Staßfurt. Als das erste Mal ihr Name fällt, stehen Ingelore Gießmann aus Schönebeck die Schweißperlen auf der Stirn. Ihre Nachbarin beruhigt sie. " Das sind doch erst alle, die nominiert worden sind. " Schlussendlich steht die Schönebeckerin dann doch als eine der fünf Salzlandfrauen auf der Bühne, die am Frauentag im Salzlandtheater Staßfurt ausgezeichnet werden. Wie die anderen Preisträgerinnen auch hat sie vorher nicht einmal gewusst, dass sie vorgeschlagen wurde. Als die Laudatio beginnt, kämpft Gießmann, die die Kleiderkammer in Schönebeck unter ihren Fittichen hat, mit den Tränen. Ein wenig sprachlos sind auch die anderen Salzlandfrauen. Eine emotional bewegte und bewegende Atmosphäre zeichnete die gesamte Veranstaltung aus, die nach ursprünglicher Planung in Aschersleben hätte stattfinden sollen.

Als gute Gelegenheit, das ehrenamtliche Engagement von Frauen im Salzlandkreis zu würdigen, bezeichneten sowohl Landrat Ulrich Gerstner als auch Staßfurts Oberbürgermeister René Zok und Mitveranstalter Thomas Wagner, Chef des Staßfurter RiRo Speiseservice, den Tag. Gerstner erinnerte noch einmal an den Ursprung der Veranstaltung, die man aus dem Altkreis Aschersleben-Staßfurt übernommen habe. Neben den Frauen in der ersten Reihe erinnerte der Staßfurter OB Zok an die Frauen im Hintergrund : " Selbst ein Männergesangsverein kommt ohne Frauen nicht aus. " Und manch ein Sportverein würde ohne Frauen möglicherweise auch ohne Trikots auflaufen. Wie vielfältig das Engagement von Frauen im Salzlandkreis ist, das wurde bereits anhand der Preisträgerinnen deutlich : Mit Birgit Eisfeld wurde eine temperamentvolle Theaterfrau geehrt, die in Aschersleben nicht nur das dortige Kulturamt geleitet hat, sondern nach der Pensionierung ihr Jugendprojekt " Studiobühne " mit großen Erfolg wieder ins Leben gerufen hat. Ursula Pennigsdorf aus dem Staßfurter Ortsteil Hohenerxleben hat in ihrem Dorf das kulturelle Leben überhaupt wieder belebt : Dort gibt es seit 2005, seit Gründung des Kultur- und Heimatvereins, erst wieder verstärkt gemeinsame Aktivitäten auch über die Generationen hinweg. Bei Rockfestivals zum Beispiel sitzen die Senioren an der Kasse.

Wie eine Unternehmerin im ländlichen Raum überlebt, dabei schafft, was größere Betriebe nicht hinbekommen, nämlich auszubilden, sich dabei fürs Dorfleben engagiert, machte Anja Hoffmann deutlich. Marlies Süßmuth aus Bernburg hingegen ist in der Kreisstadt als engagierte Politikerin bekannt.

Eines machten alle Geehrten deutlich : " Wir machen das nicht allein ", so Süßmuth. " Es geht nur mit der Gemeinschaft ", so Ursula Pennigsdorf. Und starke Frauen brauchen einen Rückhalt in der Familie : " Ich danke meinem Mann ", sagte Anja Hoffmann. Dem schloss sich Birgit Eisfeld an : Sie werde den Moment nie vergessen, als ihr Lebensgefährte sie liebevoll gefragt habe. " Gibts denn heute Abend etwas zu essen außer Theater ?"

Einen Blumenstrauß bekamen auch die Organisatorinnen der Veranstaltung, die Gleichstellungsbeauftragten Regina Stein ( Bernburg ), Sabine Blitz ( Schönebeck ), Christine Fischmann ( Staßfurt ) und Astrid Müller ( Salzlandkreis ).