Gottesdienste fanden in den ländlichen Gemeinden bisher im 14-tägigen oder längerem Abstand statt, aus Mangel an Pfarrern. Das Heft " Gemeindeagende Ostern - Pfingsten " schafft eine neue Möglichkeit, wie die Gemeindemitglieder auch ohne Pfarrer Gottesdienste feiern können.

Schönebeck / Aschersleben.

" Wir müssen was machen, wo alle etwas zusammen erleben können, das verbindet. " Als dieser Gedanke laut wird, existiert der Kirchenkreis Egeln seit fünf Jahren. Dem Gedanken folgt schnell eine Idee, die bereits am 4. September 2005 in die Tat umgesetzt wird : der Kirchenkreisgottesdienst findet zum ersten Mal statt. Alle 125 Gemeinden des Kirchenkreises Egeln feierten an diesem Sonntag den gleichen Gottesdienst. " Das war eine tolle Erfahrung ", schwärmt Anne Bremer, Pfarrerin in Aschersleben und Mit-Initiatorin. " Nach dem Gottesdienst hatten wir alle Gemeinden nach Egeln eingeladen. Da kam beispielsweise eine Gemeinde, die bei den Gottesdiensten nur zu dritt sind. An diesem Tag fanden sie es aber nicht so traurig wie sonst, da sie wussten, dass sie an diesem Tag nicht allein beten werden. "

Seitdem findet der Kirchenkreisgottesdienst jedes Jahr am Tag des offenen Denkmals statt. " Die Gemeinden, vor allem die kleinen, haben viel Selbstvertrauen dadurch erlangt ", erzählt Bremer weiter, " so dass der Wunsch größer wurde, auch an anderen Sonntagen einen Gottesdienst feiern zu können – auch wenn kein Pfarrer da ist ".

Aus diesem Wunsch heraus wurde wiederum eine Idee. Der entscheidende Impuls kam dann vom Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Egeln, Michael Wegner. " Nachdem vielen Dörfern Einrichtungen wie Post oder Kaufhalle genommen wurden, wollen wir einfach die Kirche im Dorf lassen und den Leuten die Möglichkeit geben, die oft schön sanierten Dorfkirchen zu nutzen – auch ohne Pfarrer ", erklärt Wegner.

Unter diesem Aspekt stellte er eine Gruppe aus ideenreichen Pfarrern, Gemeindegruppen und Gemeindekirchenräten zusammen, die die " Geimeindeagende Ostern - Pfingsten " erarbeiteten. Das Ergebnis ist eine Gemeindeordnung. Ein Heft, in dem acht Gottesdienste, für die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten, in Form von Eröffnungsworten, Psalmen, Gebeten, Lesungen, Fürbittgebeten und Liedvorschlägen aufbereitet sind. Durch farbige Unterlegung und die Einteilung der Texte für " alle " und " eine / r " kann die Gemeinde einen Gottesdienst ohne Pfarrer durchführen – sie muss sich nur einigen, wer den Part des einzelnen liest.

Seit der Fertigstellung der Agende, hat jede der 123 Gemeinden im Kirchenkreis Egeln die Hefte erhalten. Pfarrer wie auch Ehrenamtliche nutzen seit dem die Gottesdienstvorschläge.

Matthias Porzelle, Pfarrer in den Gemeinden Bad Salzelmen, Biere, Welsleben und Eggersdorf liest die Andachten und Gebete gern unter der Woche beim Gemeindeabend oder Frauenkreis. Der Gemeinderatsvorsitzende der Welsleber Gemeinde, Hans-Jürgen Korn, hat ebenfalls schon Gottesdienste nach der Agende vorbereitet und umgesetzt. " Das ist ein toller Leitfaden. Auch wenn die Gemeinde anfangs etwas erstaunt war, kam es doch gut an. Eine tolle Idee, die wir allein umsetzen können und beispielsweise mit anderen Liedern auf unsere Gemeinde abstimmen können ", berichtet der Ehrenamtliche.

Bei der Zukunftswerkstatt der evangelischen Kirche 2009 in Kassel wurde die Agende der breiten Öffentlichkeit der Kirche vorgestellt und gewann prompt den Publikumspreis. Seitdem kamen Anfragen aus Berlin, Sachsen und Bayern an die Suptur in Egeln. Über 30 überregionale Gemeinden haben die Agende schon zum Selbstkostenpreis von zwei Euro zugeschickt bekommen.

Dass das Heft so gut angenommen wird, hätte wohl niemand gedacht. Doch es wurde bereits reagiert. Die nächste Agende, dann für die Zeit von Pfingsten bis zum ersten Advent, ist bereits in Arbeit und soll nächstes Jahr erscheinen.