Staßfurt ( dw ). Rund 180 Jugendliche aus Staßfurter Schulen erlebten gestern das Stück " Trüffelschweine " von Kristo Sagor in einer Inszenierung des Nordharzer Städtebundtheaters. Welten prallen aufeinander, als die 18-jährige Saskia ( Julia Siebenschuh ), sie fühlt sich vom Leben benachteiligt, die 15-jährige Rike ( Susanne Rösch ) entführt und in einem Wohnwagen gefangen hält, um Rikes Vater zu erpressen, eine Anzeige gegen Saskias Freund zurückzuziehen. Die Situation brodelt, Rollen wechseln, alles läuft anders als geplant. In dieser Extremsituation geraten die jungen Frauen aneinander, verletzen und demütigen sich, aber entdecken auch eine Zuneigung füreinander, eine Freundschaft, denn vieles in beider Leben ähnelt sich. Sebastian Wirnitzer lässt die Schauspieler auf engstem Raum agieren. Sie können sich gar nicht aus dem Weg gehen, wenn sich Emotionen – welcher Art auch immer – entladen, sondern müssen aufeinander reagieren. Beide sind auf der Suche nach sich selbst, nach dem Platz in ihrer Familie, bei ihren Freunden, in der Welt. Die Beziehungen zu den Eltern und die Liebe zum Freund spielen eine Rolle, Körperlichkeit, Sexualität, Zukunftsängste, Anerkennung. Themen, die Jugendliche heute auch betreffen. " Stress mit dem Freund oder Auseinandersetzungen mit den Eltern – das kennt man doch ", sagt Natalie Peterka aus der Ganztagsschule Am Tierpark. Das Stück habe es gut verstanden, diese Dinge anzureißen und damit den Nerv der jungen Zuschauer getroffen, meint die Achtklässlerin. Ihre Freundin Susen Brandes macht das an einem Beispiel fest. " Ich fand es gut, dass auf der Bühne dargestellt wurde, welchen Folgen überhöhter Alkoholkonsum haben kann. " Das zu sehen, wenn auch gespielt, sei ein bisschen wie das Vorhalten eines Spiegels.

Das Nordharzer Städtebundtheater bringt das Stück seit Ende Januar auf die Bühne. Die Vorstellungen, meist von jungen Frauen und Männern besucht, sind seitdem ständig ausverkauft. Kristo Sagors Sprache ist frech und direkt, die Inszenierung greift das auf. Manchmal verinnerlicht, manchmal extatisch, fast immer extrem. Für Vivian Hädicke und ihre Freundinnen Julia Sudrow, Justine Stephan und Jasmin Lärch aus der Hermann-Kasten-Sekundarschule war das Höhepunkt der Aufführung. " Handlung und Themen waren gut nachzuvollziehen, weil die Sprache jugendlich war, so wie wir sprechen, nicht hochtrabend oder steril. " Da kam so mancher Spruch bei den Schülern an.

Der Ehrlichkeit halber muss man aber auch erwähnen, dass die Konzentration im Saal nicht während der gesamten Aufführung gleich stark war, und einigen der Zugang zur theatralischen Darstellung fehlte. Einem Großteil der jungen Zuschauer aber hat " Trüffelschweine " gefallen, nicht nur weil es dafür einige Stunden unterrichtsfreie Zeit gab.