Staßfurt ( dw ). Das Schloss Neuschwanstein, die Titanic oder das World Trade Centrum stehen alle im Wohnzimmer von Mike Kühnemann. Der maßstabsgetreue Nachbau macht ‘ s möglich. Der Staßfurter sammelt die kleinen Modelle nicht nur, er baut sie auch selbst. Aus Papier. Angefangen hat alles Ende der 90 er Jahre. Mike Kühnemann interessierte sich schon damals für den Modellbau, schuf kleine Nachbauten von großen Originalen aus Plastik. Dem einstigen Zivildienstleistenden hatte aber es ein Modell der Titanic angetan, als Anhang zu einem Buch über das Schiff. Er stieg dann auf ein anderes Material um. Aus Papier konnte er den legendären Dampfer im Maßstab 1 : 200 nachbauen. Stolze 1, 35 Meter ist das Modell lang und wird auch bei der Sonderausstellung im Staßfurter Stadt- und Bergbaumuseum zu sehen sein. Die Arbeit an der Titanic förderte Kühnemanns Neugier am Papiermodellbau. " Mich begeistert, dass aus einem flachen Bogen Papier dreidimensionale Dinge entstehen. Die richtige Farbgebung tut das das Übrige, um ein Modell richtig wirken zu lassen ", sagt der 35-Jährige und beschreibt, was die Faszination seines Hobbys ausmacht. Wie lange er an einem Modell arbeitet, kommt auf die Vorlage an. Die kleinen Dinge bräuchten viel Geschick, die größeren dagegen Detailtreue und -verliebtheit. Geduld und Fingerfertigkeit müssten bei jeder Arbeit miteinander einhergehen.

Doch nicht nur als Bauer der filigranen Nachbildungen – Gebäude, Fahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe, Figuren – versucht sich der Elektroinstallateur, sondern er entwirft die Risse für Modelle auch selbst am Computer. Sein Studium für Garten- und Landschaftsarchitektur hilft ihm dabei. Denn es komme auf den Blick für Größenverhältnisse und den Aufbau an.

Aufrisse am Computer

selbst entwerfen

Durch seine Hochschulausbildung ist der Staßfurter auch mit der entsprechenden Computertechnik vertraut, um die Modellvorlagen entstehen zu lassen. Dazu fotografiert Kühnemann die Objekte, die später en miniature entstehen sollen, aus verschiedenen Perspektiven um dann einen Drei-Seiten-Aufriss zu entwerfen. Besonders angetan hat es Mike Kühnemann historische Landtechnik. " Es gibt so viel, was ich angefangen habe, manchmal sieht man etwas Neues, dann bleibt das Alte liegen, später arbeite ich dann wieder daran. " Hinsichtlich der Papierauswahl und der Farbgestaltung bespricht sich der Modellbauer mit Freunden. Einmal im Monat trifft er sich mit anderen Modellbauern in Magdeburg in einer freien befreundeten Gruppe. Dann tauschen die Miniweltenbauer Erfahrungen aus, besprechen neueste Modelle. Für den Staßfurter ein wichtiger Erfahrungsaustausch, auch für die Bewertung seiner eigenen Arbeiten.

Traum : Magdeburger

Dom als Modell

Einige Dinge schwirren dem 35-Jährigen noch im Kopf herum, Gebäude, die er einmal als Miniausgabe verewigen möchte. Dazu gehören der Magdeburger Dom oder das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Doch bevor es an die Arbeit geht, hat Mike Kühnemann alle Hände voll zu tun, um seine Ausstellung " Kartonmodelle – eine Welt aus Papier " für das Stadt- und Bergbaumuseum vorzubereiten. Sie wird am 17. Januar eröffnet.

Und Museumsleiter Michael Scholl ist der festen Überzeugung, dass sein Haus mit der Schau wieder den richtigen Griff gemacht hat : " Die Modelle sind einmalig, jedes für sich. Sie werden sicherlich schnell ihre begeisterten Freunde und Liebhaber finden. "