Problem in Staßfurt, weiß Yvonne Schuhmann, Heimleiterin der Lebenshilfe-Bördeland-Wohnstätten Leopoldshall und Staßfurt. " Mobilitätsmöglichkeiten gibt es, wir animieren die Menschen mit Handicaps, vieles selbst und eigenverantwortlich zu tun. Doch oft fehlt es an Toleranz und Zuwendung ", sagt Yvonne Schuhmann. Den behinderten Menschen werde immer noch mit Vorurteilen begegnet.

Aus diesem Grund beteiligt sich die Lebenshilfe Bördeland an der Aktionswoche und am kommenden Dienstag am Protesttag am Sperlingsberg, zusammen mit dem BBRZ Rathmannsdorf, der Stiftung Staßfurter Waisenhaus, der Urania, dem Betreuungsverein, der Volkssolidarität, dem Berufsförderungswerk, dem Gesundheits-, Rehabilitationsund Behindertensportverein und der Stadtverwaltung. " Wir wollen für das Thema ‚ Inklusion ‘ werben und die Menschen sensibilisieren ", sagt Kathrin Weise, medizinische Leiterin im Behindertenbereich der Stiftung Staßfurter Waisenhaus. Oft seien es die kleinen Dinge, die großes bewirken. Eine Hilfestellung oder eine andere Form der Zuwendung. Die Stiftung Staßfurter Waisenhaus will das ganz praktisch erproben. Die Wohnbereiche für Menschen mit geistiger Behinderung oder Mehrfachbehinderung werden einen Rollstuhlparcours aufbauen, bei dem die Besucher des Protesttages erfahren, wie man sich im Rollstuhl fortbewegt, wo es Hürden gibt und wie wichtig es dabei ist, auf die Hilfe anderer vertrauen zu können.

Die Inklusion ist daneben Thema einer Plakataktion, die eine neunte Klasse der Sekundarschule Hermann Kasten unter der Leitung von Lehrerin Heike Hoffmann mit dem Projekt " Stern 2000 " der Urania durchführt.

Die Bilder werden in der Woche mehrfach zu sehen sein. Daneben werden am 4. Mai Kreativ- und Infostände aufgebaut sein, die Trommelgruppe der Wohnstätte Am Wachtberg in Hecklingen ist zu erleben und es wird ein Gleichstellungsquiz geben.

Geplant war, so Christine Fischmann, den Protesttag auf dem neu gestalteten und barrierefreien Wächterplatz durchzuführen. Doch die Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen.

Weil der Wochenmarkt den Benneckeschen Hof beansprucht, sind die Veranstalter in die Steinstraße auf den Sperlingsberg rund um den Salzblumen-Brunnen gezogen. " Wir hoffen, dass wir auch hier viele Menschen erreichen und die Passanten sich für das Angebot interessieren ", so die Gleichstellungsbeauftragte.