Schönebeck. In der Politik werden " Investitionen in die Zukunft ", sprich in Kinder und Jugendliche, gern beschworen. Fakt ist nicht nur im Salzlandkreis, dass angesichts knapper Kassen das Budget für die Jugendhilfe, gerade im Bereich offener Angebote, immer enger bemessen ist. Über nachvollziehbare Kriterien für die Qualität von Jugendzentren, -clubs und - räumen diskutierten Kreistagsmitglieder mit Akteuren freier Träger im Unterausschuss Jugendhilfeplanung, der dem eigentlichen Ausschuss zur Seite steht.

" Geht es Ihnen um reine Qualität oder um Finanzflüsse ?", brachte es Ausschussmitglied Klaus Roth von der freien evangelischen Jugendhilfe auf den Punkt. Denn auch andere freie Träger befürchten durch die Hintertür der Qualitätsentwicklung neue finanzielle Einschnitte in die offene Jugendarbeit.

Christel Wenzel Jugendamtsleiterin hatte ein erstes Papier als Diskussionsgrundlage vorgelegt, das Öffnungszeiten, Personaleinsatz, Weiterbildung, Angebotsstruktur sowie Konzepte der einzelnen Einrichtungen, 110 im gesamten Salzlandkreis, vergleichbar machen soll. Dieser Katalog soll Bestandteil einer Förderrichtlinie werden, die ab 2012 der Kinder- und Jugendarbeit zugrundegelegt wird.

Christel Wenzel machte deutlich, dass man im Salzlandkreis auf hohem Niveau diskutiere : " Wir haben eine um 20 Prozent bessere flächendeckende Versorgung mit Angeboten als beispielsweise in Anhalt-Bitterfeld. " Schließlich bekannte sie sich dazu, dass sie die bestehenden 110 Einrichtungen auch künftig für " gerechtfertigt " hält, " wenn die Anzahl der jugendlichen Nutzer auf dem gegenwärtigen Stand bleibt ". Trotz des demografischen Wandels sei dies wahrscheinlich, erklärte Wenzel.

Dennoch könnte sich mit der Förderrichtlinie die Finanzierung für die Träger grundlegend ändern : Das Jugendamt schlägt eine Sicherung der Einrichtungen über Sockelbeträge vor, einen Bonus für weitere, offene Angebote könnte je nach Erfüllung der Qualitätskriterien bemessen werden.

Werden auch diejenigen bestraft, die die Anforderungen nicht erfüllen ? Wie können die Angaben kontrolliert werden ? Fragen über Fragen aus der Praxis, die die Skepsis der freien Träger verdeutlichten. Im Verlauf der Debatte schüttelten die Gastgeberinnen von der Arbeiterwohlfahrt immer wieder den Kopf. Das Kriterium einer Vollzeitkraft für ein Jugendzentrum sei zum Beispiel nicht für alle Anbieter realistisch, erklärte Sibylle Barby, Awo-Kreis-Geschäftsführerin. Jugendamtsleiterin Wenzel betonte, sie wolle die vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen besser nutzen. Die auch von Klaus Eilenberger ( Bernburg ) und Marion Drobny ( Schönebeck ) hervorgehobene Schwierigkeit bleibt : " Die echte Qualität eines Beratungsangebots lässt sich nicht nur in Zahlen ausdrücken. "