Karl-Heinz Ockert kann nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn er an der Giebelseite seines Wohnhauses in der Staßfurter August-Bebel-Straße steht. Die schön sanierte Fassade ist mit einem Graffiti beschmiert. Die Wohnungsbaugenossenschaft, zu der das Haus gehört, bleibt von großen Vandalismusfällen noch verschont. Sie lässt sich die Sachbeschädigungen aber nicht gefallen und setzt für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 1000 Euro aus.

Staßfurt. Für die einen ist das Kunst, doch Karl-Heinz Ockert kann damit an dieser Stelle nicht viel anfangen. " Ich verstehe diese geistlosen Schmierfinken nicht ", ärgert er sich sehr über die Verunstaltung an seinem Haus. Den Sprayern würden an vielen Stellen Möglichkeiten geschaffen, sich zu verewigen. " Doch wenn sie eine sanierte Hauswand nutzen, ist das unmöglich. " Bisher, so der Staßfurter, sei die Wohnanlage in Nord von den Graffitisprühern verschont geblieben. Das Umfeld zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Häuserblocks wurden Mitte der 90 er Jahre saniert. " Hier lebt es sich schön ", sagt Ockert, der seit 1975 in der August-Bebel-Straße wohnt und von hier auch nie wieder wegziehen möchte. " Man wohnt ruhig, Jung und Alt gemeinsam, zwischen den Mietern haben sich gute Gemeinschaften gebildet. " Ärgerlich sei es dann, wenn dieser Frieden gestört werde.

Dass es auch anders funktioniert, erlebte der Staßfurter bei einem Urlaub vor wenigen Wochen. " Wir haben unsere freien Tage in einem bayerischen Ort mit 15 000 Einwohnern verbracht. Dort gab es keine Schmierereien und keine wilden Müllverkippungen ", berichtet Ockert und versteht nicht, warum das auch nicht in Staßfurt so sein kann. " Eigentlich schäme ich mich als Staßfurter. Wir stehen doch den Bayern in nichts nach !" Wenn Karl-Heinz Ockert das sagt, denkt er nicht nur an die Mieter, sondern auch an die Gäste, die in der Salzstadt zu Besuch sind.

Ursache für sein besonderes Engagement ist nicht nur die Zufriedenheit mit seiner Wohngegend, Karl-Heinz Ockert ist neben Peter Hackel auch Mietervertreter für die Gegend in der Wohnungsbaugenossenschaft zu Staßfurt, von der auch der jetzt beschmierte Block verwaltet wird. Weil die Mieter im Genossenschaftsverbund auch finanziell an allen Aufwertungsarbeiten beteiligt sind, sozusagen wie Eigentümer Geld zuschießen würden, sei die Sachbeschädigung um so ärgerlicher, meint der Staßfurter.

Genossenschaft zeigt Vandalismusfälle an

In der Wohnungsbaugenossenschaft ist man genau so sauer wie die Mieter es sind. Und man greift zu drastischen Mitteln. 1000 Euro Belohnung zahlt das Unternehmen für sachdienliche Hinweise, die dazu führen, dass die Täter ergriffen und zur Verantwortung gezogen werden. " Ausdruck dafür, dass uns das Thema ernst ist ", sagt Hagen Ringström, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft. " Wir bemühen uns, den Wohnungsbestand lebenswert und modern zu gestalten. Die Mieter fühlen sich wohl ", so Ringström. Schlimm sei es dann, wenn beispielsweise Schmierereien diese Arbeiten völlig ohne Sinn wieder zunichte machen würden. Die Wohnungsbaugenossenschaft erstatte bei allen Fällen von Vandalismus Anzeige. Nur selten aber werde man der Täter wirklich habhaft. Glücklicherweise, so der Genossenschaftschef, hielten sich die Sachbeschädigungsfälle aber noch in überschaubaren Grenzen. Hagen Ringström : " Wir haben aber ein gewisses Budget für Instandsetzungsmaßnahmen

eingeplant. " Je nach Größe des Schadens könne die Genossenschaft selbst reagieren oder beauftrage Firmen mit der Reparatur.

Im Fall der Giebelwand in der August-Bebel-Straße, so Ringström, sei die Instandsetzungsabteilung der Wohnungsbaugenossenschaft informiert und prüfe nun Schritte zur Beseitigung des Graff tis. Karl-Heinz Ockert hat, sauer wie er gerade ist, auch schon eine Idee. " Wenn man die Täter f ndet, müssten sie mit einer Zahnbürste alles sauber machen. "