Hohenerxleben. Die Bilder des Erdrutsches von Nachterstedt gingen um die Welt und lösten allerorts Betroffenheit aus. An die Katastrophe schloss sich eine Welle der Hilfsbereitschaft an, weit über das Engagement der off ziellen Behörden hinaus.

Der Krater und die Häuserhälften vom Concoridiasee bewegten auch Sabine und Volker Heidenreich aus Hohenerxleben und Gabriele und Holger Eberhard aus Staßfurt. Schnell war den Paaren klar, dass sie helfen wollen. " Wir besitzen selbst jeweils Häuser und Grundstücke ", sagt Volker Heidenreich. Er und seine Freunde können die Verzweiflung der betroffenen Nachterstedter, die nicht mehr in ihre eigenen vier Wände kommen und nun ohne alle Habseligkeiten dastehen, gut nachvollziehen. " So ein Haus ist doch eine Lebensaufgabe ", meint Volker Heidenreich und hat dabei längst nicht nur den fnanziellen Wert im Blick. " Da stecken Erinnerungen drin, eigenes Gestalten, Wünsche, Lebensträume und Zukunftsvorstellungen. " Das alles sei in Nachterstedt in wenigen Minuten für immer zunichte gemacht worden.

Eine Situation, die Sabine, Gabriele, Volker und Holger berührte. Sie entschlossen sich, zusammenzulegen und gemeinsam einen kleinen Betrag auf das offzielle Hilfskonto für die Betroffenen des Nachterstedter Erdrutsches zu überweisen. " Wir wollen mit unseren Möglichkeiten helfen und zeigen, dass wir Anteil nehmen, wenn auch nur mit dem berühmten Tropfen auf den heißen Stein ", sagt Sabine Heidenreich, die Ortschaftsrätin in Hohenerxleben ist.

Sie hatte von den Abgeordnetenkollegen aus Amesdorf / Warmsdorf erfahren, die ihr Sitzungsgeld spendeten, trug die Idee in den Freundeskreis.

Schnell waren alle davon begeistert. Die Paare kennen sich schon von Kindheit an und unternehmen viel zusammen. Einmal im Monat treffen sie sich, um Karten zu spielen. Mal in Staßfurt, mal in Hohenerxleben – und das schon seit sechs Jahren. Dabei probieren die Frauen auch immer neue Rezepte aus, kochen für sich und ihre Männer, die sich – wie Volker Heidenreich schmunzelnd sagt – eher als " Ideengeber " verstehen und nicht direkt am Herd zu f nden sind.

Als sich die Paare am 25. Juli zum letzten Mal sahen, war das Nachterstedter Unglück gerade eine Woche her und Thema Nummer eins im geselligen Kreis. Viele Assoziationen kamen auf, nicht nur die Gedanken an die eigenen Häuser. " Staßfurt ist auch Bergschadensgebiet und hat bis heute die Folgen der Senkungserscheinungen zu verkraften ", nennt Holger Eberhard einen Bezugspunkt, der es fast gebiete zu helfen. Seine Frau Gabriele ergänzt : " Ganz allgemein ist man doch in diesen Situationen froh, wenn man nicht allein da steht, sondern Unterstützung erfährt. "

Und Sabine Heidenreichwünscht sich, dass das Beispiel des Hohenerxlebener-Staßfurter Freundeskreises Schule macht. " Vielleicht bringen wir mit unserer Aktion noch viele andere Privatpersonen aus der Region auf die Idee zu spenden und so ihre Verbundenheit zu den Betroffenen von Nachterstedt zum Ausdruck zu bringen. "