Seit wenigen Tagen schaukelt ein Kamel über den Barbyer Kunsthof Augustusgabe. Besitzerin Katharina Zenker hat sich mit der tierischen Neuanschaffung einen Kindheitstraum erfüllt. Der siebenjährige Wallach ist aber nicht nur da, um schön zu sein.

Barby. " Django hat die schönsten Augen der Welt ", strahlt Kunsthofchefin Katharina Zenker. Dabei krault sie dem nicht mehr ganz kompletten Kamel-Mann liebevoll im Fell, aus dem Staub wirbelt. Bei 30 Grad im Schatten und wochenlanger Dürre kein Wunder.

Der neue Bewohner des weiten Areals am Rande von Barby verblüfft nicht nur die zufälligen Besucher, denen bisher Pferde, Esel, Ziegen oder verschiedene Sorten Federvieh begegneten. " Für unsere Leute war es eine Überraschung. Django haben wir aus Leipzig mitgebracht, als wir ein neues Pferd gekauft haben ", lächelt Katharina Zenker verschmitzt. Die Eltern der 47-Jährigen bekamen Stielaugen, als der Transporter eintraf und außer Kaltblutstute Hanna auch ein Tier mit Höckern und wabbelnder Unterlippe über die Bordwand guckte. " Unsere Tochter spielte schon lange mit dem Gedanken, auf der Augustusgabe ein Kamel freizulassen ", hebt Käthe Zenker die Augenbrauen. Ihr Gesichtsausdruck erinnert an den einer ahnungslosen Mutter, deren Kind plötzlich mit einem ausgewachsenen Bernhardiner vor der Tür steht.

Warum man dem Esel Höcker aufsetzte

Schon 2006 hatte Katharina Zenker Kontakte nach Tunesien geknüpft. " Bei uns arbeitete damals ein Kellner, der dort Zuhause war. Er hatte bereits in seiner Heimat ein Kamelfohlen geordert ", erinnert sich die 47-Jährige. Weil das nordafrikanische Land aber kein EU-Mitglied ist, erschwerten gesetzliche Bestimmungen die Überführung des Tieres. Auch die Transport-, Veterinär- und Genehmigungskosten hätten den Kaufpreis bei weitem übertroffen.

Das Thema Kamel führte vor drei Jahren zu einem öffentlichen Kabinettstückchen, als kurz vor Weihnachten ein orientalisches Märchen in der Augustusgabe aufgeführt werden sollte.

Weil die Sache mit dem tunesischen Wüstentier geplatzt war und ein Kamel aus dramaturgischen Gründen unbedingt gebraucht wurde, musste Kunsthof-Esel Heinrich einspringen. Dem geduldigen Grautier verpasste man ein paar Höcker aus Stroh, die mit Pappe verkleidet wurden. Die Vorstellung war gerettet, von dem schrägen Einfall wird man noch lange in Barby erzählen. Die Augustusgabe, deren Verein " Kunst als Lebenshilfe " Menschen nach schweren Erkrankungen durch Motivation und kunsttherapeutische Mittel bei der Stärkung der Selbstheilungskräfte unterstützt, machte bisher gute Erfahrungen mit Tieren. Egal ob Gruppen sozial benachteiligter Kinder oder Führungskräfte beim Team-Training mit ihnen zu tun hatten.

Nun steht also auch Django bereit. Die eindrucksvollen Höckertiere, die normalerweise in den Weiten der Wüsten beheimatet sind, eignen sich hervorragend zur unterstützenden Behandlung bei eingeschränkter Beweglichkeit, Gleichgewichtsstörungen oder Verspannungen und besonders auch für Menschen, die im Rollstuhl sitzen.

Alle in der Augustusgabe sind glücklich und zufrieden über den Neuzugang mit den schönen Augen. Nur Kaltblut-Wallach Felix nicht. " Der ist eifersüchtig auf Django, weil der nun die meiste Aufmerksamkeit bekommt ", sagt Katharina Zenker und lacht.