Die Stadt Güsten hat seit gestern Schlüsselgewalt über das Liethe-Wehr bei Warmsdorf und kann im Hochwasserfall an der Wipper die Schütze ziehen. Damit gebe es im Bereich Güsten – und somit auch für Neundorf und Staßfurt – einen Schutz vor so genannten HQ-50-Hochwässern ( treten etwa alle 50 Jahre auf ) aus Richtung Wipper, versichert Flussbereichsleiter Edmund Werner. Den Schutz vor einem Jahrhundert-Hochwasser würde man allerdings nur mit einem Staubecken bei Wippra erreichen.

Güsten / Warmsdorf. Damit im Hochwasserfall an der Wipper Einsatzkräfte vor Ort schnellstens reagieren können, drängte der Güstener Bürgermeister Helmut Zander schon lange darauf, die Schlüssel für die Steuerungstechnik des Liethe-Einlaufwehrs bei Warmsdorf zu bekommen. Gestern nun brachten Vertreter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft ( LHW ) die begehrten Schlüssel.

Das Liethe-Wehr befindet sich an der Grenze der beiden Flussbereiche Sangerhausen ( unter anderem für die Wipper ) und Halberstadt ( Bode ). Und so waren auch beide Leiter der LHW-Behörden Wolfgang Streetz und Edmund Werner an die Wipper gekommen. Bürgermeister und Bauhofchef Uwe Hanusa erhielten erste Einweisungen in die Steuertechnik, von der die Pegel- und Durchlaufdaten für die Wassermengen automatisch zur Hochwassermeldezentrale des LHW gesendet werden. Vier Schütze gilt es im Fall des Falles von den Bauhofmitarbeitern zu bedienen. Helmut Zander erhielt neben den Schlüsseln auch ein Handrad, damit die Schütze auch mechanisch bedient werden können, sollte der Strom ausfallen.

Bereich ist gewappnet für HQ-50-Hochwässer

" Das Liethe-Wehr hat eine maximale Aufnahmekapazität von 30 Kubikmeter pro Sekunde ", erklärte Edmund Werner. Ab zwölf Kubikmeter in der Wipper werde es gezogen. Die Liethe ist seit 2008 ausgebaut. Seit dem nun auch die Baustraße im Zug des B-6 n-Ausbaus auch aus dem Flussbett genommen ist ( Werner : " Das war eine echte Zitterpartie für diese Zeit. "), hat sich das LHW nun entschieden, das Liethe-Wehr im Hochwasserfall zuerst zu ziehen und dann erst bei einer Wasserdurchlaufmenge von 25 Kubikmetern pro Sekunde das Wehr zur Flutmulde Osmarsleben ( wir berichteten ). Mit all diesen Wehranlagen, dem Ausbau der Liethe und der Sanierung der Wipperdämme sei man im Bereich Güsten nun gewappnet für so genannte HQ-50-Hochwässer, meint Edmund Werner. Einen Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser, wie es die Region 1994 erlebte, könne man aber erst gewähren, wenn auch das Vorhaben Wipperstaubecken bei Wippra realisiert sei. Dafür stecke man allerdings noch immer in den Vorplanungen. Das gleiche treffe für die Anrainer der Selke zu, wofür das LHW auch ein entsprechendes Bauwerk empfiehlt.

Auf das Thema Wasserwehr angesprochen, versicherte der Güstener Bürgermeister, dass er im kommenden Monat die Freiwilligen erneut ansprechen werde, die sich vor etwa zwei Jahren schon gemeldet hätten. Zander ludt auch Einwohner von Amesdorf und Warmsdorf dazu ein, in der Wasserwehr mitzuarbeiten. Über die Stadt Güsten hinaus sehe er keinen Bedarf der Zusammenarbeit. " Den Schwerpunkt bildet die Stadt Güsten ", meint der Bürgermeister.