Schönebeck. Manchmal sind es Selbstverständlichkeiten wie die tägliche Eisenbahnfahrt von Schönebeck nach Magdeburg, die erst im Zuge eines Jubiläumsdatums richtig in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Solch ein Datum ist der 29. Juni 2009.

Am 29. Juni 1839, vor 170 Jahren, konnte der erste Teilabschnitt der ältesten preußischen Eisenbahnfernstrecke mit einer feierlichen Einweihungsfahrt in Betrieb genommen werden. Es handelte sich dabei um den 14, 9 Kilometer langen Eisenbahnabschnitt Magdeburg – Schönebeck der Magdeburg-Leipziger Eisenbahngesellschaft. In der Ausgabe der " Magdeburger Zeitung " vom 1. Juli 1839 war über das freudige Ereignis unter anderem zu lesen :

Am Geburtstage seiner Hohheit

" Die erste Strecke der Magdeburg-Leipziger Eisenbahn von hier ( Magdeburg ) nach Schönebeck ist heute, an dem dazu ausersehenen Geburtstage Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Carl, durch eine von der Direktion der Gesellschaft veranstalteten Einweihungsfahrt eröffnet worden, zu welcher, außer den Repräsentanten der Gesellschaft und deren Stellvertreter, die hiesigen Königlichen in städtischen Civilbehörden, die Herren Generale und sämtliche Stabs-Offiziere der hiesigen Garnison, die Aeltesten der Kaufmannschaft, in gleichen die Herren Landräthe der Kreise Wanzleben und Calbe, nebst der Behörden zu Schönebeck und Salze und den Vorständen der von der Bahn berührten Ortschaften eingeladen waren. "

Um 8. 15 Uhr dieses denkwürdigen Tages, setzte sich der festlich geschmückte Zug an der Bastion Cleve in Magdeburg in Bewegung und gelangte nach rund 25 Minuten Fahrzeit, begleitet von den Klängen einer Musikkapelle, auf dem Bahnhof in Schönebeck an.

Hier wurde der aus 13 Wagen bestehende und von der Lokomotive " Adler " geführte Zug durch den Bürgermeister der Stadt Schönebeck, Herrn Nitschke, den Vertreten der Bürgerschaft Herrn Maurermeister Peters, den Kaufleuten Wahrenberg und Schnoeckel, sowie dem anwesenden Stadtsekretär Käsebier, recht herzlich begrüßt.

Anschließend begab sich die Festgesellschaft auf Einladung des Direktoriums der Eisenbahngesellschaft in den nur wenige Schritte vom Schönebecker Bahnhof liegenden " Gasthof zum Landhaus " und nahm dort ein Frühstück ein. Gegen 10. 30 Uhr wurde danach die Rückreise angetreten und der Eröffnungszug landetet wohlbehalten wieder am Ausgangspunkt im Magdeburg.

Einen Tag später, am 30. Juni 1839, wurde die Eisenbahnstrecke dann für den normalen Reisenden eröffnet. Anfänglich fuhren bis zu fünf Züge pro Tag und Richtung zwischen Magdeburg und Schönebeck und beförderten 7000 bis 9000 Personen pro Woche.

Allerdings sollte es noch bis zum Eröffnungstag am 19. August 1840 dauern, bis man auf der Magdeburg - Leipziger Eisenbahn über Calbe nach Köthen und Halle ( Saale ) und von dort weiter bis Leipzig fahren konnte. Der Siegeszug der Dampfeisenbahn war durch den Bau der Eisenbahntrasse Magdeburg – Leipzig auch im mitteldeutschen Raum angekommen und der technische Fortschritt auf dem Transportsektor hatte Einzug gehalten.

Strecke führte durch mehrere Länder

Erstmals in der deutschen Eisenbahngeschichte war dabei zu berücksichtigen, dass die neue Strecke mehrere Länder berührte : neben den Königreichen Preußen ( Magdeburg, Halle / Saale ) und Sachsen ( Leipzig ) durchquerte sie auch das Fürstentum Anhalt-Köthen.

Doch war die Streckenführung der Trasse nicht so einfach und geradlinig, wie man es sich gedacht hatte, denn es gab auch Landbesitzer, die mit den qualmenden Dampfrössern nichts am Hut hatten.

Zwischen Schönebeck und Calbe sollte die Eisenbahnstrecke neben der alten Bezirksstrasse verlaufen und in der Stadtlage Calbe die Saale überqueren, doch diese Trassenführung kam nicht zur Ausführung.

Ursache dafür war, dass zwischen den beiden Städten zu dieser Zeit, die zum Herzogtum Anhalt-Bernburg gehörende Exklave Mühlingen lag. Der Herzog weigerte sich schlichtweg, dem Eisenbahnstreckenbau auf seinem Territorium zuzustimmen.

Deshalb musste die Exklave beim Trassenbau östlich umgangen werden, und die Saale wurde außerhalb der Stadt Calbe durch die Bahngleise überquert.

Verbindung wäre förderlich gewesen

Eine direkte Verbindung von Schönebeck und Calbe durch die Stadt wäre nicht nur für Calbe, sondern später auch für Groß Mühlingen ( Beginn des Braunkohlebergbaus ) sehr förderlich gewesen.

So aber sorgte die Verweigerung des Herzogs von Anhalt-Bernburg nur dafür, das die Stadt Calbe mit dem fortschreitendem Bau von Eisenbahnstrecken zwei Bahnhöfe sein Eigen nennen durfte : Calbe ( Saale ) Ost und Calbe ( Saale ) West.

170 Jahre sind inzwischen seit diesem denkwürdigen Tag im Juni 1839 ins Land gezogen. Moderne " Stahlrösser " auf Schienen machen das Reisen leicht und bequem.

Doch ich glaube, es ist wichtig, wenn man eine kurze Zeit in die Vergangenheit geht und sich an einen Tag an die Anfänge der Eisenbahn hier in unserer Heimat erinnert.