Zum ersten Mal fuhr Celes Stock aus Lödderitz gestern zur Fries-Sekundarschule nach Barby. Runde 50 Kilometer lang ist der neue Schulweg der Zehnjährigen im Bus, auf dem sie die Volksstimme an ihrem ersten Tag begleitete.

Lödderitz. Es ist Dreiviertel sechs. Bei Celes Stock in Lödderitz klingelt der Wecker. " Ich stehe allein auf ", ist die Zehnjährige stolz. Ihr Vati Steffen Constant ist ebenfalls schon auf und es scheint, als ist er genauso aufgeregt wie seine Tochter. Um 6. 15 Uhr begann vier Jahre lang der Tag der Lödderitzerin, die vorher in der Grundschule in Sachsendorf gelernt hat. Für die fünfte Klasse geht es nun nach Barby, für Celes und zehn ihrer Mitschüler aus der Grundschule. " Die anderen sind auf dem Gymnasium ", erzählt sie.

Mit einem Brötchen gestärkt, und dem Pausenbrot im Rucksack ist es soweit : Es geht los. der Weg um den Dorfteich zur Bushaltestelle ist nicht weit, aber Vati und Hund Spike begleiten die junge Schülerin, die wenig später im Bus Platz nimmt.

Pünktlich um 6. 25 Uhr setzt sich das Fahrzeug in Bewegung. Nur zwei Schüler sitzen hinter Lödderitz im Bus, zu denen sich aber in Breitenhagen schon die nächsten gesellen. Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und ein neuer Sommertag beginnt. Celes träumt vor sich hin. Sechs Wochen Ferien und jede Menge Freizeit liegen hinter der Lödderitzerin. " Nein, weggefahren bin ich nicht ", sagt sie, " ich hab aber trotzdem viel Spaß gehabt. " Vor allem nach Rosenburg ging es zum Spielen, aber auch Hund Spike hatte mehr Gesellschaft als zu Schulzeiten. Man merkt Celes an, dass sie gern draußen unterwegs ist und so ist auch ihr Lieblingsfach schnell geklärt : Sport.

Mit drei Minuten Verspätung erreicht der Bus Groß Rosenburg, über 30 Schüler warten an der Haltestelle und so wird es schnell eng. Über Sachsendorf ( Schule ) und Zuchau geht es weiter nach Colno. Hier steigen um 7. 07 Uhr die letzten beiden Schüler zu, ehe die Reise nach Barby fortgesetzt wird - mit Tempo 60. " Sobald ich Stehplätze im Bus habe, darf ich nicht schneller fahren ", erklärt Busfahrer Gerald Muhl. Die Sicherheit der Jugendlichen gehe auf jeden Fall vor.

Ferienerlebnisse

im Bus ausgetauscht

Hinten im Bus geht es mittlerweile recht laut zu. Die meisten Schüler wollen von ihren Ferienerlebnissen erzählen und die anderen an der neuen Musik teilhaben lassen, die sie über die Ferien auf dem Handy angesammelt haben. Einige Wenige versuchen noch etwas Schlaf zu erhaschen, mit wenig Erfolg. Celes guckt meist nach draußen. Sie ist seit Jahren an einen längeren Schulweg gewöhnt. " Ich fahre eigentlich gern mit dem Bus ", sagt die Lödderitzerin, die in ihrer Freizeit gern bastelt, gesteht aber " die Fahrt nach Barby ist ganz schön lang. " Um 7. 33 Uhr, mit fast einer Viertelstunde Verspätung, lenkt Gerald Muhl seinen Bus an die Haltestelle vor der Marienkirche in Barby. Die Kinder strömen aus dem Bus in Richtung Schule. Drei Minuten vorher hatte die Schulklingel dort bereits den Unterricht eingeläutet. " Dauerhaft ist das natürlich keine Lösung ", erklärt Schulleiter Klaus Vorreier, der den Ball aber zunächst fach halten will : " Ich warte erstmal ab. Es ist eine neue Situation, die sich erst einspielen muss. " Er betont vor allem, dass die Abfahrtszeiten aus den verschiedenen Orten nun ungefähr angeglichen sind, was die Sache für die Schüler gerechter mache. Daher würde auch eine Verlegung der Schulanfangszeit nach hinten, das Problem nicht lösen, da die Schüler aus näher liegenden Orten sonst zu früh in Barby wären.

Die Kreisverkehrsgesellschaft Bernburg ( KVG ) hat die Verspätung zunächst aufgenommen und sich bereits mit der Schule verständigt. " Wir werden die Fahrt in der kommenden Woche genau beobachten und gemeinsam etwas unternehmen, wenn sich die Situation nicht bessert ", erklärt KVG-Betriebsleiter Wolfgang Rößler.

49, 4 Kilometer errechnet der Routenplaner übrigens für die Strecke von Lödderitz bis Barby. Fahrplanmäßig hat der Bus dafür 55 Minuten Zeit. Schranken, schlechtes Wetter oder Baustellen noch nicht eingerechnet.

Von den Absprachen zwischen KVG und Schule bekommt Celes nichts mit. Mit ihren Freundinnen sitzt sie im Unterricht ihrer neuen Schule. Mit einem neuen Stundenplan, neuen Lehrern und neuen Mitschülern. " Ich freue mich, dass ich hier bin, bin aber auch ganz schön aufgeregt ", so die Lödderitzerin, die bereits kurz nach dem Mittag erneut im Bus sitzt und nach Hause fährt. Ob sie die lange Fahrt zum Lesen oder Hausaufgabenmachen nutzt ? - " Nein, das ist nichts für mich, ich gucke lieber raus. "