Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ( SPD ) hat sich Donnerstagabend bei seinem zweiten Besuch in Staßfurt lobend über die Ergebnisse ausgesprochen, die in der Salzstadt beim Stadtumbau-Ost und im Zuge der Internationalen Bauausstellung ( IBA ) 2010 erreicht wurden.

Staßfurt. " Ich bin beeindruckt von dem, was hier in Staßfurt vorangeht ", sagte Tiefensee nach der Besichtigung der ersten Kalischächte der Welt und des völlig umgestalteten Bereiches am Wendelitz, der nun von einem See gekrönt wird.

" Ich finde die Gestaltung des Areals hervorragend ", sagte der Ressortchef. Damit habe die Stadt eine neue Mitte bekommen. Die Idee der IBA-Planer, eine Brücke über den Stadtsee zu bauen, bezeichnete Tiefensee als " klasse ". Damit könne die ehemalige Straßenverbindung, die durch die bis zu sieben Meter tiefe Absenkung des Geländes in Folge des Kalibergbau zerstört wurde, symbolisch wieder hergestellt werden.

Zuvor hatte der Fraktionschef der Unabhängigen Wählergemeinschaften, Hartmut Wiest, dem Gast deutlich gemacht dass die Brücke bei vielen auf Kritik stoße. " Es wäre schade, wenn man das gegen die Bevölkerung durchsetzen würde. Man sollte den Mut haben, diese Entscheidung zu korrigieren ", so Wiest.

Beim Bundesverkehrsminister fand er damit aber keine Unterstützung. Er kenne kein Gebäude, das nicht unumstritten gewesen sei. Nach der Fertigstellung würden sie dann angeschaut als wären sie etwas ganz Besonders. Der Stadtrat müsse den Mut haben, das durchzusetzen und sich für einen gelungenen Entwurf zu entscheiden, so Tiefensee.

Wettbewerb positiv

Positiv wertete der Minister in diesem Zusammenhang, dass Staßfurts Oberbürgermeister René Zok ( parteilos ) dazu eigens einen Wettbewerb ins Leben gerufen hat, an dem sich jeder Bürger der Stadt mit seinen Ideen und Vorschlägen beteiligen kann. Dieses Bauwerk müsse einzigartig werden, so dass jeder, der in die Stadt komme, es unbedingt gesehen haben müsse, sagte Tiefensee.

Auf der Rückfahrt werde er vielleicht selbst zum Stift greifen und einen Brückenentwurf skizieren, deutete Tiefensee an und fügte hinzu : " Ich hoffe, dass ich 2010 in Staßfurt den Deutschen Brückenpreis vergeben kann. "

Der Bundesverkehrsminister, der auf Einladung des stellvertretenden SPD-Fraktionschefs des Deutschen Bundestages, Klaas Hübner, in die Salzstadt gekommen war, konnte sich noch ganz genau daran erinnern, was ihm der damalige Bürgermeister Martin Kriesel bei seinem letzten Besuch im Februar 2006 beim Rundgang alles gezeigt hatte.

Seit dieser Zeit habe sich die Stadt, die ihm schon zu DDRZeiten als Zentrum der Elektrotechnik / Elektronik geläufi g gewesen sei, " richtig entwickelt ", schwärmte der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister, der auch eine Veränderung bei den Staßfurtern selbst festgestellt hat. Als er vor dreieinhalb Jahren vor dem offi ziellen Empfang in ein Staßfurter Café gegangen sei, habe er noch eine negative Stimmung gespürt. Dieses Mal, so Tiefensee, sei das schon anders gewesen.

Beim anschließenden Bürgerforum im Theatercafé, das trotz der schweißtreibenden Temperaturen gut besucht war, informierte der Fachbereichsleiter für Stadtsanierung und Bauen, Wolfgang Waschk : " Wir haben von dem IBA-Gesamtkonzept schon sehr viel umgesetzt bis auf die Brücke und das Kompetenzzentrum für den Kalibergbau. Wir sind jetzt dabei auch den Rest umzusetzen. Da sind wir auf einem guten Weg. "

Waschk geht davon aus, dass im nächsten Jahr auch der Spatenstich für den Neubau am Wendelitz vollzogen werden kann, in dem die Wohnungs- und Baugesellschaft ihre neue Geschäftsstelle einrichten will.

Der Oberbürgermeister nutzte die Gelegenheit, um sich bei Tiefensee, bei der EU und beim

Land für die bisherige Unterstützung zu bedanken. Mit Freude habe er zur Kenntnis genommen, dass der IBA-Prozess auch nach 2010 weitergeführt werden soll. " Es gibt noch die eine oder andere Stelle in der Stadt, die in Angriff genommen werden muss ", so Zok.

Der stellvertretende Chef der Stadtratsfraktion CDU / offene Liste, Heinz Czerwienski, sagte Tiefensees Worte seien Balsam für seine Ohren gewesen. Denn er sei auch ein Verfechter der neuen Stadtseebrücke. Das sei ein Bauwerk, das man verantworten und verkaufen könne. Auf Unverständnis stoße bei den Bürgern allerdings, dass man am See ein solches Prestigeobjekt bauen wolle, während rund 500 Meter weiter die Bodebrücke dringend saniert werden müsse, wofür das Land kein Geld habe.

Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungs- und Baugesellschaft, Dr. Dieter Naumann, dankte Tiefensee für dessen Engagement : " Sie haben verdammt viel bewegt für die Wohnungswirtschaft. " Dadurch sei es seinem Unternehmen zum Beispiel auch möglich, die Gründerzeithäuser auf den " Staßfurter Alpen ", wie Dr. Naumann den 68 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Schäfereiberg bezeichnete, grundhaft zu sanieren. Der Stadtumbau-Ost gehe jedoch nicht ohne eine Regelung der aus DDR-Zeiten übernommenen Altschulden, sagte der Wobau-Geschäftsführer.

Tiefensee machte ihm aber wenig Hoffnung, dass sich da etwas ändern wird. Er wäre schon dafür, eine Verbesserung vorzunehmen. Das Dumme sei nur, es koste Geld, sagte der Minister.

Die Gesprächsrunde hatte Klaas Hübner eröffnet. Dabei ließ er nicht unerwähnt, dass sich seine Familie schon seit Jahren in Staßfurt und Umfeld in fünf Unternehmen engagiert.