Aschersleben. Die Kinobetreiber in Aschersleben setzen voll auf dreidimensionale Filmvorführungen. In das traditionsreiche Haus, das Heidrun und Matthias Uhde vor der Schließung retteten, wird nun modernste Kinotechnik investiert.

Schwere Filmrollen ? Das war einmal. Wenn es um ihr Steckenpferd Kino geht, sind Heidrun und Matthias Uhde trotz ihrer mittlerweile 56 und 58 Lebensjahre ganz vorn mit dabei beim Kino von morgen. Und das kommt mit handlichen Festplatten, modernster Computertechnik und 3-D-Brillen für räumliches Sehvergnügen daher. Zumindest in einigen Regionen Sachsen-Anhalts.

Dass just der traditionsreiche Ufa-Filmpalast von Aschersleben heute beim dreidimensionalen Filmstart von Disneys " Weihnachtsgeschichte " mit am Start ist, dürfen sich die beiden Kino-Enthusiasten aus Schwanebeck getrost auf die Fahnen schreiben.

Schon damals zum Jahresanfang, als Uhde & Uhde beherzt zugriffen und das Kino in Aschersleben vor der drohenden Schließung retten, stand für sie der Schritt hin zum digitalen Zeitalter fest : " Entweder ganz oder gar nicht ", nickt Heidrun Uhde. So können die Kinobesucher im Salzlandkreis nun – gut ein halbes Jahr nach dem Bestellen der nötigen Projektionstechnik und rund 120 000 Euro zusätzlicher Investitionskosten – mit dabei sein. Der Filmpalast Aschersleben ist damit unter den ersten 200 entsprechend umgerüsteten Kinos von bundesweit rund 1 400.

Der eigentlich eher unscheinbare Projektor für den größten der vier Kinosäle markiert dabei so etwas wie den vorläufigen Höhepunkt im Leben von Kinomann Matthias Uhde. Der war vor 40 Jahren blutjung mit 18 als Landfilmvorführer gestartet, durch den Kreis Halberstadt gezogen und hatte den Menschen Kinovergnügen in die Dörfer gebracht.

Nach der Wende verschlug es die Schwanecker zunächst ins alte Ufa-Kino von Halberstadt, später kamen er und seine Frau dann ins grundsanierte Kino nach Aschersleben. Und sie hatten Glück : Trotz der Insolvenz der Ufa-Gruppe ging es dort bis 2008 immer weiter. Doch dann stand plötzlich die Frage – Kaufen oder auf der Straße landen ? – im Raum.

Ein knappes Jahr später sind die beiden Kinoenthusiasten ein gutes Stück voran gekommen und haben ihren kühnen Schritt, für den sie im Januar mit dem Unternehmerpreis der CDU-Mittelstandsvereinigung geehrt wurden, nicht bereut : Am 8. Oktober wurden endlich die Unterschriften unter den 330 000 Euro " teuren " Kaufvertrag fürs Kino gesetzt.

Mehr Kontrolle

und Kopierschutz

Herzstück der neuen Technik ist jener Projektor, der so etwas wie eine Mischung aus Mega-Beamer und Spezialrechner ist. Die nötigen Filme kommen heutzutage per Kurierpost und befinden sich auf handlichen Festplatten. Deren Inhalt wird anschließend auf eine der acht Festplatten des Projektors geladen. Wer dann freilich glaubt, dass nur noch der Start-Knopf gedrückt werden muss, irrt gewaltig. Digitaltechnik bedeutet auch noch mehr Kontrolle und Kopierschutz, weiß Uhde. " Erst wenn ich einen Freischalt-Code eingegeben habe, kann es wirklich losgehen. "

Und damit nicht genug : Die Technik registriert jede einzelne Vorführung haargenau. " Einfach mal so für eine Schulklasse eine Extravorstellung am Vormittag einschieben, ist nicht mehr ", schmunzelt der Kinomann. Und illegales Mitschneiden im Kinosaal ist auch Vergangenheit, weil das optisch überlagerte Stereo-Bild nur mit den Polarisationsfiltern der 3-D-Brille zum wirklichen Bild wird. Dafür aber eben mit räumlichem Vergnügen auf einer Leinwand, die kein Ende zu nehmen scheint.

Während die Kinobesucher dafür in Aschersleben beispielsweise 2, 50 Euro Aufpreis – ein Euro Digitalaufschlag für die Verleiher und 1, 50 Euro Servicezuschlag für die Nutzung der 40 Euro teuren Brille – berappen müssen, sparen die Verleiher dank der neuen Technik ordentlich : " Eine klassische Filmkopie kostet in etwa 2 000 Euro und hat einen Materialbedarf von rund 25 bis 30 Kilogramm " weiß Uhde als alter Kinohase. Das summiere sich bei schätzungsweise 1 200 Kopien für einen Bundesstart wie den heutigen auf gut 2, 4 Millionen Euro Kopierkosten und schlucke fast 40 Tonnen Filmmaterial, das wenige Wochen später Müll sei und recycelt werden müsse. Da liege der Vorteil schon auf der Hand : Nunmehr werden nur noch die Festplatten an die Kinos geschickt, die Daten heruntergeladen und die Speicher später neu bespielt. Alles in allem, überschlägt der Kinoexperte, könnten so wohl rund 160 Millionen Euro Kopierkosten pro Jahr gespart werden.

Was toll und plausibel klingt, ist jedoch selbst für einen alten Hasen wie Uhde Neuland mit einigen komplizierten Hügeln. So musste umgebaut werden im Projektionsraum : Klimatechnik hielt Einzug, weil der Projektor Hitze über 28 Grad Celsius schwer übel nimmt. Und dort, wo einst die Filme über die Umlenkrollen liefen, bestimmen nun Computermonitore das Bild.

Allein für das Jahr 2010 sind bereits neun Filme in 3-D-Vergnügen angekündigt.