Der Beginn eines neuen Jahres bedeutet oft, den Blick noch einmal zurück auf das alte zu wenden. Das ist auch in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Schönebecker Klinikum, Teil der Kreiskliniken, nicht anders. Vor allem die erreichte Geburtenzahl steht nicht nur für das Krankenhaus im Mittelpunkt des Interesses. Volksstimme-Mitarbeiter Tilman Treue sprach mit dem Chefarzt der Klinik, Dr. Harald Friedrich, über Geburtsstatistiken und die Entwicklung der Station im vergangenen Jahr.

Volksstimme : Im Jahr 2008 erreichte das Schönebecker Klinikum über 500 Geburten, ist das auch 2009 gelungen ?

Dr. Harald Friedrich : Leider nicht, wir sind mit 485 Geburten leicht darunter geblieben. Das ist schade, aber wir können mit der Zahl dennoch zufrieden sein. Allerdings sind 500 Geburten eine Voraussetzung für die Anerkennung als Klinik mit geburtshilflicher Schwerpunktversorgung. Zielvorgabe sind über 500 Entbindungen. Da die Einstufung jedoch in Zwei-Jahres-Zeiträumen erfolgt, müssen wir zunächst keine Konsequenzen erwarten.

Volksstimme : Also soll die Zahl wieder steigen ?

Dr. Friedrich : Unsere Bemühungen, mehr Schwangere an das Haus zu binden, sind vielschichtig. Unser Ziel bleibt die 500 er-Marke, allerdings muss man auch den Landestrend abwarten. Unabhängig davon merkt man das Engagement meiner Mitarbeiter auf der Station. Die Ergebnisse der Qualitätsmanagement-Untersuchung zeigen, dass sich die Patientinnen wohlfühlen. Sie werden gut betreut und können sich zudem auf die enge Kooperation mit der Kinderklinik verlassen, deren Ärzte sich um die Neugeborenen kümmern. Sehr gut klappt auch die Zusammenarbeit mit den Beleghebammen, worauf wir besonders stolz sind.

Volksstimme : Wie viele Kinder wurden denn im Klinikum Schönebeck geboren ?

Dr. Friedrich : Insgesamt erblickten 2009 in unserer Klinik 494 Kinder das Licht der Welt, 249 Mädchen und 245 Jungen. Erstaunlich war dabei vor allem, dass wir in diesem Jahr neun Zwillingspärchen hatten. Das liegt weit über dem Durchschnitt.

Volksstimme : Wie ist denn der Trend beim Geburtsmodus in der Schönebecker Frauenklinik ?

Dr. Friedrich : Hier liegen wir im allgemeinen Landesdurchschnitt, denn mit 297 Spontanentbindungen haben wir 2006 eine Quote von 60 Prozent erreicht, während die für Kaiserschnitte bei 29 Prozent lag.

Volksstimme : Das ist im Vergleich zu 2008 aber dennoch eine Steigerung bei den Kaiserschnitten. Gibt es dafür Gründe ?

Dr. Friedrich : Ja, natürlich. Die Indikationen sind jedoch sehr vielfältig. Oft sind es Mütter, die bereits bei einer vorherigen Geburt einen Kaiserschnitt hatten, darüber hinaus gibt es aber auch eine ganze Reihe medizinischer Erwägungen, zum Beispiel Diabetes mellitus der Mutter, eine Gefährdung für Frau und Neugeborenes bei sehr großem Kind und noch vieles mehr. Im Zweifelsfall steht immer die Sicherheit für das Leben des Föten und der Mutter im Vordergrund. Das Risiko kann durch eine operative Entbindung im Einzelfall verringert werden.

Volksstimme : Sie erwähnten gerade große Kinder. Wie stellte sich deren Anteil dar ?

Dr. Friedrich : Hypertrophe Neugeborene sind Kinder mit mehr als vier Kilo Geburtsgewicht. Das war 2009 bei 31 Jungen und zehn Mädchen der Fall, was mehr als acht Prozent der geborenen Kinder ausmacht und damit ungebrochen hoch ist.

