Die im Besitz der Stadt Staßfurt befindliche Wohnungs- und Baugesellschaft mbH Staßfurt leistet mit ihrem großen Wohnungsbestand einen wichtigen Beitrag dafür, um die Salzstadt für ihre Bewohner noch attraktiver zu machen. Mit dem Geschäftsführer Dr. Dieter Naumann sprach Volksstimme-Redakteur Daniel Wrüske.

Volksstimme : Können Sie uns Ihr Unternehmen in Zahlen und Fakten kurz vorstellen ?
Dr. Dieter Naumann : Wir haben gegenwärtig 2 712 Wohnungen im Bestand und 32 Gewerbeeinheiten. Hinzu kommen noch diverse Garagen und Stellplätze. 18 Mitarbeiter kümmern sich um alle Belange des Mieterservice und der Buchhaltung. Mit weiteren 20 Mitarbeitern regeln wir die Hauswartaufgaben in den Wohngebieten, einige Handwerksleistungen und die Betriebsorganisation.

Unsere zentrale Vermietungsstelle ist täglich und telefonisch unter ( 0 39 25 ) 37 82 43 erreichbar. Hier werden auch erfolgreich die Bestände von Privateigentümern vermarktet, die ihre Gebäude durch uns verwalten lassen.

Volksstimme : Wie schätzen Sie das erste Halbjahr Arbeit in der Wobau wirtschaftlich ein ? Wo lagen die Schwerpunkte ?
Naumann : Natürlich hat die Wohnungs- und Baugesellschaft mbH Staßfurt viel Engagement bei der Vorbereitung der aktuellen Baumaßnahmen aufgewendet – vordergründig für den Schäfereiberg 1-4. Jeder kann sich vorstellen, dass das in Zeiten einer Finanz- und Wirtschaftskrise nicht so einfach ist, eine solche Investition zu schultern. Aber hier wurde auch bewusst die Arbeit vorangetrieben, um dem Handwerk vor Ort eben auch zu helfen mit diesen Aufträgen – denn dort arbeiten schließlich unsere Mieter und verdienen ihren Lebensunterhalt.

Ich will aber nicht vergessen zu erwähnen, dass gerade der Schäfereiberg nur durch die Unterstützung der Salzlandsparkasse bei der Finanzierung, der Stadt Staßfurt und der SALEG bei der Umfeldgestaltung und mit Fördermitteln möglich geworden ist.

Weitere Schwerpunkte unserer Arbeit waren die komplexe Restrukturierung des Unternehmens und die Umstellung auf ein neues IT-System. Das hat den Mitarbeitern schon weit mehr abverlangt als in den vergangenen Jahren.

Volksstimme : Wie entwickeln sich die Mieterzahlen ? Gibt es einen Trend oder gravierende Änderungen ?
Naumann : Es gibt seit einiger Zeit ein strukturiertes Vermietmanagement, so dass uns keine Interessenten " durch die Maschen gehen ". Dazu kommt ein ordentliches Wohnungsangebot, so dass wir seit Ende 2007 auf ein nahezu unverändertes Mietniveau zurückblicken können, obwohl noch ein Bevölkerungsrückgang vorhanden war. Das ist eine gravierende Veränderung zu den Vorjahren. Trotzdem haben wir Leerstand, der zum Teil zur Sanierung vorbereitet wird, aber auch noch Abrissobjekte.

Ein neues Stadtumbauprogramm mit Gebäudeabrissen, wie es vom Bundestag beschlossen wurde, kann jedoch nur umgesetzt werden, wenn neben der Abrissförderung eine Lösung für die Altschulden vorhanden ist.

Volksstimme : Wo wollen Sie im zweiten Halbjahr die Akzente setzen ?
Naumann : Hauptsächlich wird man vom Schäfereiberg hören. Das ist schließlich auch technisch und optisch eine herausragende Baumaßnahme. Anlässlich des Richtfestes wird es einen Tag der offenen Tür geben, wo nicht nur Mietinteressenten, sondern jeder Interessierte einen Blick in die Gebäude werfen kann.

Und darüber hinaus wird die Entwicklung unseres neuen Firmensitzes in Verbindung mit dem IBA-Projekt " Gebäudekomplex Rathausstraße " am Stadtsee Thema werden.

