Das Salzbergwerk-Unternehmen Esco Bernburg ist bereit, für nachgewiesene Bergbauschäden an Wohngrundstücken in Ilberstedt insgesamt 360 000 Euro zu zahlen. Das erklärten gestern Vertreter des Werkes, nachdem ein Gutachter seit September 41 Grundstücke unter die Lupe genommen hatte.

Ilberstedt / Bernburg. Die Esco-Mitteilung von sich rasant entwickelnden Bergbau-Senkungserscheinungen in Ilberstedt hatte kurz vor Weihnachten 2008 für große Unruhe gesorgt. Tatsächlich waren verstärkt auch Gebäudeschäden aufgetreten. Das Unternehmen ging offensiv mit der Problematik um, informierte Gemeinderat wie Bürger ausführlich mit möglichen Entwicklungen, die von Senkungen bis zu sieben Meter in den nächsten 100 Jahren ausgehen. Esco sprach auch davon, für Schäden, die nachweislich durch den Bergbau entstanden sind und auch noch entstehen, aufzukommen.

Gestern nun nannte die Konzerntochter von Kali + Salz erste Zahlen. 41 Gutachten wurden seit September von Peter Barthel erstellt. Den Gutachter aus Moers hatte sich die Gemeinde ausgesucht. Esco war damit einverstanden und beauftragte Barthel. Der untersuchte bei den Antragstellern, welche Schäden an Häusern, Nebengelassen und Grundstücksflächen bergbaulich bedingt sind und welche nicht. Und das akribisch, wie er darstellte. Bis zu 120 Fotos schoss er pro Grundstück – vom Riss in der Wand bis zu Senkungen auf Grundstücksoberflächen. Die wesentlichen Dokumentationen finden Eingang in die Gutachten. Die ersten 17 gehen den Grundstückseigentümern in den nächsten Tagen zu, die restlichen bis Anfang 2010.

Mit einer Schadenssumme von insgesamt 360 000 Euro rechnet Barthel. Die Esco-Vertreter zeigten sich gestern einvernehmlich. Bei der Hälfte der untersuchten Objekte liege die Schadenserstattung im Bereich von 0 bis 5000 Euro, so der Gutachter. 25 Prozent können mit 5000 bis 10 000 Euro rechnen, 15 Prozent mit 10 000 bis 40 000 Euro. Zehn Prozent der Schäden hätten allerdings keinen bergbaulichen Hintergrund, stellte Peter Barthel fest, der die Besitzer auch auf anderweitige Ursachen aufmerksam machte. Außerdem empfiehlt er in seinen Gutachten, wie künftig Schäden verhindert oder verringert werden können. Denn die Entwicklung sei nicht beendet.

Auch darauf wurde aufmerksam gemacht : Überall, wo dem Boden etwas entnommen wird, verändert sich die Oberfläche. Ob Wasser gepumpt wird, ob Öl, Kohle oder eben Salz gewonnen wird. Und das will Esco über viele Jahrzehnte weiter tun. Allerdings mit den Erfahrungen, die einst die Staßfurter Bergleute noch nicht hatten, verdeutlichte Thomas Wolperding, bei Esco für den Untertage-Abbau verantwortlich. " Wir haben unser Abbauverfahren so eingerichtet, dass eine Balance zwischen Abbau und Folgeerscheinungen gefunden wurde ", versicherte der Werksvertreter. Dass man künftig grundsätzlich nicht unter bebautem Gebiet arbeiten werde, verneinte er.

Bürgermeister Lothar Jänsch brachte zum Ausdruck, dass Bürger und Gemeinde die Entschädigungen gern annehmen werden, wenn auch an der " seelischen Entschädigung der Menschen durch Informationen noch gearbeitet werden muss ". Man habe ja keine andere Möglichkeit, als mit den Senkungen zu leben. Und er unterstrich : " Wir haben ja auch noch andere Ecken in Ilberstedt, wo gebaut werden kann. " Das berichtigte Thomas Wolperding auf Volksstimme-Nachfrage. Esco gebe die Empfehlung, überall in Ilberstedt bedenkenlos bauen zu können, wo man möchte. Es sei nichts bergbaulich gesperrt. Allerdings müssten Vorsorgemaßnahmen wie Bodenplatten, Bewehrungen und Scheinfugen beachtet werden, ergänzte Gutachter Barthel.