Bernburg ( MZ ) Im Gymnasium Carolinum gibt es einen Raum, der voll ist mit Aktenordnern, Heften, Dokumenten. Das hier unten war einmal Volker Hilprechts Reich. Bis 2007 war er Hausmeister des Gymnasiums Carolinum. 1984, zwei Jahre nachdem er seinen Job in der damaligen Erweiterten Oberschule Karl-Marx angetreten hatte, fing der heute 67-jährige an, zu sammeln. Er hortete Klassenbücher, Zeugnisse, Prüfungen, die ihm interessant erschienen und sortierte sie nach Jahrgängen. " Es war mir schade drum. Ich wollte nicht, dass das alles wegkommt ", sagt er und zieht ein Reifezeugnis des herzöglichen Karl-Realgymnasiums zu Bernburg von 1889 aus einem Pappkarton. Auf einem anderen Stapel hat er alte Abiturarbeiten von 1939 aufbewahrt, die noch in Sütterlinschrift niedergeschrieben sind. " Hier sind Schülerlisten drinnen ", sagt er und zeigt ein Klassenbuch von 1934.

Besonders stolz ist Volker Hilprecht auf sein Buch, in dem sich alte Abiturjahrgänge auf ihren Klassentreffen verewigt haben. " Wenn sich ein Jahrgang treffen wollte, sind die immer auf mich zugekommen ", erinnert sich Hilprecht. Der ehemalige Hausmeister suchte dann in seinem Archiv nach Klassenbüchern und anderen Unterlagen der betreffenden Klasse – Dokumente, die bei den Ehemaligen viele Erinnerungen wachriefen und für lustige Runden sorgten.

In Hilprechts Buch haben sich Jahrgänge verewigt, die in den 30 er Jahren ihren Abschluss gemacht haben. Auch heute berühmte Ex-Schüler haben dort ein paar Zeilen hinterlassen. Der Komödiant Ingo Insterburg zum Beispiel. Er machte 1952 in Bernburg Abitur. Auch der Journalist und Literaturkritiker Hellmuth Karasek hat 1952 in Bernburg sein Abitur abgelegt und sich 2005 in Hilprechts Buch verewigt.

Der beheizte Kellerraum, in dem die Dokumente heute lagern, nutzte Hilprecht erst ab 1988 als Archiv. " Vorher habe ich hier mit Schülern einen Partyraum eingerichtet ", sagt er und zeigt alte Schwarzweiß-Fotos davon. Die Fototapete und die Bar zeugen noch bis heute von dieser Nutzung. " Hier wurden Hochzeiten gefeiert und so manches Fass Bier geleert ", verrät Hilprecht und lacht. Ende der 80 er Jahre musste der Partyraum aufgegeben werden. Die Gasleitungen, die durch den Raum führen, entsprachen nicht mehr den Sicherheitsvorschriften. Wenn Volker Hilprecht heute in " seinem " Archiv steht, wird er ein wenig schwermütig. Mit 65 Jahren musste er seinen Job im Carolinum aufgeben. Seitdem ruht " sein " Archiv in den Kellerräumen. " Ich wünsche mir sehr, dass sich jemand für die Sache interessiert und das weiterführt. " Schließlich könnten die Klassenbücher und Zeugnisse der Schüler von heute in vielen Jahren noch für so manch feucht-fröhliches Klassentreffen sorgen.