Güsten. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft ( LHW ) Sachsen-Anhalt hat für die Wipper unterhalb von Groß Schierstedt Freitagabend " wegen steigender Tendenz in der Wasserführung " die erste von vier möglichen Alarmstufen ausgerufen. Das betrifft auch die Orte Giersleben, Güsten, Amesdorf, Osmarsleben und Ilberstedt. Der Pegel lag bei 1, 84 Meter. Am frühen Sonntagabend wurde bereits ein Wert von 1, 97 Meter gemessen. Die Behörde gibt an, dass der Fluss bordvoll sei, aber noch keine Gefahr für die Anlieger bestehe. " Alarmstufe I bedeutet, der festgelegte Richtpegel des Wasserstandes wird mit steigender Tendenz überschritten. Meldungen über die Entwicklung sind abzugeben. Wird Stufe II eingerichtet, sind Städte und Gemeinden verpflichtet, einen Kontrolldienst einzurichten ", hieß es von einer LHWMitarbeiterin aus Magdeburg.

In Güsten hat man auf die sich entwickelnde Hochwassersituation reagiert und am Freitag das Liethe-Wehr geöffnet. 25 bis maximal 30 Kubikmeter Wasser rasen innerhalb einer Sekunde durch die Anlage südwestlich der Stadt. Sind die Tore geöffnet, fließt ein Teil des Wassers in die Liethe, vorbei an Rathmannsdorf und Staßfurt und bei Hohenerxleben direkt in die Bode. " Das ist der beste Hochwasserschutz für Güsten, Amesdorf und Osmarsleben ", sagt Güstens Bürgermeister Helmut Zander. " Die Wipper wird damit sehr entlastet. "

Gemeinsam mit Mitarbeitern des Bauhofs sichert der Stadtchef den Bereitschaftsdienst ab und kontrolliert regelmäßig die Pegel. Zeigt das Maß in Groß Schierstedt 1, 54 Meter an, müssen die Güstener den Wachdienst stellen.

Hier sind jetzt auch die Schlüssel, um an den Bedienungskasten des 1996 errichteten Wehres zu kommen und die Tore zu steuern. Bisher fiel diese Aufgabe in die Verantwortung des LHW. Aber im Zusammenhang mit der Gründung einer Wasserwehr in der neuen Verbandsgemeinde Saale-Wipper wollte man auch die Handhabe über die Hochwasserschutzeinrichtungen haben. " Jetzt macht es sich bezahlt, diese Forderung aufgestellt zu haben ", sagt Helmut Zander. " Wir können im Ernstfall schnell reagieren und müssen nicht warten, bis die LHW-Mitarbeiter aus Halberstadt oder Sangerhausen kommen. " Dennoch werde der Wehrbetrieb eng mit der Behörde und dem Flussbereichsmeister abgestimmt.

Im Moment sind die Tore so geöffnet, dass der Wipperpegel am Wehr unter der Richtmarke von 1, 10 Meter liegt. Bewusst haben die Verantwortlichen so weiteren Spielraum gelassen, wissen sie um die Vorhersagen der LHW-Hochwasserzentrale und weitere Niederschläge. Außerdem fließe viel Oberflächenwasser von den Äckern in das Flussbett ab, erklärt Helmut Zander, so dass nicht der Pegel in Groß Schierstedt allein in die Analysen einbezogen, sondern immer auch vor Ort gemessen werde. Mehr als die 30 Kubikmeter Wasser kann die Liethe aber nicht aufnehmen. Steigt der Pegel in der Wipper, wird in Osmarsleben zusätzlich die Flutmulde genutzt, in die Wasser abgeleitet wird. " Aber soweit sind wir noch nicht ", sagt Helmut Zander.

In dieser Woche arbeiten noch einmal Experten an der technischen Anlage. Sensoren werden aktiviert, die im Liethekanal die Durchflussmenge messen. Auf einem Display am Wehr sind dann die Werte abzulesen.