Der erhöhte Pegel der Bode – gegen 18 Uhr kratzte er gestern mit 2, 73 Meter an der Messstelle Staßfurt an der Alarmstufe II ( 2, 80 Meter ) – sorgt wieder für eine wässrige Nebenerscheinung in der Grenzstraße. An der Wipper hatten die Einsatzkräfte im Verlauf des Tages gestern keine Probleme. Durch die Regulierung des Einlauf-Wehrs in die Liethe bei Warmsdorf konnte der Pegel der Wipper kontrolliert werden, so dass es in Giersleben und auch in Ilberstedt keine spektakulären Ereignisse gab.

Staßfurt / Güsten. " Zwei der vier Schütze können noch gezogen werden und dann haben wir auch noch die Flutmulde Osmarsleben als Puffer ", stellte der Güstener Bürgermeister Helmut Zander gestern am Liethe-Einlauf-Wehr bei Warmsdorf zufrieden fest. Neben ihm vergleichen Rolf Lischka und Jörgen Köster vom LandesbetriebfürHochwasserschutz und Wasserwirtschaft ( LHW ) die Durchlaufmengen der Liethe, die sie an zwei verschiedenen Stellen gemessen haben. Gegen Mittag waren es 12 Kubikmeter pro Sekunde ( vier mehr als am Vortag ), die durch den Kanal an den Heimstätten und Rathmannsdorf vorbei Richtung Staßfurt gen Bode schossen. " Die Werte, die wir jetzt im Ernstfall sammeln, benötigen wir, um eine Beziehung zwischen Wasserstand und Durchflussmenge herzustellen ", erklärt Köster. Daraus resultiere dann, wie die vier Schütze des Einlauf-Wehres gezogen werden müssen.

Die ersten praktischen Erfahrungen hatten Helmut Zander und sein Bauhof-Chef Uwe Hanusa bereits nach wenigen Stunden am Steuerkasten und mit dem Handy am Ohr gesammelt. Nachdem die Liethe noch einmal Entlastung brachte, konnte der Ilberstedter Bürgermeister Lothar Jänsch gestern Mittag erfreut melden : " Die erste Flut ist vorbei. Das überflutete Sportplatzgelände ist wieder wasserfrei. " Ein bisschen ärgert er sich aber doch : " Das Osterfeuer, das wir in vier Wochen dort geplant haben, können wir nun vergessen. Einen Tick eher hätte das Wehr gezogen werden müssen. Aber daraus lernen wir. Ist alles Abstimmungssache. Im Großen und Ganzen klappt das ja auch. Müssen wir eben mit dem Osterfeuer umdisponieren. "

In Giersleben erwarteten die Kameraden unterdessen am Nachmittag den Scheitel, nachdem in der Nacht in Wippra der Überlauf des vollen Staubeckens kontrolliert geöffnet worden war. Etwa zehn Zentimeter bewegte sich der Pegel in Richtung Alarmstufe III. Doch es blieb für Jens Klatt, Michael Hoffmann und Phillip Naundorf bei der Kontrolle einer Pumpe. Dass man diesmal glimpflich davonkomme, ist für den stellvertretenden Bürgermeister Peter Rietsch nur wieder Antrieb, um für einen noch besseren Hochwasserschutz zu kämpfen. Weitgehend sorglos wäre auch seine Gemeinde, würde das lange geplante neue Auffangbecken bei Wippra kommen. Und natürlich auch in Giersleben selbst der Deichring ( wir berichteten ). Provisorisch nach dem Jahrhunderthochwasser 1994 aufgeschüttete Dämme hätten zwar schon mehrmals in den letzten Jahren geholfen, wie Wipper-Anrainer Wilfried Hoffmann versichert, doch die zwei Grundstücksbesitzer, die bislang den Bau eines richtigen Schutzes verhindern, sollten endlich zur Vernunft kommen. Hoffmann hatte 1994 selbst ein Meter Wasser im Haus. " Das muss man nicht nochmal haben. "

In Staßfurt ist unterdessen die Grenzstraße nicht mehr passierbar. Die volle Bode lässt das Wasser in der Kanalisation nicht mehr abfließen. " Wir haben im Vorfeld nach den Erfahrungen unseres Hochwasser-Dokuments alles abgearbeitet ", erklärte der zuständige Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann gestern Nachmittag. So lägen unter anderem Sandsäcke bereit zum Füllen. Das LHW habe Athensleben und das Rothenförder Wehr im Blick, wo sich Schwemmgut angesammelt hat.

Richtig Arbeit kommt derweil auf den Wassergrabenunterhaltungsverband zu. Nach Aktionen am Neundorfer Grabensystem sei am heutigen Mittwoch der Staßfurter Bereich Im Moore bis zum Neundorfer Hauptgraben an der Reihe, damit das Schmelzwasser wieder ordentlich abfließen könne.