Im Raketen- und Böllergetöse der Silvesternacht geht es vielfach unter : das Geläut der Glocken vieler Kirchen zum Neuen Jahr. Auch in der evangelischen Petrigemeinde in Förderstedt ist es Tradition. Das alte Jahr wird kurz vor Mitternacht aus-, Neujahr dann eingeläutet. Die drei Glocken im Turm des altehrwürdigen Gotteshauses haben diesen besonderen Dienst beim Jahreswechsel zum letzten Mal geleistet. Im Sommer sollen sie durch neue ersetzt und der Glockenstuhl saniert werden. Rund 60 000 Euro benötigt die Gemeinde dazu noch.

Förderstedt. Es bedarf dreier echter Männer, um die Glocken der Förderstedter Petrikirche zum Klingen zu bringen. Einen Motor für das Läutwerk gibt es nicht, die ehrenamtlichen Förderstedter Küster müssen für jede kirchliche Feier die 120 Holzstufen auf den Turm erklimmen und bei Wind und Wetter in der Glockenkammer die Glocken per Hand läuten. Immerhin wiegt der schwerste, aus Stahl gefertigte Klangkörper rund zwei Tonnen. Mit der Inschrift " In einer Zeit, dem Herrn geweiht, in Seligkeit " tut diese Glocke seit 1925 mit ihren beiden kleineren Schwestern den klangschönen Dienst vom Turm herab. Doch schon seit langem sammelt die Gemeinde, um die Glocken durch neue, aus Bronze gefertigte zu ersetzen. " In diesem Jahr soll die Kirche ihre neuen Glocken bekommen ", sagt Marco Kunze vom Gemeindekirchenrat. " Die Planungsunterlagen für das Bauprojekt liegen vor und sind zur kirchenaufsichtlichen Genehmigung eingereicht worden. " Genaue Absprachen zum Guss wird es jetzt auch mit der Glockenfirma geben.

Die Gemeinde hat sich viel vorgenommen. Dabei geht es nicht nur um den Ersatz der drei vorhandenen Glocken. Auch die bisher noch außen am Turm hängenden historischen Turmuhrglocken kommen in die Turmkammer und sollen in das Geläut integriert werden. Weiterhin soll die Glockenstuhlanlage saniert werden, die als Holzkonstruktion gefertigt ist und eine wichtige Funktion erfüllt. Denn nicht nur die schweren Glocken sind hier aufgehängt. Das Balkengeflecht muss auch so gefertigt sein, dass es die Schwingungen des Geläuts auffängt und nicht in das Mauerwerk des Turmes leitet. Schließlich werden auch die Schallluken der Glockenstube erneuert, der Läuteantrieb wird elektrisch. Das ist modern, bequem und inzwischen in jeder Kirche üblich. Aber Marco Kunze nennt ein Beispiel der kirchenalltäglichen Praxis, die die Umstellung erfordert : " Bei Trauerfeiern kann das Geläut vom Friedhof aus bedient werden. Die Glocken erklingen dann im richtigen Moment und nicht nach losen Zeitabsprachen. "

Neue Glocken

Mitte des Jahres

Die aufwendigen Arbeiten haben ihren Preis. Von über 100 000 Euro gehen die Planungen des Gemeindekirchenrates und der Experten aus. Im vergangenen Jahr bekam die Petrigemeinde viel Unterstützung von Lotto / Toto Sachsen-Anhalt. Die Zuwendung betrug 40 000 Euro. Doch die Förderung ist an Fristen gebunden. Bis September 2010 muss das Geld eingesetzt werden. Der Gemeinde fehlen aber noch 60 000 Euro. In Absprache mit dem Kirchenkreis soll dafür ein Kredit aufgenommen werden. Seit einiger Zeit laufen zudem Spenden- und Benefizaktionen.

Marko Kunze ist zuversichtlich, dass Mitte des Jahres die neuen Glocken über eine Seilwinde in den Turm gehoben werden. Durch die Turmfenster passen sie wie die alten nicht. Für den Einbau muss extra das Mauerwerk am Turm geöffnet werden. Die alten Glocken sollen nach dem Willen des Gemeindekirchenrates auf dem Friedhof aufgestellt werden. Marco Kunze zu dieser Platzwahl : " Wir haben uns für diese Aufstellung der Glocken entscheiden, weil viele Gemeindemitglieder von ihrem Klang begleitet wurden, bei der Taufe, der Konfirmation, bei der Trauung oder bei der Beerdigung. "