Das Modell eines Salzbergwerks hat die Reise von Schweden nach Staßfurt wohlbehalten überstanden. Auch Dank der guten Verpackung in einer Riesenkiste, die der ehemalige Hohenerxlebener Uwe Brauer und sein schwedischer Kumpel Kent Person gebaut hatten. Gestern konnten sich die beiden selbst davon überzeugen, nachdem die Kiste am Vortrag im Beisein von Oberbürgermeister René Zok geöffnet wurde. Dabei hatte es bereits heiße Diskussionen um einen geeigneten Standort für das Modell gegeben.

Staßfurt. 100 Prozent einig waren sich die Anwesenden bei der Öffnung des großen Überraschungspakets am Dienstag in einem Fall : Das Modell ist eine Sensation für Staßfurt. Als Museumsleiter Michael Scholl und der Freund des Museums Michael Schulz eine Wand von der Kiste abgeschraubt hatten, spendeten die Vertreter von Museumsbeirat, Bergmannsverein und Geschichtsverein Beifall. Das Modell gibt sehr anschaulich den Betrieb eines Salzbergwerks wider, wie es in Staßfurt gestanden haben könnte. Schon da gehen die Meinungen aber auseinander. Während Alfred Käppner ein Abbild der Anlage Friedrichshall sieht, meint Gerald Meyer, dass es sich um kein bestimmtes Werk sondern um ein stilisiertes handele. Heinz-Jürgen Czerwienski wollte auf der Stelle zur Ruine hinter der Merkewitzhalle fahren, um die Front des Zechenhauses zu vergleichen.

Klar, dass alle voller Spannung die Öffnung der Kiste erwartet hatten. Doch noch aufgeregter wurde der künftige Standort des Modells und die Art der Präsentation diskutiert. Alfred Käppner schlug vor, ein kleines Fachwerkhaus dafür auf dem angrenzenden wilden Parkplatz zu bauen. Vor allem aber, dass es schnellstens der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte – eventuell im Foyer des Sparkassenschiffes. Dort stehe es sicher und trocken, argumentierte er. Das will Museumsleiter Michael Scholl auf keinen Fall : " Dieses Highlight würde verpuffen, wenn es woanders steht. Wir wollen die Besucher hier im Museum haben. " Oberbürgermeister René Zok wollte prüfen, ob man nicht ein leer stehendes Geschäft in der Steinstraße vorübergehend für die Präsentation nutzen könnte.

Gestern nun war etwas Ruhe eingekehrt um das Thema. Vielleicht hatte sie Uwe Brauer aus Schweden mitgebracht, der seine Heimat besuchte. Dem Hohenerxlebener Auswanderer und seinem Kumpel Kent Person haben die Staßfurter den reibungslosen Transport des gut 600 Kilogramm schweren Modells zu verdanken. " Ihr müsst jetzt vor allem ganz in Ruhe überlegen, wo der vernünftigste Platz im Museum ist ", empfahl Brauer, " Nehmt außerdem einen Fachmann, der überlegt und vor allem mit Herz an die Sache geht und das Modell genau anschaut, ob es in Baugruppen ins Haus gebracht werden kann. "

Museumsleiter Scholl versicherte, dass man bereits Verbindung mit der Bergakademie Freiberg in Sachsen aufgenommen habe, wo das Modell vor über 100 Jahren im Auftrag eines Staßfurter Salzgroßhändlers gebaut worden war. Der soll übrigens damit in Schweden für das weiße Gold geworben haben, wo das Modell dann bis vor wenigen Tagen blieb.

Wie es nun mit ihm weiter geht – das Modell, das sogar mit Dampf betrieben wurde, kann ja erst zur Sensation werden, wenn es zu besichtigen ist – steht momentan in den Sternen.

Dankbar zeigte sich Michael Scholl unterdessen längst seinem Amtskollegen Johan Åkerlund in Stockholm gegenüber, " mit dem es eine tolle Zusammenarbeit gibt ". Selbst die Schenkungsurkunde ist schon da. Und natürlich gab es gestern für Uwe Brauer und seinen schwedischen Kumpel einen Kasten Bier. Die hatten nämlich einen Zettel ans Modell gesteckt : " ... heute sind hier 28 ° C im Schatten und wir schwitzen mächtig beim Bau der Kiste ... es wäre schön, sie schicken uns die Kiste ganz und gefüllt mit Bier zurück nach Schweden ... "