Nach dem Motto " Proben wir den Aufstand " votierten Mitglieder des Schul- und Kulturausschuss Salzlandkreis gegen eine vorzeitige Schließung des Gymnasiums in Egeln. Ins Spiel gebracht wurde auch die Möglichkeit einer privaten Schulträgerschaft.

Aschersleben ( MZ ). " Proben wir den Aufstand ", kommentierte am Donnerstagabend Dorothee Mücksch ( CDU ), die die Sitzung des Schul- und Kulturausschusses des Landkreises leitete, das Nein der Ausschussmitglieder zum Nachtrag einer Beschlussvorlage. Diese hatten die Ausschussmitglieder kurzfristig auf den Beratungstisch bekommen.

Darin hat die Landkreisverwaltung, einer Intention des Landesverwaltungsamtes folgend, dem Ausschuss und dem Kreistag empfohlen, den Schulbetrieb am Gymnasium Egeln bis zum Ende des Schuljahres 2011 / 12 auslaufen zu lassen und das Gymnasium mit Beginn des Schuljahres 2012 / 13 zu schließen.

Grund : Kursangebot in Staßfurt

Die ursprüngliche Beschlussvorlage sah aufgrund fehlender Schülerzahlen vor, die Beschulung erst ein Jahr später auslaufen zu lassen. Betroffen sind auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Region Cochstedt. Abzuwarten bleibt dagegen, wie sich diese Entscheidung, sollte sie auch vom Kreistag mitgetragen werden, gegen die Argumentation des Landesverwaltungsamtes durchsetzen kann.

Der Trick, das Gymnasium ein Jahr früher schließen zu können, würde darin bestehen, die jetzige neunte Klasse mit dem kommenden Schuljahr – dann zehnte Klasse – an das Dr .-Frank-Gymnasium nach Staßfurt zu schicken. Genauso müssten in den Folgejahren die nachfolgenden jüngeren Jahrgänge schon ab der zehnten Klasse nach Staßfurt fahren.

In der Begründung wird der Zeitgewinn zwar erwähnt, spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr heißt es darin, dass den Schülern in Vorbereitung auf die gymnasiale Oberstufe in Staßfurt ein breiteres Kursangebot gemacht werden könnte.

Parteiübergreifend konnten die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses der Argumentation in der Beschlussvorlage nicht folgen. " Für mich gilt der Erhalt des Gymnasiums Egeln immer noch als Geschäftsgrundlage ", erklärte Manfred Püchel.

Der SPD-Mann zieht unter anderem den Bestand des Gymnasiums unter einem privaten Träger ins Kalkül. In diesem Fall wäre der Schulbetrieb unabhängig von der Schülerzahl möglich.

Plötzlicher Zeitdruck unerklärlich

Ein vorgezogenes Ende käme auch für Sabine Dirlich ( Die Linke ) nicht in Frage, während sich Clemens Seeber ( CDU ) den plötzlichen Zeitdruck nicht erklären könne.

Im Rahmen der Aussicht auf eine private Trägerschaft machte Dirlich darauf aufmerksam, dass ein solcher Übergang viel Zeit brauche. Die würde mit einer vorzeitigen Schulschließung noch knapper. Allgemeiner Tenor im Ausschuss : Ist das Gymnasium erst einmal geschlossen, wird ein Neubeginn für einen privaten Träger sehr schwer, wenn nicht unmöglich. Und deshalb zähle jedes weitere Schuljahr.

Eine leise Hoffnung auf künftig wieder steigende Schülerzahlen für das Gymnasium Egeln könnte sich aus dem Ja der Ausschussmitglieder zu einer anderen Beschlussvorlage nähren.

So wurde einer vorgeschlagenen Freigabe der Schuleinzugsbereiche für die Gymnasien zugestimmt. Passiert diese Vorlage auch den Kreistag, könnten theoretisch ab dem Schuljahr 2010 / 11 auch Schülerinnen und Schüler aus der weiteren Umgebung das Gymnasium Egeln besuchen.