In den vergangenen zwei Jahren haben in Sachsen-Anhalt sechs Schulnetzwerke zu verschiedenen Themen gearbeitet. Das Schulnetzwerk Staßfurt-Aschersleben unter dem Motto " Demokratie-Transfer " gehört dazu. In ihm kooperieren das Staßfurter Dr .-Frank-Gymnasium, die Goethe-Grundschule, die Sekundarschule Hermann Kasten und die Berufsbildenden Schulen. Im Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt ( LISA ) in Halle stellten die Netzwerke nach Projektende ihre Ergebnisse vor. Doch ans Aufhören denken die Macher in Staßfurt noch lange nicht.

Staßfurt. " Wir machen weiter " steht als Schlagzeile über der Präsentation des Schulnetzwerkes Staßfurt-Aschersleben bei der Endauswertung in Halle. Zwei Jahre Aus- und Weiterbildung, Qualifizierung undgeknüpftePartnerschaften, für Schüler und Lehrer gleichermaßen, sind vergangen. Die offizielle, vom Land Sachsen-Anhalt begleitete Phase ist jetzt vorbei.

Doch der Verbund will weiter arbeiten, gemachte Erfahrungen vertiefen und im Schulalltag praktisch darauf zurückgreifen. " Alle beteiligten Schulen haben von diesem Netzwerk profitiert ", sagt Dr. Ulrich Tutas, Lehrer am Dr .-Frank-Gymnasium und Leiter des Netzwerkes. Die Einschätzung des Programms rührt nicht einfach aus seiner Funktion heraus, es gibt ordentliche Ergebnisse vorzuweisen. Die vier Schulen unterstützen sich vielfältig. Schüler des Gymnasiums übernehmen Lernpatenschaften für die Grundschüler oder sitzen in der Jury für den Goethe-Lesekönig, Berufsschüler begleiten Sportfeste der Goethe-Grundschule. Die Lehrer hospitieren in den jeweils anderen Schulformen, lernen Unterrichtsabläufe und -voraussetzungen kennen. " Geben und Nehmen " ist das Grundprinzip. Heike Härtge, Leiterin der Goethe-Grundschule, verdankt dem Netzwerk nur Gewinn für ihr Haus und für die Arbeit der Lehrer. " Jeder schätzt die Arbeit des anderen neu ein. "

Die Besonderheit des Staßfurter Netzwerkes besteht darin, dass alle Schulformen im Verbund arbeiten. Vorläufer der Aktion war ein Bund-Länder-Kommissionsprojekt " Demokratie lernen und leben ", das von 2002 an sechs Jahre am Gymnasium und an 160 weiteren Schulen in der gesamten Republik lief. " Gegenstand dieses Programms waren der Ausbau kooperativer Lernfähigkeiten, also Team- und Projektarbeit, die Verbesserung sozialer Schulqualität und die Schaffung von Möglichkeiten demokratischer Mitbestimmung von Schülern an ihrer Schule ", erklärt Dr. Tutas.

So gab es in verschiedenen Fächern Unterrichtssequenzen zur Idee demokratischen Handelns innerhalb der eigenen Schulwände. 2008 war damit Schluss. Der Bund beendete alles ausnahmslos. In Sachsen-Anhalt aber sollte es weitergehen.

Die im Land beteiligten Schulen wurden Kernschulen, die Kooperationen mit anderen Bildungseinrichtungen im Rahmen von Netzwerken eingingen, um neue Kompetenzen weiter zu vermitteln und aus der breiten Streuung wiederum zu profitieren. Nach zwei Jahren ist man froh, den Weg eingeschlagen zu haben. Viel Aufwand war damit verbunden. " Die beteiligten Lehrer haben ein Arbeitsprogramm entwickelt, das Orientierung war und das Ziel vor Augen hielt. "

Ein Bespiel des Zusammenwirkens ist das Methodentraining. Am Dr .-Frank-Gymnasium und der Goethe-Grundschule bildeten sich in drei Veranstaltungen zunächst die Lehrer fort. Dann kamen die Schüler zum Zug. An zwei Tagen wurden sie von den Lehrerinnen und Lehrern auf das laufende Schuljahr vorbereitet. Altersspezifisch organisierten sie ihren Schulalltag – von der richtig gepackten Federmappe in der ersten Klasse bis hin zum Erstellen einer Facharbeit in der Oberstufe des Gymnasiums. Wichtig ist das vor allem für den Übergang von der Grundschule in die nächst höheren Schulen, einfach weil Standards festgelegt und eingeübt werden. Und mehr noch : " Durch eine schulinterne Evaluation konnte festgestellt werden, dass es den Schülern und Lehrern Spaß bereitete. Das ist wichtiges Ziel des Methodentrainings, in dem Handlungen wie selbstverständlich werden sollen. " Das Methodentraining bleibt Bestandteil in allen Schulen, das steht schon fest Auch wird es wieder viele schulübergreifende Aktionen geben, wie Berufsfindungstage oder sportliche Veranstaltun gen. Fortführung finden auch die Elternabende, die Müttern und Vätern die vielfältigen Werdegänge ihrer Kinder dar stellen.

Das Netzwerk will in allen Fällen an Erfahrungen anknüpfen. Für September ist eine Lehrerfortbildung geplant, bei der die Arbeit des Schulnetzes einem interessierten Kollegenkreis vorgestellt werden soll, aber auch über Anfangshürden und aufgetretene Probleme gesprochen werden soll. Vielleicht, so erhoffen sich die Macher, werden weitere Schulen für das Netzwerk gewonnen. Überzeugungsarbeit wollen sie aber auch noch in ihren eigenen Schulen leisten, um alle – Schüler, Lehrer und schuleigenen Leitungen – gleichermaßen von der Notwendigkeit und Richtigkeit ihrer Arbeit zu überzeugen.