Rathmannsdorf. Mit einem Parzellenleerstand von 60 Prozent hat der Gartenverein An der Bahn schon große Sorgen. Die Absage der Arge, mit Beschäftigungsmaßnahmen bei der Beräumung der nicht mehr bewirtschafteten Gärten hilfreich zu sein ( Volksstimme berichtete ), trifft gerade so kleine Vereine, wie den in Rathmannsdorf. " Wir fühlen uns allein gelassen mit dem Rückbau ", sagte Klaus Magenheimer, der erst Ende 2009 den Vorstand des Vereins übernommen hatte. Bei der gut besuchten Jahreshauptversammlung der Kleingärtner am Dienstagabend äußerte der Chef des Regionalverbandes Gerhard Kahle wiederholt seinen Unmut über die Situation, die hauptsächlich dem fehlenden Nachwuchs geschuldet sei. " Die Politik hat versagt. Sie kümmert sich um jeden Mist. Die Gärten sind aber ein soziales Problem. Wo sind denn unsere Söhne ? Im Westen, in den Niederlanden, in der Schweiz ", wetterte Kahle, " Ich kann heute eine Laube auch nur noch verschenken, weil die Jugend kein Geld hat. Dass wir erleben müssen, wie das alles den Bach runtergeht, habe ich 1990 auch nicht geahnt. "

Er könne es jedenfalls nicht von einem 90-Jährigen verlangen, dass er seine Laube abreißt, wenn er seinen Garten aufgeben will und keinen Nachfolger findet.

" Im Pachtvertrag steht aber nunmal, dass die Parzelle dann, schwarz ‘ gemacht werden muss ", so Kahle. Jetzt müsse man zusehen, dass der Generalpachtvertrag mit der Stadt dahingehend geändert werde, damit die Arge bestehende Gesetze einhalten und Maßnahmen veranlassen kann. Wenn das nicht funktioniere, werde alles weiter so gehen.

Kahle äußerte sich auch zu einem speziellen Problem des Rathmannsdorfer Vereins. So weigern sich zwei Mitglieder, anteilige Beiträge für den Regionalverband zu zahlen. " Als Generalpächter muss ich sagen ohne Wenn und Aber : Wer nicht bezahlt, muss gehen. Was der Verein macht, ist dessen Sache. " In der Diskussion wurde deutlich, dass die anwesenden Mitglieder auf die Anerkennung der bestehenden Satzung durch alle Mitglieder pochen.

Klaus Magenheimer reagierte auf eine Bemerkung, dass es für Hartz-IV-Empfänger einfach auch ums Geld gehe : " Es gibt bei uns im Verein Arbeitslose und Langzeitarbeitslose, die bezahlen. Und wir können auch Wege anbieten, die Beiträge zu strecken. Aber eben nur für Mitglieder. "

Er würde es bedauern, wenn der Verein mit seinen 16 Mitgliedern wieder zwei verlöre. Aber die Satzung gebe es einfach nicht her, dass die Mehrheit der Mitglieder alles bezahlt, und Einzelne nur einen Teil. Für einen durchschnittlich großen Garten von 450 Quadratmetern zahlen die Mitglieder in der Rathmannsdorfer Anlage insgesamt rund 50 Euro im Jahr. Enthalten sind Pachtzins, Beiträge für Regionalverband ( 14 Euro ), Landesverband und Versicherung.

Gerhard Kahle appellierte, sich vielleicht doch nochmal zu überlegen, was besser für die beiden Betroffenen wäre, zumal sie selbst zugaben, durch die Aufgabe eines Gartens wieder etwas an Lebensqualität zu verlieren.

Bei allen " misslichen Umständen " sei man beflügelt worden, weiter zu machen, sagte der Vereinsvorsitzende. " Trotz 60 Prozent Leerstand wollen wir unsere Anlage behalten und unter Mitwirkung der Politik beim Rückbau mitwirken. Die grüne Oase am Ortsrand soll aber erhalten bleiben. " Als gutes Beispiel ging Klaus Magenheimer voran und meldete an, seinen alten Schrebergarten wieder zu übernehmen.