Staßfurt ( rk ). Die friedliche Revolution in der DDR und der Mauerfall vor zwanzig Jahren bestimmten vor wenigen Tagen die Berichterstattung der Medien in Deutschland.

Diese spannende Zeit hat auch die Frauenbrücke Ost-West mit einem Buchprojekt speziell in den Blick genommen. Unter dem Titel " Denk ich an Deutschland ... " hat sie ein kleines Buch auf den Markt gebracht. Frauen aus Ost und West, Nord und Süd berichten darin über ihre Erlebnisse von vor zwanzig Jahren, über ihre Erfahrungen und Wertvorstellungen in dieser Zeit bis heute.

Zwei Textbeiträge steuerten die beiden Staßfurterinnen Dagmar Heinrich und Hilde Kirste bei. Letztere wohnt inzwischen in Rudolstadt.

Dagmar Heinrich, die in der DDR Bauingenieurwesen studiert hatte und zur Zeit der friedlichen Revolution als Angestellte im Fernsehgerätewerk tätig war, nannte ihr Kapitel " Staßfurt im Herbst 1989 und wie ich mich einmischte. " Daran berichtet sie über das erste Montagsgebet in ihrer Heimatstadt, das am 30. Oktober 1989 mit einer anschließenden Demonstration stattfand. Die katholische St. Marienkirche war an diesem Tage überfüllt.

" Am gleichen Tag standen die Kampftruppen bewaffnet in Staßfurt bereit. Vor dem Verlassen der Kirche hatte Pfarrer Zülicke um Ruhe und eine Zeit der Stille gebeten und eine gewaltfreie Demonstration angemahnt. Der Demonstrationszug wurde begleitet von Rufen wie, Wir sind das Volk ‘,, Schließt Euch an ‘,, Stasi in den Tagebau ‘. Die Demonstration verlief gewaltfrei und endete vor dem Gebäude der SED-Kreisleitung ", so Dagmar Heinrich, die heute als Angestellte in der Stadtverwaltung Staßfurt arbeitet.

Ihre Kollegin Hilde Kirste ist Diplom-Ingenieurin für Chemieanlagen und hat 43 Jahre in Staßfurt gelebt. Dort, so stellte sie im Rückblick fest, ging es in jenen Tagen nicht so wild und aufrührerisch zu wie es vielleicht 1989 den Anschein hatte. " Mein Leben in der DDR verlief eigentlich in ruhigen Bahnen, was nicht heißen soll, dass man nicht ab und an bei Partei und Regierung angeeckt ist. Mit der Partei konnte man sich als Nichtgenosse anlegen. Als Genosse mussten die Richtlinien der Partei befolgt werden, was im Kollegenkreis für reichlich Gesprächs- und Diskussionsstoff sorgte ", schrieb Hildegard Kirste.

Ein besonderer Reiz für die Staßfurter liegt bestimmt auch darin, dass alle Fotos in dem Buch über die friedliche Revolution im Herbst 1989 von Staßfurt sind. Zu sehen sind unter anderem die überfüllte Marienkirche, die Demonstrationen mit Transparenten und Kerzen, einzelne Sprecher oder das Anstehen nach dem begehrten Visa-Stempel.

Das Buch " Denk ich an Deutschland ... " 20 Jahre Mauerfall, 20 Jahre Wiedervereinigung aus weiblicher Sicht ist im Verlag kleine schritte erschienen ( ISBN 978-3-89968-126-0 ) und kostet 9, 80 Euro.