Die hausärztliche Versorgung hat sich in den vergangenen Jahren im Altkreis Aschersleben-Staßfurt weiter verschlechtert. Waren 2005 noch 56 Allgemeinmediziner in den Städten und Gemeinden für ihre Patienten da, so sind es jetzt nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung nur noch 50.

Staßfurt / Hecklingen. " Wir haben seit dem Jahr 1997 einen Ärztemangel in Sachsen-Anhalt ", sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Martin Wenger der Staßfurter Volksstimme. Seit dieser Zeit habe sich die Zahl der Hausärzte im Land um 14, 15 Prozent verringert, so dass heute laut Bedarfsplanung insgesamt 243 Allgemeinmediziner fehlen.

Und in Zukunft dürfte es auch im Altkreis Aschersleben-Staßfurt kaum besser werden, denn das Durchschnittsalter der hier tätigen 50 Hausärzte liegt bei 52, 88 Prozent. Dreizehn niedergelassene Mediziner sind bereits 60 und älter, vier haben sogar schon das 65. Lebensjahr überschritten.

Dazu gehört auch Medizinalrat Dr. med. Margot Keil aus Hecklingen, die am 20. März ihren 75. Geburtstag feiert. Zehn Tage später will sie ihre Praxis in ihrem Wohnhaus in der Schulstraße, in der die ehemalige Staßfurter Kreisärztin seit 1988 einen Stamm von insgesamt 1200 Patienten betreut, für immer schließen.

Einen Nachfolger gibt es für sie in der Stadt Hecklingen nicht, teilte die Kassenärztliche Vereinigung mit. " Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen ", sagte Wenger. Es gebe aber noch eine Kollegin in Hecklingen und zwei in Groß Börnecke. Erstere, Diplom-Medizinerin Elke Müller-Seidenberg, habe sich bereit erklärt, alle ihre Patienten zu übernehmen, sagte Dr. Keil.

Hecklingens Bürgermeister Hans-Rüdiger Kosche kommentierte die Entwicklung mit den Worten : " Frau Dr. Keil hat das entsprechende Alter, um in den wohlverdienten Ruhestand gehen zu können. Allerdings ist es nachteilig für unsere Stadt, wenn ein alteingesessener Mediziner nicht mehr zur Verfügung steht. " Dass es keinen Nachfolger gebe, könne nicht befriedigen. In diesem Zusammenhang appellierte der CDU-Kommunalpolitiker an die Kassenärztliche Vereinigung, sich um eine Besetzung der freiwerdenden Arztstelle in Hecklingen zu bemühen. Die Stadt habe da nur begrenzte Möglichkeiten.

Das sieht die Fraktionschefin der Wählergemeinschaft im Stadtrat, Ethel-Maria Muschalle-Höllbach anders. " Wir müssen sehr genau aufpassen, dass uns eines Tages nicht das gleiche passiert wie in Cochstedt und Schneidlingen, wo es keinen Arzt mehr gibt. Deshalb sollte man alles versuchen, Kontakte aufzubauen und Hilfe zu suchen, um Medizinern eine Niederlassung in unserer Stadt schmackhaft zu machen. Das ist gerade wegen der zunehmenden Überalterung und der beiden Heime in Hecklingen dringend notwendig ", sagte sie.

Die Fraktionschefin bedauert, dass es vor wenigen Jahren nicht gelungen sei, die Unternehmensgruppe Führer, die die ehemalige Sekundarschule in Cochstedt zu einem Seniorenheim umbauen wollte, im Ort zu halten. " Dann hätte sich dort das Arzt-Problem von selbst erledigt ", so Muschalle-Höllbach.

Landkreis-Dezernentin Edith Völksch sieht trotz aller Probleme die hausärztliche Versorgung im Salzlandkreis nicht als gefährdet an. " Wir versuchen regelmäßig mit der Kassenärztlichen Vereinigung im Kontakt zu bleiben ", sagte sie. Die Möglichkeiten des Landkreises, Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen, halten sich aus ihrer Sicht in Grenzen, fügte sie hinzu. " Wir können jungen Medizinern kein verbilligtes Bauland zur Verfügung stellen oder etwa ein Darlehen anbieten. Das würde unsere Möglichkeiten überschreiten. " Und bei den Städten und Gemeinden könnten nur jene, die keine Haushaltsprobleme haben, solche freiwilligen Aufgaben übernehmen.