Calbe. In die Diskussion um das Stadtkrankenhaus von Calbe hat sich jetzt der Chefarzt Dr. Karl-Heinz Ulrich eingeschaltet. So äußert er sich jetzt unter anderem zu dem von seinem Haus vorgelegten Konzept.

In der gestrigen Ausgabe hatte die Volksstimme über eine Bürgerinitiative berichtet, die sich für den Erhalt des Krankenhauses in städtischer Trägerschaft einsetzt. Mit einem Verkauf an einen anderen Träger befürchten die Initiatoren, dass die Mitarbeiter des Krankenhauses auch eine Gehaltseinbuße fürchten müssten. Diese Gefahr gebe es nicht, wenn die derzeitige Krankenhausleitung oder die Stadt das Haus weiter betrieben, so die BI. Weiter hatte die Volksstimme geschrieben : " Wie die Volksstimme aus informierten Kreisen erfuhr, sieht auch das von Chefarzt Dr. Karl-Heinz Ulrich vorgelegte Angebot die Einführung eines Haustarifs vor und nicht die Bezahlung nach dem bisherigen Tarif des öffentlichen Dienstes. "

Weiterhin Entlohnung nach Marburger Tarif

Dazu äußerte sich der Chefarzt des Calbenser Stadtkrankenhauses, Karl-Heinz Ulrich : " Die Formulierung lässt den Schluss zu, dass es sich um mein persönliches Konzept handelt und ich das Krankenhaus erwerben möchte. Dem ist nicht so. " Vielmehr sei das Konzept in Zusammenarbeit der Krankenhausleitung, der neben Ulrich auch die Verwaltungsleiterin Gabriele Lang angehört, und einem Beratungsunternehmen entstanden.

" Wir unterliegen wie die anderen drei Bieter einer Schweigepflicht zum Inhalt unseres Konzeptes, an die ich mich halten will. Aber die Aussage, wir würden einen Haustarif zahlen wollen, kann ich nicht stehen lassen ", so Ulrich gegenüber der Volksstimme. Um die Motivation der Mitarbeiter zu erhalten, soll die Bezahlung weiter nach Tarifvertrag erfolgen. Damit würden die Ärzte nach dem Tarif des Marburger Bundes entlohnt, die übrigen Mitarbeiter nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes.

Als Grund, warum das Krankenhaus verkauft werden soll, wird immer wieder genannt, dass das Stadtkrankenhaus eine stabile Zuweisung an Patienten brauche. Zuletzt hatte das Stadtratsvorsitzender Dr. Georg Hamm betont. Auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts, Burkhard John, hatte erklärt, dass das Krankenhaus dazu Partner braucht.

" Die haben wir in den Häusern der Salzlandkliniken ", sagt Chefarzt Ulrich, der auf bestehende Kooperationsvereinbarungen mit den Landkreis-Kliniken in Bernburg, Schönebeck und Aschersleben-Staßfurt verwies. " Allerdings haben mir die dortigen Krankenhausleitungen gesagt, dass die Vereinbarungen nur so lange gelten, wie es keinen Trägerwechsel des Stadtkrankenhauses gebe. " Sollte das Konzept der Krankenhausleitung den Zuschlag des Stadtrates am 24. September bekommen, soll die Rechtsform vom Städtischen Eigenbetrieb in eine gemeinnützige GmbH verändert werden. Das ist eine gängige Rechtsform eines solchen Hauses.

Auch Ulrichs Gespräche mit dem Sozialministerium, das die Krankenhausplanung des Landes fortschreibt, und mit Krankenkassen, die die Finanzierung übernehmen, hätten gezeigt, dass das Calbenser Stadtkrankenhaus nicht zur Disposition stünde und in seiner Existenz nicht gefährdet sei. All diese Informationen hätte Ulrich auch an den Bürgermeister und den Stadtrat weitergegeben. " Da hat man mir vorgeworfen, meine Kompetenzen überschritten zu haben ", so der Chefarzt im Volksstimme-Gespräch.

Enttäuschung

über Bürgermeister

Enttäuscht zeigte sich Ulrich über das Verhalten von Bürgermeister Dieter Tischmeyer. Habe man zunächst an einem Strang gezogen, sei das Verhältnis seit Anfang dieses Jahres empfi ndlich gestört.

Damals hatten der Stadtrat und Tischmeyer Vorwürfe gegen ihn als Person erhoben, die jeglicher Grundlage entbehrten, so Ulrich. Fünf Monate habe es gedauert, bis eine Tiefenprüfung der Vorgänge im Krankenhaus in den vergangenen Jahren abgeschlossen worden war. " Dabei bin ich als Person freigesprochen worden ", so Ulrich.

Eine öffentliche Richtigstellung durch den Bürgermeister als Ulrichs Dienstvorgesetzten habe es nicht gegeben, nur eine verklausulierte Aussage im Stadtrat.

Unter anderem hatte ein Vorwurf gelautet, dass sich Ulrich ein Gehalt über das Normalmaß eines Chefarztes eingestrichen hätte. " Diesem im Stadtrat öffentlich gemachten Vorwurf wurde vom Bürgermeister nicht widersprochen, obwohl ihm die Rechtmäßigkeit des Vertrages bekannt war ", sagt Karl-Heinz Ulrich.