• Der Rassegeflügelzuchtverein Förderstedt / Staßfurt 1992 e. V. erinnert mit einer Jubiläumsschau an 120 Jahre organisierte Rassegeflügelzucht in Staßfurt

• Sie findet am 5. und 6. Dezember in der Gaststätte Zur Eisenbahn in Förderstedt statt

• Öffnungszeiten : Sonnabend von 9 bis 18 Uhr und Sonntag von 9 bis 14 Uhr

• Insgesamt 264 Tiere werden gezeigt : Wassergeflügel, Zwerghühner, Großhühner und Tauben

• Ein Festakt mit Staßfurts Oberbürgermeister René Zok und Vertretern von Landes- und Kreisverbänden findet am Freitag, dem 4. Dezember, vereinsintern statt

Seit 120 Jahren gibt es in Staßfurt ununterbrochen die Tradition der organisierten Rassegeflügelzucht. Auch wenn sich der einst selbständige Verein 1992 mit Förderstedt zusammengeschlossen hat, wollen seine Mitglieder dieses Jubiläum würdig begehen.

Staßfurt. 1889 erreichte eine Welle Staßfurt. Eine Welle, die schon viele andere Städte zuvor erfasst hatte. In den Junitagen trafen sich zum ersten Mal begeisterte Züchter im Geflügel- und Vogelschutzverein. Sie kamen aus Staßfurt, Leopoldshall und den umliegenden Orten. Die Geburtsstunde der organisierten Rassegeflügelzucht in der Salzstadt. Den Ausgangspunkt für das Vereinswesen, das Zucht und Tierschutz verbindet, setzte bereits 1852 Robert Oettel in Görlitz mit dem 18 Mitglieder umfassenden Hühnerologischen Verein. Die Neißestädter gründeten eine Bewegung, die bald das ganze Land erfasste und auch im Salzland Anhänger fand.

" Eine Gründungsurkunde gibt es nicht mehr ", sagt Egmont Franke vom Rassegeflügelzuchtverein Förderstedt / Staßfurt. Doch der 1989 verstorbene, verdienstvolle Züchter und Chronist Werner Brauns habe sichere Quellen geliefert, die Aufschlüsse über die Gründungsmitglieder geben. Viele illustere Gestalten des öffentlichen Lebens waren darunter. " Die älteren Staßfurter werden sich an Namen wie Klingsch oder Lichtenfeld erinnern. " Nach den Hindernissen und Folgen des Ersten Weltkrieges erstarkte der Verein und 1929 gab eine große Jubiläumsschau zum 40-jährigen Bestehen. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Gruppe auf über 70 Mitglieder. Nach 1945 fing man mit 24 Züchtern wieder an. In den folgenden 35 Jahren wuchs der Verein und wurde eine wichtige gesellschaftliche Instanz in der Salzstadt. Bis zum Ende der 80 er Jahre war der Hofjäger an der Bode das Stammlokal. Ausstellungen fanden im Saal der Sodawerke oder im Knappensaal am Berlepsch statt. " Sie trugen immer den Titel Salzlandschau ", weiß Vereinsmitglied Bernd Schulze. Eine Hommage an die Stadt, an die Region und vielleicht schon ein Ausblick auf das heutige Gefüge.

Kein Platz für Verein in Staßfurt

Dass ein Verein mit den Möglichkeiten sich darzustellen steht oder fällt, mussten die Staßfurter Züchter schon Ende der 70 er Jahre schmerzlich spüren. 1977 gab es die letzte Huhn- und Taubenausstellung im Konzerthaus Klingsch. Saalmieten und Hygienebestimmungen erschwerten zusehends Ausstellungsmöglichkeiten. Ein wenig fühlten sich die Züchter auch von den Stadtvorderen im Stich gelassen. " Es gab keine finanzielle Unterstützung und wir bekamen keine geeigneten Räume ", erinnert sich Egmont Franke. Der Verein musste immer wieder auf andere Lokale wie in Neundorf und Hohenerxleben ausweichen. Selbst das 100-jährige Jubiläum wurde 1989 in der Neundorfer Weintraube gefeiert. " In Staßfurt hatten wir keine Möglichkeit mehr uns zu repräsentieren ", bedauert das Vereinsmitglied noch heute. Denn das habe sich unmittelbar auf die Arbeit der Gruppe ausgewirkt. " Der Nachwuchs blieb aus. " Nach der Wende verstärkte sich dieses Problem. Bis heute ist das die größte Sorge vieler zusammengeschlossener Geflügelzüchter.

Den Züchtern in Förderstedt ging es damals ähnlich. Ihr Vorteil : Es gab Räume. " Das ist vor allem dem ehemaligen Gemeinderat unter der Leitung von Altbürgermeister Bodo Messerschmidt zu verdanken ", macht Egmont Franke deutlich. Er und Gerd Röger organisierten dann den Zusammenschluss. Bis heute empfindet Franke ihn als " gegenseitige Bereicherung und beider Vereine großer Vorteil ".

Die Gruppe gewann an neuer Leistungskraft, führte regelmäßig zweimal im Jahr Schauen durch. Ihre Mitglieder können auf erfolgreiche Zucht und beste Ergebnisse bis in höchste Liegen verweisen. In Erinnerung sind Egmont Franke und Bernd Schulze besonders die beiden Landesausstellungen 1996 – mit über 4000 Tieren in der Sporthalle – und 1998 geblieben. Dazu mehrere Kreisschauen.

Neue Formen der Präsentation

Zukünftig will sich der Verein – zunächst intern – Gedanken über neue Ausstellungsund Repräsentationsformen machen, vielleicht so noch den einen oder anderen als Mitglied dazugewinnen. Dankbar sind die 35 Mitglieder heute über viel Unterstützung von Sponsoren, durch die Austellungen und der Transport von Tieren möglich ist. Sie sehen in der Rassegeflügelzucht einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag neben Arterhaltung und Tierschutz : " Sachkenntnis, Zeit, Kosten und viel Liebe zum Tier sind erforderlich um mit der Zucht von Rassegeflügel zur Erhaltung eines wertvollen Kulturgutes beizutragen ", sagt Egmont Franke. Und deshalb sei das Hobby der Züchter, ihre Leidenschaft, heute noch so aktuell wie eh und je.