Der Staßfurter Königsplatz erlebte gestern eine echte Premiere. Seine Anrainer, die Petri- und Johannes-Gemeinde, die Goethe-Grundschule, das Dr .-Frank-Gymnasium und die Stiftung Staßfurter Waisenhaus, gestalteten gemeinsam einen Nikolausmarkt. Kirche und Schulen öffneten ihre Türen für vielfältige Angebote. Es gab allerhand zu entdecken an Ständen gemeinnütziger Vereine.

Staßfurt. Zum Ursprung des Festes zurück. Das war die Devise für die evangelische Kirchengemeinde St. Petri und Johannes in Staßfurt, als sich im Januar der Gemeindekirchenrat über die Ausgestaltung des Nikolausfestes Gedanken machte. " Wir wollten den Nikolaus, einen in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts mildtätigen Bischof im griechischen Myra, später heilig gesprochen und in der Kirche verehrt, in das Zentrum seines Namesfestes rücken ", erklärt Pfarrer Thomas Weigel.

Das Datum mit dem 6. Dezember stand, der Tag fiel passenderweise auf einen Sonntag. Von vorherein, so Thomas Weigel, war die Idee in allen Köpfen, die Nachbarn am Königsplatz mit ins Boot zu holen, um einen Nikolausnachmittag auf die Beine zu stellen. " Jeder mit seinen Talenten und Fähigkeiten, ohne aber den christlichen Hintergrund des Festes aus den Augen zu verlieren. " So war die Petrikirche geöffnet, der Chor des Dr .-Frank-Gymnasiums eröffnete das Staßfurter Nikolausfest hier offiziell. " Die Menschen haben Schwellenängste beiseite gelegt und ohne Scheu die Kirche betreten ", sagt der Pfarrer und freut sich, dass ein Anliegen des Nikolausfestes sich für die Kirchengemeinde erfüllt hat. Im Gotteshaus gab es Auftritte der Tanzschüler von Dana Reichmann, Musik mit dem Chor unter der Leitung von Irena Lackmann und von Schülern aus der Goethe-Grundschule.

Hier waren Besucher auch herzlich willkommen. Sie konnten sich bei selbstgebackenem Kuchen, Tee und Kaffee aufwärmen, Basteleien der Erstbis Viertklässler kaufen. Die Kinder wollen sich einen eigenen Wunsch erfüllen. Vor den großen Sommerferien im nächsten Jahr ist eine Fahrt in den Harz geplant. Dann wandeln die Goethe-Schüler auf den Spuren des Namenspatrons ihrer Schule.

Verkaufserlös für viele Schulprojekte

Die großen Schüler des Gymnasiums haben sich für den Nachmittag auch viel einfallen lassen – im Blick ist dabei schon das Schuljubiläum im kommenden Jahr. An einem kleinen Stand stellten die Gymnasiasten ihren neu erschienenen Schulkalender vor und verkauften die Jahresblätter auch gleich an alle Interessierten. Historische Ansichten der Bildungseinrichtung sind im Kalender zu sehen. Die Bilder stammen aus dem Schularchiv. Eine Arbeitsgruppe mit Schülern und Lehrer sichtete alles und stellte den Kalender redaktionell zusammen. Zu sehen ist darin auch eine historische Ansicht des großen, jetzt übermalten Wandbildes in der Aula. Der Schulförderverein hat den Druck vorfinanziert. " Der Erlös aus dem Verkauf kommt geplanten Projekten am Gymnasium zugute ", erklärt Lehrerin Christine Wöltje.

Basteleien und kleine Raritäten

Unter all dem Vorweihnachtlichen gab es auch die eine oder andere Rarität. So zum Beispiel am Stand der evangelischen Kirchengemeinde aus Löbnitz. Monica Bartmer verkaufte hier nicht nur selbstgebackenen Stollen und Honigbrote. Im Angebot waren auch Holzschnitzereien aus Israel. Jede der Figuren, kleine Engel oder Krippendarstellungen, könnte eine Geschichte erzählen. " Die Arbeiten stammen alle aus einer Werkstatt für Jugendliche mit Behinderungen in der Nähe von Bethlehem ", sagt die Frau, die im Löbnitzer Gemeindekirchenrat tätig ist. Sie selbst hat diese Werkstätten, die ein Seelsorger leitet, vor Jahren besucht. " Ich war tief beeindruckt ", sagt Monica Bartmer. In Palästina stünden Behinderte am Rand der Gesellschaft. Im Werkstattprojekt würden sie einen Beruf erlernen und so auf den Weg in die Selbständigkeit gebracht werden können. " Die Kinder erlernen für sie typische Berufe. Die Jungen im handwerklichen Bereich, die Mädchen eher in der Handarbeit. " Privat unterstützt Monica Bartmer die Initiative des Vereins Life Gate ( Tor zum Leben ). Das Nikolausfest in Staßfurt empfand die Löbnitzerin als schönen Rahmen, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Und so mancher Besucher zeigte sich beeindruckt von der großen Aussagekraft der kleinen Figuren.