Volksstimme : Was hat sich die Wobau bis Ende Dezember und darüber hinaus programmatisch vorgenommen ?
Naumann : In der Außenwirkung wollen wir die Aufwertung der Stadt über die Baumaßnahmen und die Einbindung aller möglichen Partner vorantreiben. Dazu gehört für uns auch die weitere Profilierung als Serviceunternehmen. Intern wollen wir die Umstrukturierung der Geschäftsprozesse und deren Abbildung im IT-System weitgehend abschließen und dann den Schritt zum " papierlosen Büro " wagen – über den Einsatz eines DMS ( Dokumentenmanagementsystems ).

Volksstimme : Merkt ein kommunales Unternehmen die Wirtschafts- und Finanzkrise, beispielsweise an der Zahlungsmoral der Mieter etc ?
Naumann : Selbstverständlich merken wir die Krise so wie jeder Mensch sie persönlich spürt oder spüren wird. Wie ich schon sagte, versuchen wir ihr nur antizyklisch zu begegnen : Wir investieren und regen den Markt an, in dem Maße, wie wir es können.

Die Zahlungsmoral unserer Mieter weist noch keinen Bezug zur Krise auf. Schwerwiegender sind die Auswirkungen auf die Refinanzierungsmöglichkeiten. Wohnungsunternehmen haben regelmäßig erhebliche Kreditportfolios, die auch laufend umzuschulden sind. In diesem Zusammenhang – so steht es auch fast täglich in der Volksstimme – gibt es kaum die Möglichkeit, adäquate Konditionen für langfristige Verbindlichkeiten zu bekommen, obwohl ein niedriger Leitzins und staatliche Garantien vorhanden sind.

Volksstimme : Welche Probleme gibt es mit dem Leerstand ?
Naumann : Ich bin grundsätzlich optimistisch : Es gibt keine Probleme – nur neue Herausforderungen. Die Leerstandsentwicklung, die zwischenzeitlich weniger von Abwanderung als durch den demografischen Wandel beeinflusst wird, wird natürlich mit Argusaugen überwacht. Hier liegt das Hauptrisiko eines Wohnungsunternehmens. Und das kann man auch nur wenig beeinflussen. Wenn produktive Arbeit für die Menschen am Standort Staßfurt vorhanden ist, gibt es kein Abwanderungsproblem und die demografische Entwicklung wird durch Zuzug ausgeglichen.

Also stellt sich die Frage, was kann die Wobau dafür tun, dass Staßfurt für Investoren interessant ist ?

Volkstimme : Und wie können Sie neue Firmen anlocken ?
Naumann : Über die Gebäude in unserem Bestand prägen wir einen Teil des Antlitzes unserer Stadt – da hilft jede Instandsetzung. Die " weichen Standortfaktoren " sind Kultur, Theater, Bäder, Sportmöglichkeiten, Vereine, Museen, Gaststätten usw. – auch hier engagieren wir uns nach unseren Möglichkeiten.

Aber unsere eigenen Hausaufgaben dürfen wir natürlich nie vergessen : Wohnungen müssen instand gehalten und modernisiert werden, dann können wir auch weiter im Auftrag unseres Gesellschafters, der Stadt Staßfurt, den Bürgern guten und sicheren Wohnraum zu fairen Konditionen anbieten.

Volksstimme : Wo drückt der Schuh noch ?
Naumann : Der Begriff Immobilie deutet auf unsere starke territoriale Verwurzlung hin. Dementsprechend wollen wir, dass sich unsere Stadt positiv weiter entwickelt. Durch die IBA 2010 ist ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung gelungen, nachdem über Jahrzehnte immer nur von Senkung, Bergschäden und Abriss die Rede war. Wir brauchen heute Staßfurter, die sich von diesem Vokabular trennen und ihre Heimatstadt nicht " schlecht reden " und mit Toiletten illustrieren.

Wir brauchen Zivilcourage – ohne Selbstgefährdung – wenn Randalierer, Brandstifter und Schmutzfinken ihr Unwesen treiben. Jeder sollte auch vor seiner Haustür kehren, ohne dass mit Aktionismus für ein sauberes Staßfurt gesorgt werden muss. Dieses Potential muss gehoben werden, wenn eine gute Entwicklung unserer Heimat nachhaltig sein soll.