Damit die Mädchen und Jungen der Sekundarschule Am Tierpark gut in das Berufsleben starten, engagieren sich ihre Lehrer auf verschiedene Art. Deshalb organisiert die Einrichtung jetzt eine Berufsbildungsmesse mit Menschen aus der Praxis.

Staßfurt. Vivien Frank weiß schon genau, welchen Beruf sie später einmal ausüben wird. " Ich möchte Steuerberaterin werden ", sagt die 15-J ährige. Um sich in ihrem Berufswunsch zu bestärken, wird sie in den nächsten 14 Tagen ein Praktikum in einem solchen Büro absolvieren. Zuvor musste sich die junge Staßfurterin, die die Sekundarschule Am Tierpark besucht, bewerben – doch das Schreiben eines formalen Briefes ist nicht so einfach. " Zum Glück hat mir meine Lehrerin geholfen ", gibt sie deshalb ehrlich zu.

" Obwohl wir uns mit dem Thema im Unterricht beschäftigen, haben die Schüler große Probleme mit den Formalien ", nennt Klassenlehrerin Regina Vahldieck ihre Erfahrung. Neben dem Schreiben von Briefen, die nicht an Freunde, sondern an Unternehmen geschickt werden, seien aber auch Vorstellungsgespräche und Bewerbungstests eine Hürde, die von den künftigen Lehrlingen bewältigt werden müssen. Um ihren Schülern den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern, hat Brit Hannemann, die an der Ganztagsschule unter anderem verantwortlich für die Berufsorientierung ist, eine kleine Messe organisiert. Zwei Tage lang können sich die 33 Schüler der beiden neunten Klassen über alles rund um die Bewerbung und das Arbeitsleben informieren.

" Dazu haben wir Menschen aus der Praxis eingeladen ", berichtet die Lehrerin. So erzählten gestern beispielsweise eine zahnmedizinische Assistentin und eine Restaurantfachfrau aus ihrem Alltag. " Manche Schüler haben ganz schön geschluckt, als sie hörten, dass man in gewissen Berufen auch am Feiertag oder in Schichten arbeiten muss ", schildert Brit Hannemann ihre Eindrücke. Anschließend besuchten gestern Vertreter der Kooperationspartner die Jugendlichen.

Claudia Böhm von der Krankenkasse Barmer ging allgemein auf alles rund um die Bewerbung ein. So staunten die Mädchen und Jungen nicht schlecht, als sie daraufhin wies, dass Bewerber inzwischen nicht mehr dazu verpfl ichtet sind, ein Passfoto ihrem Schreiben beizulegen. Anschließend legte die Krankenkassenmitarbeiterin den Fokus auf die Kleidung : " Sicher braucht sich keiner zu verkleiden, aber in schlumpigen Alltagssachen sollte keiner zum Unternehmen gehen. " Der optische Eindruck spiele auch beim Einstellungstest eine Rolle, verdeutlichte Claudia Böhm. Mit einem Beispiel versuchte sie die Schüler dafür zu sensibiliseren, dass sich jeder vorab über die Firma informieren sollte : " Wenn ich weiß, dass das Unternehmen weltweit agiert, kann ich mich darauf einstellen, dass das Gespräch möglicherweise in Englisch geführt wird. "

Nancy Wallborn vom Sodawerk beschäftigte sich intensiv mit dem Bewerbungsgespräch. " Viele stellen sich das Gespräch zu einfach vor ", berichtet sie aus ihren Erfahrungen in der Personalabteilung. " Wenn man gezielt nachfragt, wissen sie meist keine Antwort. " Dabei sei es enorm wichtig, dass die Bewerber im Gespräch deutlich machen, warum sie für diese Firma arbeiten wollen. Auffällig sei außerdem, " dass die Schüler nur schwer über sich selbst reden können ". Schließlich gehe es im Bewerbungssgespräch darum, den zukünftigen Mitarbeiter kennenzulernen. Mit Hilfe kleiner Rollenspiele zeigte Wallborn, auf welche Punkte die künftigen Bewerber achten sollten.

Heute werden die Schüler unter anderem von der Hotelfachschule Börde, der Berufsschule Aschersleben und der Bundeswehr besucht.

Für die Hälfte der Neuntklässler, die dieses Schuljahr mit dem Realschulabschluss beenden, wird es jetzt schon ernst. " Diese Jugendlichen müssen sich jetzt bewerben ", weiß Brit Hannemann. Deshalb sei es enorm wichtig, den Schülern jetzt deutlich zu machen, " wie wichtig das alles ist ".