Keimzeit standen auf der Bühne, ebenso waren Wladimir Kaminer und Wenzel Gast im Salzlandtheater in Staßfurt. Die Galerie des Theaters wurde wieder eröffnet und das Foyer neu gestaltet. Nun, nach gut drei Jahren und viel Herzblut, verlässt Kulturarbeiterin Beate Kramer das Haus. Sie geht " mit einem lachenden und einem weinenden Auge " nach Thale.

Staßfurt ( MZ ). Neue Frisur, neuer Lebensabschnitt. " Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. " Es sind unter anderem die Worte des Liedermachers und Lyrikers Wolf Biermann, die Beate Kramer im Spätsommer bewogen haben, sich als Leiterin im Veranstaltungsmanagement zu bewerben und die diesen Entschluss, jetzt, nachdem sie als eine von 65 Bewerbern den Zuschlag bekommen hat, bestätigen. Kramer, die seit Oktober 2006 die Fäden im Salzlandtheater Staßfurt zusammenhält, stellt sich ab Januar einer " Riesenaufgabe " und nicht weniger großen Herausforderungen : Künftig liegt es an ihr, was auf den Spielplänen des Harzer Bergtheaters und der Waldbühne Altenbrak steht und welche Veranstaltungen im Klubhaus Thale stattfinden.

Die Theaterleiterin verlässt Staßfurt mit gemischten Gefühlen, " mit einem lachenden und einem weinenden Auge ", wie sie sagt. " Es war eine wichtige Station für mich ", so die 43-Jährige, die nach ihrem Studium zuerst in der städtischen Kulturabteilung in Sangerhausen als künstlerische Leiterin in einem Kulturhaus, dann als sozio-kulturelle Mitarbeiterin in einem Jugendclub und als Stadtjugendpflegerin gearbeitet und später das Kulturbüro bei der Rosenstadt Sangerhausen GmbH geleitet hat.

" Ich gehe, wenn ‘ s

am schönsten ist. "

Was folgte, war ein vierjähriger Zwischenstopp in Berlin, ehe sie nach Staßfurt kam. In ein Theater, in das seitdem ihr ganzes Herzblut geflossen ist, in ein Haus, das ihre Handschrift trägt, dem sie ein Gesicht gegeben und es über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat.

" Hier konnte ich mich richtig austoben und experimentieren ", sagt Kramer, die in Eisleben aufgewachsen ist. Die Galerie hat sie wiederbelebt, das Foyer neu gestaltet, die Rocker von " Keimzeit " auf die Theaterbühne geholt, den Musiker und Sprachjongleur Wenzel angeheuert und den Autoren Wladimir Kaminer für sich gewinnen können. Viele unvergessliche Glanzlichter hat sie gesetzt. " Und nun gehe ich, wenn ‘ s am schönsten ist ", nippt die Mutter einer 23-jährigen Tochter nachdenklich an ihrer heißen Schokolade, " aber der Schnitt muss jetzt kommen. " Es ist Zeit, Abschied zu nehmen, " man darf es nicht wie einen Zahnarzttermin von sich wegschieben ". Drei Wochen lang hat sie die Nachricht von der erfolgreichen Bewerbung für sich behalten, nur die Familie und enge Freunde eingeweiht. " Ich wollte das erst für mich verarbeiten, ehe es öffentlich wird ", gesteht Kramer, die anscheinend geahnt hat, welche Reaktion ihr Weggang bei Mitarbeitern, Künstlern und Gästen auslöst. Aus allen Wolken gefallen und traurig sind sie.

Zwischen Weihnachten und Silvester, in ihrem Urlaub, kehrt sie noch einmal nach Staßfurt zurück. Um ihre sieben Sachen zu packen und sich in aller Ruhe zu verabschieden. So wie sie sonst am Ende jedes Jahres Resümee gezogen hat, allein auf dem Rang sitzend, " ihren " Saal im Blick, " ihre " Galerie im Rücken. Nur wird sie diesmal die vergangenen drei Jahre Revue passieren lassen.

" Mit meiner Arbeit möchte ich den Menschen mitteilen, dass es noch was anderes gibt als, Unbildungsfernsehen ‘", sieht sie ihre Mission darin, Groß und Klein, Jung und Alt für die schönen Künste, Schauspiel, Literatur und Musik zu sensibilisieren. Der Theatergang, ein Erlebnis für die Sinne. Und so wird sie auch in Zukunft ihren Leitsatz mit Leib und Seele vertreten : " Mit der Kultur gegen die Unkultur vorgehen ". Ihre Chance in Thale will die Theaterchefin nutzen. " Aber ich lasse es ruhig angehen, laufe erst mal mit und gucke. " Das Programm für das kommende Jahr steht zwar, wird die diplomierte Kulturarbeiterin aber nicht daran hindern, persönliche Akzente zu setzen.

" Alle Menschen lassen ein wenig von sich selbst zurück, wenn sie weggehen ", fällt ihr ein Spruch von David Rochford ein, den sie erst kürzlich gelesen hat, " und ich hoffe, das es so ist. " Dessen ist sich Karin Marzahn ganz sicher. Die Vorsitzende vom Förderverein des Salzlandtheaters hat nur einen Wunsch, nämlich den, dass derjenige, der das schwere Erbe Kramers antritt, das Haus in ihrem Sinne weiterführt. Leicht wird er es nicht haben : " Für ihren Nachfolger hat sie die Messlatte verdammt hoch gelegt ", fällt es ihr schwer, Beate ziehen zu lassen.