Wie es um die ärztliche Versorgung im ambulanten Bereich im Salzlandkreis bestellt ist, ließen sich kürzlich die Mitglieder des Gesundheits- und Sozialausschusses vom Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Martin Wenger erklären. Dabei zeigte sich : Gerade im Hausärztebereich ist die Lage ernst wie im Rest des Landes, während die Abdeckung der Fachärzte laut Vergabeschlüssel ausreichend ist.

Schönebeck. Die Hausärzte im Salzlandkreis werden immer weniger und älter. Gab es in den Altkreisen 1999 noch 163 Ärzte, sind es heute nur noch 139. " Das entspricht zwar auch der demografi schen Entwicklung ", erklärt Martin Wenger. Aber : Die Leute, die weggehen, sind zumeist die Jungen, die kaum den Hausarzt besuchen.

Fast ein Drittel der Menschen im Salzlandkreis sei älter als 60 Jahre. Und der demografische Faktor schlägt auch bei den Hausärzten selbst zu : Das Durchschnittsalter liegt zwischen 53 Jahren für den Altkreis Aschersleben-Staßfurt und 55 Jahren für den Altkreis Schönebeck. Insgesamt sind ein gutes Viertel der Ärzte selbst 60 Jahre und älter.

" Damit liegt der Salzlandkreis im Trend des Landes ", erklärte Martin Wenger. " Perspektivisch gesehen fehlen uns 200 Hausärzte in der kommenden Zeit. " Man sei dankbar für jeden Arzt, der im Dienst bleibe. Die KV habe bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet. So gebe es eine Praxisbörse, bei der Ärzte, die aufhören möchten, ihre Praxen Anfängern anbieten. Mit Stipendien und Stiftungsprofessuren soll die Allgemeinmedizin aufgewertet werden. Die KV organisiert Notfalldienste, damit Hausärzte nicht " rund um die Uhr " im Einsatz sind. Man berate bei der Existenzgründung, helfe Kommunen bei der Suche nach Ärzten. Grundsätzlich gehe es darum, jungen Ärzten den Reiz am " Arztleben auf dem Land " aufzuzeigen.

Im Fachärztebereich sehe die Entwicklung nicht ganz so dramatisch aus, erklärte Martin Wenger, " auch wenn die Beobachtung der Patienten etwas anderes vermittele. " Lange Warteschlangen vor Augenarztpraxen in Aschersleben und Schönebeck sind vielen noch präsent. Immer wieder höre man von langen Wartezeiten auf Termine beim Facharzt. " Lange Wartezeiten sind auch produzierbar ", nahm Wenger die Ärzte selbst in die Pflicht. So sei es auch eine Frage der Praxisorganisation, wie lang ein Patient auf einen Termin warte. Hinzu kämen so genannten Management-Desease-Programme, die zum Beispiel bei chronischen Krankheiten wie Diabetes zur Anwendung kämen. Dabei müssen Patienten in vorgeschriebenen Intervallen zu verschiedenen Fachärzten. " Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist : Braucht es jede dieser Untersuchungen zur optimalen Behandlung ?" Eine Frage, die er in den Raum stelle, deren Beantwortung er allerdings nicht leisten könne, so der KVGeschäftsführer.

" Ein wirkliches Problem haben wir im Salzlandkreis im Fachärztebereich tatsächlich bei den Nerven- und ein wenig bei den Kinderärzten. Dort gibt es nicht besetzte Stellen ", so Wenger. Vor allem in Aschersleben sei dies im Bereich der Nervenärzte ein Problem. Grund dafür sind nach Ansicht des KV-Geschäftsführers die vorgegebenen Bedarfsplanungsschlüssel. Die Kennzahlen beziehen sich auf die demografische Struktur der alten Bundesländer Anfang der 1990 er Jahre. Inzwischen habe sich die Bevölkerungsstruktur gerade im Osten Deutschlands dramatisch verändert. " Wichtig wäre es, dass auch die Morbidität einberechnet wird ", so Wenger. Entsprechende Entwicklungen gebe es bei der Überarbeitung der Bedarfszahlen. Grundsätzlich werde das aber das Problem im Hausärztebereich nicht lösen : " Dort werden wir das Mengenproblem nicht hinbekommen ", prognostizierte Wenger.