Einen richtigen Namen gibt es für das neue Gebäude am Stadtsee noch nicht. Doch der Stadtrat hat die Entwurfsplanung für das Haus, einst als Kompetenzzentrum oder Stadthaus bezeichnet, mehrheitlich gebilligt. Der Oberbürgermeister ist damit beauftragt das geplante Nutzungskonzept umzusetzen. Das Gebäude ist Teil des IBA-Stadtumbaus. Die veranschlagten Baukosten belaufen sich auf rund fünf Millionen Euro.

Staßfurt. Der Gebäudekomplex am Großen Markt in Staßfurt wird gebaut. Nachdem der Stadtrat bereits im April per Beschluss die Planungsleistungen für das Haus auf den Weg gebracht hatte, segneten seine Mitglieder jetzt auch diese Entwürfe ab und gaben den Weg frei für das geplante Nutzungskonzept. Die Stadt- und Regionalbibliothek, das zentrale Stadtarchiv, die Wohnungs- und Baugesellschaft sowie der Bürgerservice werden in unmittelbarer Nachbarschaft zum neu entstandenen Stadtsee ihr Quartier finden. Im Gebäude gibt es dann auch eine Ausstellungsfläche zum Umgang mit dem Altkalibergbau, zu den Ergebnissen des Forschungsverbundvorhabens " Dynamik abgesoffener Salzbergwerke und ihres Deckgebirgsstockwerkes ", eine 3-DVisualisierung zu Bergbaufolgen und daraus resultierender Innenstadtentwicklung sowie einen Tagungsort für den Rat.

Rund fünf Millionen Euro soll das Haus kosten. Es ist die geplante Krönung aller Stadtumbaumaßnahmen im Rahmen der IBA ( Internationale Bauausstellung ) 2010. Dazu wurden bereits Fördermittel in Höhe von 2, 4 Millionen. Die Kosten spielten eine zentrale Rolle während der Sitzung. Corinthus Schobes, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Bürgervertretung von Staßfurt, protestierte gegen die Beschlussvorlage, forderte sie von der Tagesordnung abzusetzen. " Ich bin der Meinung, wir sollten das jetzt nicht beschließen und dann warten, was rauskommt. " Schobes fehlen Aussagen zur Finanzierung.

Diskussion um Kosten und Alternativen

" Niemand hat die Wirtschaftlichkeit geprüft, der Beschluss wurde aus wirtschaftlich-finanzieller Sicht nicht behandelt ", so der UBvS-Chef. Deshalb und mit Blick auf die schlechte Haushaltsentwicklung der Stadt forderte er die namentliche Abstimmung, erhielt dafür sogar Applaus aus den Reihen des Publikums. Der Rat stimmte nicht in diese Beifallsbekundungen ein. Das Ergebnis war bei 28 Ja-Stimmen sowie jeweils vier Nein-Stimmen und Enthaltungen eindeutig.

Auch Hartmut Wiest ( Unabhängige Wählergemeinschaften ) ist gegen den jetzt geplanten Entwurf. Seiner Fraktion fehlt die Prüfung von Alternativen zu einem Neubau, mit denen dem Leerstand in kommunalen Gebäuden begegnet werden könnte. Eine Unterrichtung des Oberbürgermeisters zu Beginn der Sitzung zur Standortvariantenbewertung für die Unterbringung von Bibliothek und Archiv bezeichnete der UWGn-Vorsitzende als " halbherzig ". René Zok hatte darin beschrieben, dass beispielsweise die vor einigen Jahren avisierte Ertüchtigung des ehemaligen Feuerwehrdepots im Athenslebener Weg mit großen Investitionskosten verbunden sei und rechtlichen Vorgaben nicht genüge. Der Stadtchef beruft sich dabei auf von Experten ausgeführte Untersuchungen.

Fraglich ist für Wiest auch, dass jetzt schon alles beschlossen wird, obwohl noch nicht einmal feststeht, wer als Bauherr auftritt. Der Oberbürgermeister hatte nämlich erklärt, dass die Stadt noch mit der Wobau in Verhandlungen zu diesem Thema stehe. " Wenn die Stadt gar nicht baut, ist der Beschluss nicht unsere Sache. "

Das sieht Gerhard Wiest ( Die Linke ) anders. " Die Stadt ist einziger Gesellschafter der Wobau und Hauptnutzer des Hauses. " So müsse der Rat auch " großes Interesse " an Gestaltung und Nutzung haben.

Moderne Architektur und Energieeffizienz

Mehrheitlich abgelehnt wurde vom Rat ein Änderungsantrag aus dem Bauausschuss, wonach die historische Renaissancefassade mit in den Bau einbezogen werden sollte. Das hätte eine völlige Überplanung des Projektes zur Folge und würde dem Beziehungsgefüge zum Inneren des Gebäudes widersprechen. Architekt Ralf Niebergall wies vor dem Rat darauf hin. Zudem habe sich das Umfeld am Wendelitz grundlegend verändert und sei auf Neugestaltung ausgelegt, so der Architekt. Sein Entwurf letzten Jahr hat die Auslobung für die Gestaltung des Gebäudes gewonnen, schon vorher beschäftigte sich der Professor mit einer Studentengruppe mit Erscheinungsvarianten des Hauses. Der Architekt beantwortete auch Fragen zur Baugrunduntersuchung und zum Einsatz von alternativen Energien. Das Gebäude soll hier neue Standards mit einer Wasser-Luft-Wärmepumpe und Photovoltaikanlagen erfüllen. Außerdem seien alle Kriterien der Barrierefreiheit gegeben.