Schönebeck ( rbo ). Glaubt man dem Wortlaut eines bekannten Internetlexikons, werden Musen seit der Antike als göttliche oder geniale Inspirationsquelle für Künstler genannt. Ursprung ist die antike Vorstellung, dass Ideen nicht selbst entwickelt, sondern von Göttern ( oder eben Musen ) von außen inspiriert werden.

Von einer solchen " geküsst " wird seit vergangenem Freitagabend auch wieder die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie, die mit dem Eröffnungskonzert der Anrechtsreihe " Heitere Muse " dem Publikum einen beschwingten Abend bescherte.

Unter der Leitung von Gastdirigent Friedemann Seitzer erklangen beliebte Melodien aus Operette und Oper. Doch die Kammerphilharmoniker wären nicht sie selbst, wenn sich dahinter nicht noch etwas Besonderes verbergen würde : Raritäten, Raffinessen, Spezielles. So erfuhr man " ganz nebenbei ", dass Domenico Cimarosa insgesamt 54 Opern geschrieben hat und seine Oper " Die heimliche Ehe " am Abend der Uraufführung noch einmal gespielt werden musste, weil sie so erfolgreich war. Das Schönebecker Orchester spielte die Ouvertüre dieser Oper überaus temperamentvoll und mit voluminösem Klang.

Da Italien die Keimzelle der Oper war, gehörten Komponisten wie Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi unbedingt ins Programm. Julia Preußler ( Sopran ) eröffnete die Reihe der Solisten mit der Arie " Quando me’n vo " aus der Musette " La Boheme " und provozierte mit ihrem reinen Gesang und ihrer hellen, unverbrauchten Stimme anhaltenden Beifall. Lydia Moellenhoff ( Mezzosopran ) gefiel mit sauberen Koloraturen und warmen Couleur in ihrem Gesang während der Arie " Agitata da due venti " aus der Oper " La Giselda ". Auch Thomas Fröb ( Tenor ) sang sich mit der Arie des Rodolfo " Che gelida manina " aus " La Boheme " und " Questa o quell " aus " Rigoletto " in die Herzen des Publikums. Stimmlich ausgewogen und sehr ausdrucksvoll wirkten die beiden Duette ( Julia Preußler / Lydia Moellenhoff ) " Suse, liebe Suse " aus " Hänsel und Gretel " von Engelbert Humperdinck und die Barcarole aus " Hoffmanns Erzählungen " von Jacques Offenbach. Auch hier wusste Dirigent Friedemann Seitzer das Besondere herauszustellen : Offenbach gehörte zu den wenigen Komponisten seiner Zeit, die in Oper und Operette erfolgreich waren. Apropos Friedemann Seitzer, er führte nicht nur die Kammerphilharmoniker souverän durch das Programm und sorgte für eine feinfühlige Begleitung der Solisten, sondern outete sich auch als charmanter Conferencier.

Der zweite Teil nach der Pause gehörte ganz der Operette und anlässlich seines 80. Geburtstages widmete das Orchester einen kleinen Teil dem Komponisten Charles Kálman. Es erklang seine Suite " Petit ami " und damit wieder eine Rarität, komponierte Kálman doch überwiegend Filmmusiken. Schön, wie das Orchester hier mit seiner differenzierten Spielweise den Charakter der Suite unterstrich. Auch die drei Gesangssolisten präsentierten sich im 2. Teil in Hochform. Keck, ja fast provozierend kam Julia Preußler als Adele aus der " Fledermaus " mit ihrem Couplet " Mein Herr Marquis " daher, und ebenso herausfordernd klang die Arie des Orlowsky " Ich lade gern mir Gäste ein ", gesungen von Lydia Moellenhoff.

Ein wunderbar stimmiger Abend, der von der exzellenten Programmgestaltung bis hin zu den Akteuren volles Lob verdient. Ein Schelm, wer bei dem Terzett aus dem Zigeunerbaron " Ein Greis ist mir im Traum erschienen " ( von Johann Strauß ) Charles Kálman im Publikum gesucht hat.