Schönebeck. Körperverletzung, Missbrauch, Auftragsmord – in diesen Geschichten geht es alles andere als harmlos zu. Die Rede ist von den allseits bekannten Märchen der Gebrüder Grimm, etwa Hänsel und Gretel, Schneewittchen, Rotkäppchen. Wer sich bemüht, kann die Grimm‘schen Märchen als Kriminalgeschichten lesen. Handeln sie doch allzu oft von der Auseinandersetzung mit üblen Machenschaften und dunklen Kräften, denen die märchenhaften Protagonisten ausgesetzt sind.

Vor realen Bösewichtern warnen

" Märchen sind eine Möglichkeit, mit Kindern ohne Furcht über Dinge zu sprechen, die passieren ", sagt Steffen Claus. Der Polizeibeamte – bekannt als Sachsen-Anhalts Kinderpolizist – hat die kriminalpräventive Kraft der deutschen Hausmärchen entdeckt.

Mit den sagenhaften Erzählungen will der Polizist vor realen Bösewichtern warnen. Und dabei auch das ein oder andere Vorteil zu Fall bringen : " Es heißt immer, geh nicht mit Fremden mit. Doch allzu oft kommt der Missbrauchstäter aus dem Umfeld oder aus der Familie selbst ", sagt Claus.

Am Donnerstagabend wurde die kriminalpräventive Ausstellung " Tatort Märchenwald " im Kreismuseum Schönebeck eröffnet. Ziel der von Sozialministerium und Lotto / Toto geförderten Schau : Kinder vor Gewalt durch Aufklärung zu schützen.

Märchen sind nach Ansicht von Steffen Claus ein geeignetes Mittel, um einen Kontakt zu Kindern herzustellen. Claus : " Das funktioniert besser, als mit dem erhobenen Zeigefinger Vorschriften zu machen ".

Ausdrücklich betont der " Kinderpolizist ", der mit seiner Agentur " Schutzengel " landauf landab Kinder schult, dass es die Möglichkeit eines Begeleitprogramms gebe. Sprich : Wenn Gruppen Interesse am Kontakt mit dem Kinderpolizisten haben, ist Steffen Claus gern bereit, erneut nach Schönebeck zu kommen. Er ist erreichbar unter Telefon ( 0345 ) 5 50 44 39.

Zu dem pädagogischen Konzept der Ausstellung gehören auch jede Menge Handpuppen, mit denen Claus im Zuge seiner Seminare vor wirklichen Bösewichtern warnt. Sie sind ebenfalls ausgestellt. Wichtig, auch für Eltern, ist das so genante Gefahrenbuch, das auch zu sehen ist. Dort haben Kinder erlebte Gefahrensituationen in Bildern beschrieben und verarbeitet.

Postkarten von 1900 bis 1920

Neben dem " Tatort Märchenwald " eröffnete das Kreismuseum am Donnerstag eine weitere Sonderausstellung über historische Postkarten. Zu sehen sind beispielsweise Planungen der Elbbrücke oder der Marktplatz im Zeitraum von 1900 bis 1920. Die Ausstellung " Tatort Märchenwald " ist bis zum 13. September zu besichtigen. Das Kreismuseum hat Dienstag, Donnerstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Besuch ist auch nach Voranmeldung möglich.