Schönebeck. Werke von Zeitzeugen wie Hanns Eisler und Pavel Haas erklangen am Freitagabend im Bad Salzelmener Dr .-Tolberg-Saal, als das 2. Anrechtskonzert der " Klassik " -Reihe der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten GMD Christian Simonis vor ausverkauften Saal gespielt wurde.

Schön, wie die Kammerphilharmoniker in Eislers kleiner Sinfonie op. 29 den vier Charakteren in vier Sätzen musikalische Plastizität verliehen. Chefdirigent Simonis ließ sein Ensemble nicht nur äußerst differenziert, sondern auch detailverliebt agieren und bot dem Publikum spannende Variationen, feine lyrische Kammermusik und bizarre bis zur Persiflage verzerrte Rhythmen. Übertriebene Gesten der Streicher, unwirkliche Saxophonklänge, eine überhelle Klarinette waren nicht ernst gemeint und provozierten das Zuhörerohr. Der gekonnt vorgetragenen Satire folgte tatsächlich ernsthaft gemeinte eindringlich interpretierte Musik.

Die Studie für Streicher von Pavel Haas entstand 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Tief bewegende Schwermut, die den Schmerz nachfühlen ließ, der in jeder niedergeschriebenen Note steckte, breitete sich mit dem intensiven Streicherkolorit im Saal aus. Große Freude bereitete die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie mit Teilen aus Shakespeares " Ein Sommernachtstraum " von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Mit Spannung erwarteten die Zuhörer die Pianistin Ragna Schirmer. Sie interpretierte das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c – Moll op. 37 von Ludwig van Beethoven. Das Spiel der Pianistin besitzt eine enorme Tiefe. Es war ein harmonisches Zusammenspiel mit dem Orchester. Ragna Schirmer musizierte mit nuancenreicher Virtuosität und emotionaler Reife. Eindringlich und mit einer sehr persönlichen Sprache gelangen ihr die weit gespannten Bögen des Largos im zweiten Satz. Erstaunt verfolgte das Publikum das Perlen der Töne. Oder schwebten sie gar ? Ein musikalischer Hochgenuss, der die Zuhörer mitnahm in den " siebten Pianistenhimmel ". Stundenlang hätte man Ragna Schirmer noch zuhören können, eine Chopin-Etüde als Zugabe nach der anderen, leider hat sie nach der dritten aufgehört. Da halfen auch keine " Bravo " -Rufe und stehenden Ovationen mehr.