Calbe. Es ist entschieden : Die Arbeiterwohlfahrt wird im Krankenhaus Calbe der neue Herr im Haus. Dies entschied gestern abend in nicht öffentlicher Sitzung mehrheitlich der Stadtrat der Saalestadt. Wegen der Brisanz der Angelegenheit informierte Bürgermeister Dieter Tischmeyer ( parteilos ) in Absprache mit dem Stadtratsvorsitzenden Dr. Georg Hamm ( CDU ) im Anschluss an die Sitzung die Öffentlichkeit über die Entscheidung. Details wolle er aber nicht preisgeben, so das Stadtoberhaupt.

Bereits vom 1. November an wird die Awo Krankenhausbetriebsgesellschaft mbH die rund 150 Mitarbeiter in Calbe übernehmen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben der Verantwortlichen auf längere Zeit vertraglich ausgeschlossen. Das 114-Betten-Haus werde die Spezialisierung auf Geriatrie, Altersmedizin, beibehalten, erklärte Awo-Landesgeschäftsführer Wolfgang Schuth gegenüber der Volkstimme nach der Entscheidung. Dies wäre allerdings auch durch die beiden anderen Bewerber in der Schlussrunde sichergestellt gewesen. Bis gestern im Rennen waren noch das Magdeburger Klinikum und die jetzige Krankenhausleitung um Chefarzt Dr. Karl-Heinz Ulrich selbst. Letzterer hatte bis vor wenigen Tagen massiv für eine Beibehaltung der kommunalen Trägerschaft geworben und war darin von einer Bürgerinitiative unterstützt worden. Anfang der Woche allerdings hatte es eine plötzliche Kehrtwende gegeben. Dr. Ulrich hatte bei einer als " inoffiziell " bezeichneten Gesprächsrunde erklärt, eine stabile Patientenzahl könne besser mit einem großen und einfl ussreichen Partner und dessen Netzwerk erreicht werden.

Deshalb galt bereits vor der gestrigen Stadtratssitzung als sicher, dass Dr. Ulrichs Konzept nicht das Rennen machen würde. Und auch die Vertreter der Bürgerinitiative, die mit harten Bandagen und 4100 Unterschriften ( davon sollen 900 ungültig sein, 1500 nicht aus Calbe ) für die kommunale Trägerschaft gekämpft hatten, machten überraschend einen Rückzieher und zeigten sich plötzlich auch für einen Trägerwechsel offen. Dies wurde bei den Fraktionschefs im Stadtrat, die zu dem als " Runden Tisch " bezeichneten Treffen nicht eingeladen waren, zwar erfreut registriert. Gleichzeitig kritisierte aber Mario Kannegießer ( SPD ), " dass sich jetzt diejenigen als Retter aufspielen, die sich vorher alle Mühe gegebenhaben, die Stimmung anzuheizen ". Irritiert zeigte sich auch CDU-Fraktionschef Alexander Sieche : " Dass Herr Dr. Ulrich jetzt auch zu der Erkenntnis gelangt sei, für die der Stadtrat in den vergangenen Monaten scharf angegriffen worden ist ", sei immerhin eine gute Nachricht.

Zufrieden mit der Stadtratsentscheidung zeigte sich Sven hause ( Fraktionsvorsitzender der Alternativen Liste Calbe ). Seine Fraktion habe dazu immer eine klare Position vertreten. Um so schärfer verurteile er diejenigen, die keine Mühen und kein Papier gescheut hätten, um die Bürger zu beeinfl ussen und zu verunsichern. " Diese Leute sollten sich schämen. " " Es muss jetzt endlich Ruhe einkehren ", war sich gestern Bürgermeister Tischmeyer mit dem Stadtratsvorsitzenden Dr. Georg Hamm einig.

Awo-Chef Schuth hieß die kleine Calbenser Klinik im Awo-Verbund willkommen. Er kündigte gleich Investitionen an : Sein Plan ist rund um die Klinik ein medizinisches Versorgungszentrum aufzubauen, niedergelassene Fachärzte anzusiedeln und Angebote für Betreutes Wohnen zu schaffen. Geplant sind außerdem die Umgestaltung des Hofbereichs, Verlagerung der Parkplätze, Anschaffung von Medizintechnik und bauliche Erweiterungen.