Bis zum Jahr 2016 will der Wasser- und Abwasserzweckverband " Bode-Wipper " in Staßfurt alle noch in Frage kommenden Grundstücke an das zentrale Abwasserentsorgungsnetz angeschlossen haben. Wie der Geschäftsführer Dr. Joachim Rosenthal informierte, bleiben davon nur rund 300 Grundstücke unberührt.

Staßfurt. Ihr Anschluss an das zentrale Kanalnetz wäre für den Verband mit zu hohen Kosten verbunden, die in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen stehen würden, erläuterte der Geschäftsführer.

Davon betroffen seien unter anderem die Randbereiche von Staßfurt, der komplette Ortsteil Strummendorf der Gemeinde Giersleben, die Bauernsiedlung und die Fabrik in Güsten, der Bollenschuppen und das Jägerhaus in Glöthe und Üllnitz.

Dort seien die Grundstücksbesitzer verpf ichtet, ihre Kleinkläranlagen auf den jetzigen Stand der Technik aufzurüsten und mit einer Biologie zu versehen, die die vorgeschriebenen Grenzwerte für das Abwasser einhält oder sich eine dichte Sammelgrube zuzulegen. Das Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt fordert die Umstellung bis Ende dieses Jahres auf eine biologische Reinigung.

Experten rechnen landesweit mit zirka 70 000 neu zu errichtenden beziehungsweise nachzurüstenden Kleinkläranlagen.

" Die Drei-Kammer-Kläranlagen aus DDRZeiten entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik ", sagte Dr. Rosenthal.

Damit sich die betroffenen Hauseigentümer einen Überblick über die Angebote verschaffen können, die es in dieser Branche derzeit auf dem Markt gibt, empf ehlt Dr. Rosenthal ihnen einen Besuch des Bildungs- und Demonstrationszentrums für dezentrale Abwasserbehandlung – BDZ e. V. an der Luppe 2 in 04178 Leipzig. Es führt am 3. September in der Zeit von 10 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür durch.

Wer zu diesem Termin nicht kann, kann sich dort auch anmelden und an einem anderen Tag vorbeikommen, sagte Dr. Rosenthal, der sich gemeinsam mit den Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden dort bereits über die Umrüstungsangebote informiert hatte.

In Leipzig sind dreizehn vollbiologische, in den Abwasserkreislauf der Region integrierte Kleinkläranlagen verschiedener Technologien sowie sechs Kleinkläranlagen in Trockenaufstellung zu sehen. Mitarbeiter von Herstellerf rmen stellen die Funktionsweise der einzelnen Kleinkläranlagen vor und beraten zu Planung, Einbau, Inbetriebnahme und Wartung der Anlagen.

Dort erfahren die Bürger, was sie beim Bau einer solchen Anlage zu beachten haben, welche Reinigungsverfahren es gibt, wie hoch die Kosten sind, welche Rechte und Pf ichten die Betreiber haben und wie die Kontrolle und Wartung der Technik gesichert sind.

Die Fachleute informieren zum Beispiel darüber, dass dort, wo nur zwei bis vier Personen auf einem Grundstück wohnen, eine biologische Kleinkläranlage nicht optimal arbeitet, sagte Dr. Rosenthal. " Da sollte man sich lieber für den Bau einer abf usslosen Sammelgrube entscheiden ", fügte er hinzu.

Von den betroffenen Grundstücksbesitzern wird kritisiert, dass ihre Abwasserprojekte im Gegensatz zu den zum Teil überdimensionierten Kläranlagen und -kanälen der Verbände in Sachsen-Anhalt vom Land nicht gefördert werden.

In anderen neuen Bundesländern, wie zum Beispiel in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern werden Fördermittel für diese Aufgabe ausgereicht, teilte der Geschäftsführer auf Nachfrage der Volksstimme mit.

Dr. Rosenthal : " Dafür gibt es in Sachsen-Anhalt für den Bau beziehungsweise die Umrüstung von Kleinkläranlagen ein Kreditprogramm der Investitionsbank des Landes Sachsen-Anhalt, die über fünf Jahre lang sehr zinsgünstige Kredite bereitstellt. "

www. bdz-abwasser. de