Staßfurts Oberbürgermeister René Zok ( parteilos ) hat die Wiederaufnahme der Arbeit des Motivations- und Orientierungszentrums ( MOZ ) begrüßt. An diesem Projekt haben seit dem 1. November insgesamt 464 Schüler des Dr. Frank-Gymnasiums, der Sekundarschulen Hermann Kasten und Förderstedt sowie der Oskar-Kämmer-Schule Schneidlingen teilgenommen.

Staßfurt. Wieder zum Leben erweckt wurde das neue, über insgesamt drei Jahre laufende Projekt " zusätzliche Betreuungsangebote im MOZ " mit Hilfe des Modells " Kommunal-Kombi ". Die Mittel dafür teilen sich Bund, Land, Landkreis und die Stadt.

" Unterstützt wird das Ganze von Unternehmen in Form von Spenden. Mit diesem Geld werden die Arbeitsmittel finanziert ", sagte Zok. Koordiniert wird diese Maßnahme vom Förderverein des Motivationsund Orientierungszentrums.

Zok freut sich, dass man mit Hilfe des MOZ die Sechstklässler der Stadt wie damals zu DDR-Zeiten mit dem Unterrichtsfach Produktive Arbeit besser an handwerkliche Tätigkeiten heranführen kann. Denn sie sollen dort das Feilen, Bohren, Schrauben, Malern, Kochen von simplen Gerichten oder Backen und Handarbeiten sowie das Arbeiten mit Holz, Metall, Farbe oder Ton erlernen.

Die Schüler können die Angebote in den Bereichen Gastronomie / Kochen und Hauswirtschaft, Holzbau / Metallbau sowie Malern und Farbgestaltung nutzen. Das Töpfern ist geplant.

Wie der Oberbürgermeister informierte, nutzen die Fachlehrer der Sekundarschulen, des Gymnasiums und der Pestalozzi-Förderschule die Fachkabinette des MOZ insbesondere für die Unterrichtsfächer Hauswirtschaft, Werken und Kunsterziehung. Das MOZ erweitert den Unterricht somit um die praktische Komponente.

Von den Möglichkeiten, die sich ihnen dort bieten, seien die Schülerinnen und Schüler ganz begeistert, weiß der Oberbürgermeister.

Das Projekt habe einen zusätzlichen Charakter und stelle keine berufliche Frühorientierung im Rahmen der Tätigkeitsfelder der Arbeitsagentur dar, stellte der Wirtschaftsförderer der Stadt, Christian Schüler, klar. Eine Erweiterung des dortigen Angebotes sei unter künftiger, verstärkter Einbeziehung der einheimischen Betriebe in Vorbereitung, werde dann aber in neuen Projekten außerhalb des MOZ umgesetzt.

Die Stadt habe sich für die Fortführung des MOZ engagiert, weil die Unternehmer beim Wirtschaftsstammtisch immer wieder den Fachkräftemangel und die fehlende Ausbildungsreife der Schulabgänger beklagt hätten, sagte der Oberbürgermeister. " Wir müssen den Mädchen und Jungen deutlich machen, welche Anforderungen die Wirtschaft hat ", fügte das Stadtoberhaupt hinzu. Ziel sei es, ihnen interessante Ausbildungs- und Arbeitsplätze anzubieten und die jungen Leute damit in der Region zu halten.

Sodawerk bietet eigens eine Chemie-AG an

Der Oberbürgermeister sagte, er lasse derzeit prüfen, ob es möglich sei, dass die Schüler nicht nur im MOZ die Wände anstreichen, sondern ob sie auch in ihrer Schule tätig werden können. Zok verspricht sich davon neben dem praktischen Nutzen auch noch einen erzieherischen Effekt. " Denn eine Wand, die die Jugendlichen selbst mit einem Farbanstrich versehen haben, werden sie so schnell wohl nicht beschmutzen, weil sie wissen, wie mühsam und aufwändig diese Arbeit war. " Das Stadtoberhaupt könnte sich auch vorstellen, dass die Schüler bestimmte Holzarbeiten für den guten Zweck auf einem Basar anbieten.

Betroffen macht den Oberbürgermeister, dass in einer Stadt wie Staßfurt mit einem so traditionsreichen Chemieproduktionsstandort wie dem Sodawerk die Schüler immer öfter das Fach Chemie abwählen.

Deshalb appelliert Zok an die Lehrer das Interesse der Mädchen und Jungen an diesem wichtigen Fach zu wecken und an die Schüler, sich stärker dafür zu interessieren, weil das für sie bei der Berufsauswahl hilfreich sein könnte.

Wie der Wirtschaftsförderer informierte, setzt das Sodawerk da an. " Es bietet ab dem nächsten Monat dazu speziell eine Arbeitsgemeinschaft, Chemie erleben ‘ für acht bis zehn Schüler ab der achten Klasse an ", sagte Schüler.

Das MOZ war ursprünglich vom BBRZ aufgebaut worden. 2008 lief dann aber die Förderung aus. Der daraufhin gegründete Förderverein konnte diese wichtige Einrichtung bis zum Februar 2009 am Leben erhalten. Dann kam das Aus.