Über 1400 Schüler aus 15 Schulen nutzten kürzlich den 2. Berufsorientierungstag, um Ausschau nach einem Ausbildungsplatz in der Region zu halten. Organisiert und vorbereitet hatten diesen Tag die Stadt Aschersleben mit der Abteilung Wirtschaftsförderung sowie der Wirtschaftsclub. Unterstützung erhielten sie dabei vom VHS Bildungswerk Sachsen-Anhalt. Auch die Stadt Staßfurt hängte sich dran, dem Bewusstsein entsprechend, das Berufsorientierung alle etwas angehe.

Aschersleben / Staßfurt. Für die Staßfurter Stadtverwaltung stand die Teilnahme am 2. Berufsorientierungstag ( BOT ) in Aschersleben außer Frage. " Das Thema wird immer wichtiger ", sagt Christian Schüler, Wirtschaftsförderer der Salzstadt. " Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven heraus betrachtet. " Zur Ausbildungsplatzproblematik und -situation gehöre, dass einem wachsenden Ausbildungsplatzangebot rückläufige Bewerberzahlen gegenüberstünden. Schüler bewerben sich aber außerhalb ihrer Heimatregion und verlassen sie. Ein strukturelles Problem. Dem sind vor allem die Unternehmen direkt ausgesetzt. Denn ihnen fehlt oft geeigneter Fachkräftenachwuchs.

Berufliche Frühorientierung sei deshalb wichtig, so Schüler. Schnell könne man so eine Richtung einschlagen. Kein einfaches Unterfangen in immer komplexer werdenden Berufswahlprozessen, die nicht selten Jugendliche, Eltern und Lehrer auch überfordern würden. Die Stadt Staßfurt hat dazu bereits viele Angebote geschaffen. Es gibt das Motivations- und Orientierungszentrum ( MOZ ) des BBRZ, einen Ausbildungsbeirat für die Region Aschersleben / Staßfurt mit Vertretern aus Schulen, dem Landesverwaltungsamt, aus Kommunen und den Arbeitsverwaltungen. Der BOT sei auch sei ein Angebot, stellt der Wirtschaftsförderer dar. " Schüler der achten bis zehnten Klassen werden mit Ausbildungsbetrieben der Region bekannt gemacht.

" Der direkte Kontakt über kurze Wege ist das Konzept "

Es besteht die Möglichkeit für die Jugendlichen, sich direkt vor Ort zu informieren und sich für Praktika oder Ausbildungsplätze zu bewerben. " Direkter Kontakt über kurze Wege sei also das Konzept des BOT, von dem beide Seiten – Schüler wie Unternehmen – profitierten.

Nachdem Holger Sasse vom Wirtschaftsclub und der Ascherslebener Oberbürgermeister Andreas Michelmann die Messe für eröffnet erklärten, drängelten sich schon nach wenigen Minuten die ersten Jugendlichen an den Ständen. Zuerst dicht umringt war der Bundeswehr. Viele Fragen hatten die beiden Standbetreuer nach Zukunftsperspektiven zu beantworten. Mit ganz klaren Vorstellungen nutzte der 15-jährige Sven Heidemüller aus Aschersleben die Chance, sich über Ausbildungsberufe beim Bund zu informieren. " Ich möchte gern Fluggerätemechaniker werden und später zur Marine gehen ", sagt er. Und woher kommt das Interesse ? " Mein Vater war auch bei der Armee. Ich bin damit aufgewachsen und es hat mich begeistert ", so Sven, der sich dessen bewusst ist, dass es nicht einfach sein wird, sein Ziel zu erreichen.

Süße Leckereien gab es am Stand von Cargill Chocolate, dem Schokoladenhersteller in Klein Schierstedt. Hier waren besonders die mit Schokolade gefüllten Tüten der Renner. Für Fragen stand neben Geschäftsführer Ulrich Müller noch Kerstin Schmidt zur Verfügung. Das Unternehmen sucht jeweils einen Auszubildenden als Fachkraft für Süßwarentechnik sowie als Industriekaufmann / -frau. Vis á vis standen die Mitarbeiter der Firma Rügenwalder mit Sitz in Staßfurt. Nach dem Süßen gab es hier etwas Herzhaftes, was großen Absatz fand. Zwei Mädchen interessierten sich und erkundigten sich nach den Voraussetzungen. " Realschulabschluss wäre schon wichtig. Die Qualität der Lehrlinge muss sich verbessern ", sagte Susann Gregor, Qualitätsmanagerin und Lehrausbilderin im Unternehmen. Gesucht werden bei Rügenwalder unter anderem Fleischer und Fachkräfte für Lebensmitteltechnik. Für die Mädchen nicht das Richtige, sie wollen sich nach einem Beruf im Büro umsehen.

" Die Qualität der Lehrlinge muss sich verbessern. "

Gute schulische Leistungen erwartet auch die Schlossbrunnen Wüllner GmbH von ihren künftigen Mitarbeitern. Deshalb erhofft sich das Unternehmen von der Teilnahme an der Messe, junge motivierte Leute zu finden, sagte Andreas Reichert, Leiter Technik. Ausbildungsplätze als Fachkraft für Lagerlogistik, Mechatroniker und Kauffrau für Bürokommunikation sowie Fachkräfte für Lebensmitteltechnik werden angeboten. Bei letzterem sind die Anforderungen hoch und laut Reichert sollten die Bewerber über einen Realschulabschluss verfügen. " Auch wir haben Mühe, geeignete Leute zu finden ", bestätigt Reichert.

Jeder kam so auf seine Kosten. Allein 500 Mädchen und Jungen aus fünf Schulen Staßfurts waren da. Oberbürgermeister René Zok hatte sie besonders begrüßt, forderte sie auf, Fragen zu stellen, sich in den Unternehmen vorzustellen, einen Fuß in die Tür der Firmen zu setzen, in denen man um den Traumberuf weiß. Der OB betonte aber auch, das Eigeninitiative, Engagement und Leistung gefragt seien, dass Voraussetzungen auf dem Weg zu einem Beruf erfüllt sein müssen. " Mit der Berufsorientierung kann nicht früh genug begonnen werden. Den Schulen kommt ein wichtiger Auftrag zu, den Orientieren hat mit Informieren zu tun ", sagt Zok. Nur wenn man um die Voraussetzungen und Bedingungen der Berufswelten wisse, könne man ihnen gezielt begegnen und seinen Weg ohne Brüche und Verwerfungen antreten.

René Zok ist genauso wie sein Wirtschaftsförderer Christian Schüler überzeugt, dass der BOT ein Erfolg war und beide wünschen sich, das beim nächsten Mal noch mehr Firmen die Gelegenheit nutzen sich vor den Schüler-Hundertschaften zu präsentieren und vorzustellen.

Bereits im Frühjahr wird es den nächsten BOT geben. Denkbar, so der Stadtchef, sei auch, dass ein solcher Tag explizit in Staßfurt durchgeführt werden könne, wenn sich genug Firmen zur Teilnahme bereit erklärten.