Volksstimme : Wie entwickelte sich der Wunsch nach alternativen Entbindungsformen im vergangenen Jahr ?

Dr. Friedrich : Im Großen und Ganzen bevorzugen die meisten Frauen klassische Entbindungsmethoden, ergänzen das aber durch die vielfältigen Möglichkeiten unserer Kreißsäle. So wird zum Beispiel die Geburtswanne sehr gern zur Entspannung genutzt. Echte Wannenentbindungen weist die Statistik hingegen nur in 13 Fällen auf.

Volksstimme : Apropos Statistik. In welchem Monat sind denn 2009 die meisten Kinder zur Welt gekommen ?

Dr. Friedrich : Erstaunlicherweise im April. 52 ist der absolute Spitzenwert dieses Jah-res, Schlusslicht hingegen war der November mit nur 31 Geburten. Die Statistik zeigt aber noch viel mehr. So sind zum Beispiel 95 Kinder an einem Dienstag zur Welt gekommen und nur 34 an einem Sonnabend. Über ein Sonntagskind konnten sich hingegen 49 Elternpaare freuen. Und noch etwas fiel auf : Nachts wurden nur sehr wenige geboren, das Gros der Kinder, nämlich 77, erblickte zwischen 8 und 10 Uhr das Licht der Welt.

Volksstimme : Wie hat sich denn die gynäkologische Abteilung im vergangenen Jahr entwickelt ?

Dr. Friedrich : Die Leistungen im gynäkologischen Bereich sind im Vergleich zum Vorjahr ungefähr gleich geblieben. Die Einrichtung des ambulanten OP-Zentrums im Jahr 2008 brachte teilweise eine Entflechtung mit sich. Hier werden wir jedoch noch etwas modifizieren und ab demnächst feste Ambulanz-Tage einführen.

Volksstimme : Seit Januar 2009 befinden sich die Kliniken des Salzlandkreises in einer gemeinsamen Holding. Hat das Auswirkungen auf die Bereiche Gynäkologie und Geburtshilfe in Schönebeck ?

Dr. Friedrich : Nein, da kann ich die Patientinnen beruhigen. Im Positionspapier ist festgelegt, dass sich mittelfristig an unserem Standort nichts ändern wird. Ich hoffe, dass die Abteilung damit auch langfristig gesichert ist.

Volksstimme : Noch eine Frage, die über die Station hinausgeht. Seit einigen Monaten sieht man viele junge Ärzte im Schönebecker Klinikum. Wie kam es dazu ?

Dr. Friedrich : Das sind Medizinstudenten aus Magdeburg. Wir sind sehr stolz darauf, dass unser Haus nach fast dreijährigem Bemühen seit August akademisches Lehrkrankenhaus der Otto-von-Guericke-Universität ist. Das bedeutet, dass wir über die nötigen Bedingungen verfügen, junge Mediziner in ihrem praktischen Jahr, also dem letzten Stu-dienjahr, auszubilden. Das erstreckt sich zum einen auf die Grundfächer Innere Medizin und Chirurgie, aber eben auch im Wahlbereich auf Frauen- und Kinderheilkunde. Für die gemeinsame Arbeit sind die jungen angehenden Kollegen eine angenehme Bereicherung und offensichtlich fühlen sie sich hier ebenfalls wohl.

Namen 2010

• Bei den Mädchen dominierten 2009 eindeutig die kurzen Namen, so lagen im Schönebecker Klinikum Anna, Leonie, Amy und Lucie vorn. Bei den Zweitnamen entschieden sich die Eltern wie in den Vorjahren vor allem für Marie oder Sophie.

• Der Trend bei den Jungennamen sieht ähnlich aus. Hier teilten sich 2009 Leon, Lennox, Felix, Maximilian und Toni die vorderen Ränge. Sehr beliebt waren erstmals auch Taylor beziehungsweise Tyler, sowie der Doppelname Jean-Luca.

• Auch seltene und für unsere Breiten ungewöhnliche Namen verzeichnete das Schönebecker Klinikum 2009, zum Beispiel Yara, Chelica und Finyel bei den Mädchen oder Semino, Jamayne und Lougen bei den Jungen.