Schönebeck. Der Menschenfresser, die Leichenhändler, die Giftmischerin. Schaurig hören sich allein schon die Kapitel des Buches " Historische Serienmörder " an. Schaurig war auch es auch, als Autor Michael Kirchschlager am Donnerstagabend aus diesem Buch las.

Das Kreismuseum Schönebeck bot hierfür die richtige Kulisse. " Hier weht der Geruch der Jahrhunderte durch die Räume ", eröffnete Edeltraud Engelmann, Fachbereichsleiterin der Kreisvolkshochschule, den Abend. " Die Lesung ist nichts für zarte Seelen ", kündigte der Autor an.

Zwei junge Frauen

verließen den Saal

Michael Kirchschlager hielt Wort. Mit zahlreichem Bildmaterial und einzigartigen Informationen gab er Einblicke in die abscheulichen Taten historischer Serienmörder. Dabei bewegte er sich mit der Beschreibung der Folter- und Hinrichtungsmethoden stetig an der Schmerzgrenze der Besucher. Wiederkehrendes Raunen und Ekelsbekundungen aus dem Publikum bezeugten dies. Bereits nach zehn Minuten verließen zwei junge Frauen den Saal. Dabei sei das Mittelalter, was er zu diesem Zeitpunkt erläuterte, nicht die schrecklichste Zeit gewesen. " Das 20. Jahrhundert ist schlimmer ", rief Kirchschlager den Frauen hinterher.

Ob Mittelalter, frühe Neuzeit oder das 20. Jahrhundert – die Greueltaten der Serienmörder waren zu jeder Zeit bestialisch. Zu dieser Erkenntnis ist an diesem Abend vermutlich jeder der Anwesenden gekommen.

Jack the Ripper ist wohl weltweit einer der bekanntesten Serienmörder. Allerdings sei Jack the Ripper quantitativ eher unbedeutend, so Kirchschlager. Die Opferzahl scheint geradezu gering im Vergleich zu anderen, vergleichsweise unbekannten Serienmördern.

Geschlachtet

und verkauft

Elisabeth Bárthory habe beispielsweise auf ihrer Burg in Ungarn rund 650 junge Mädchen gefoltert und getötet. Dies belegen erhaltene Kriminalakten aus dem 16. Jahrhundert, so Kirchschlager.

Dem deutschen Karl Denke aus Münsterberg ( Schlesien ) werden mindestens 31 Opfer zugeschrieben. Er habe sie Ende des 19. Jahrhunderts geschlachtet und gegessen, einige Teile habe er zudem auf dem Wochenmarkt verkauft, erzählt der Autor.

Die Bremer Giftmischerin Margaretha Gottfried tötete 15 Menschen, darunter ihre Eltern, ihre Kinder und zahlreiche Ehemänner mit Arsen. Die schlimmsten Morde, so Kirchschlager, seien jedoch jene, bei denen Kinder des Geldes wegen getötet wurden. Die Hamburger Hebamme Elisabeth Wiese beispielsweise habe Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Dienste als Pfl egemutter angeboten, kassierte das Geld und verbrannte die Kinder dann in einem Ofen.

Die Gründe warum Menschen in Serie morden, konnte Michael Kirchschlager jedoch nicht nennen. In der Wissenschaft gebe es Positionen, die es einem genetischen Defekt zuschreiben oder aber der Sozialisation. Er selbst sei jedoch der Ansicht, dass es immer ein Zusammenspiel aus beiden Aspekten sei.

Die Frage nach dem schlimmsten Fall, den er bisher recherchiert hat, beantwortet der gebürtige Staßfurter, der derzeit in Arnstadt lebt, mit einem verschmitzten Lächeln : " Die thüringische Bürokratie ist das, was mich wirklich an meine Schmerzgrenze getrieben hat. "

Da der 43-J ährige nicht nur Autor sondern auch Verleger ist, weiß er, wovon er spricht. Manch ein Papierkrieg gleiche einem Krimi, scherzte er. Den Weg in die Selbstständigkeit fand er allerdings mehr aus der Not heraus. " Ich habe einfach keinen Verlag gefunden, der meine Bücher verlegen wollte. " Immer wieder habe er gehört, das sei zu grausam oder so etwas würde keiner lesen wollen. Also baute der zweifache Vater 2001 kurzerhand selbst einen Verlag auf. Ein Familienunternehmen mit enormen Erfolg, wie sich kurze Zeit später zeigte. Die Nachfrage ist groß, die kleine Aufl agenzahl sorgt für Exklusivität.

Einige Bücher würden in Antiquariaten schon zu hohen Preisen verkauft. " Das liegt daran, dass die Aufl agenzahl gering ist ", erklärte er. Zudem sei es sogenannte Nischenliteratur.

Geschichten auch

im Fernsehen

Wie er auf diese Nische gekommen ist, wisse er nicht mehr so genau. Das Studium der Geschichte und die Gründung des Runneburgvereins – ein historischer Verein in Thüringen, der sich um die Burganlage in Weißensee kümmert – hatten daran jedenfalls teil. Bei Recherchearbeiten in diversen Archiven und Bibliotheken stieß er zwangsläufi g auf historische Kriminalakten. " Die Fälle sind zumeist Zufallsfunde ", erklärte Michael Kirchschlager.

Unter dem Titel Historische X-Akten aus Sachsen-Anhalt produzierte der Mitteldeutsche Rundfunk 30 Kurzfi lme von Kirchschlagers Geschichten. Zudem war er als Küchenmeister Michael mit Rezepten aus seinem Buch " Ich will ein guter Koch sein – Küchengeheimnisse aus dem Mittelalter " im Fernsehen zu sehen.

Mehr zum Schaffen des Historikers, Autors und Verlegers :

www. verlag-kirchschlager. de