Staßfurt. Überrascht sei Oberbürgermeister René Zok gewesen, als er aus der Zeitung erfuhr, dass die Brücke am Stadtsee kein Dogma sei. So die Aussagen aus dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr als Reaktion auf die öffentlich geführte Diskussion in Staßfurt. " Die Verwaltung hat eine Beschlussvorlage des Stadtrates, an die sie sich hält. Die Brücke ist Bestandteil des IBA-Projektes ‚ Aufheben der Mitte ‘ in Staßfurt. Auch die Vorgaben der Fördermittelanträge beziehen das Bauwerk mit ein ", so Zok. Und die, so der Stadtchef, seien bereits genehmigt. Ganz nachvollziehbar ist im Rathaus die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Seit 2006 wisse man im Rat um die Errichtung einer Brücke über den Stadtsee. Der war kleiner ausgefallen, als geplant. In ihrer ursprünglichen Gestalt hätte die Wasserfäche auch das Grundstück der ehemaligen Johanniskirche mit dem Schiefen Turm erreicht. Hier bef nden sich noch Fundamentreste im Boden, die für die Nachwelt erhalten bleiben sollen. Das Landschaftsarchitekturbüro

Häfner & Jimenez, von einer international besetzten Expertenjury mit seinem Projekt Aufheben der Mitte als IBA-Thema für Staßfurt auserkoren, ließ sich als zusätzlichen Akzent neben dem kleineren See die Brücke einfallen. " Sie ist ein Gestaltungselement, aber auch ein Erinnerungsort ", erklärt Wolfgang Kaufmann, Fachbereichsleiter für Sicherheit, Ordnung und Bauen. Denn ihre Ausrichtung nimmt den Verlauf der ehemaligen Kottenstraße auf. Das Schaffen dieser Ref ektionspunkte für durch den Bergbau und seine Folgeerscheinungen zerstörte historische Substanz im Staßfurter Stadtkern ist Fokus des IBA-Themas. Die Brücke als einer dieser Orte fand die mehrheitliche Zustimmung des IBA-B üros und des Rates und stößt erst in jüngster Zeit auf heftigeren Widerstand.

Bisher gibt es keine neuen Ratsauffassungen zu dem Thema. Die Brücke kommt, und in der Stadt will man an Ausschreibung und Ausführungsplanungen arbeiten. Dazu hat das Rathaus einen Wettbewerb gestartet, der die Ideen der Bürger zum Aussehen der Überführung aufgreifen will. Geplant sind Flyer, die die Haushalte erreichen und die Meinungen abfragen sollen. Für Stadtchef Zok nicht nur ein Zeichen der Bevölkerungsbeteiligung, sondern auch konkrete Reaktionen auf einzelne Kritikpunkte. Immer wieder wird das Argument Vandalismus angebracht. " Ist es sinnvoll, wegen des Vandalismus ‘ alles ruhen zu lassen ?", fragt der Oberbürgermeister. Er meint nicht. " Jetzt sind noch alle Gestaltungslösungen offen. Vielleicht fallen den Staßfurtern Dinge ein, die der Zerstörungswut vorbeugen. "

Anderes Argument sind die Kosten von 186 000 Euro. " Hier hat das Land die klare Ansage gemacht, dass eine Alternative zur Brücke konform zum IBAThema sein muss. Nur dann gibt es die Fördermittel ", sagt Zok. Das Geld für Schulen oder Kindertagesstätten einzusetzen sei daher nicht möglich. Wenn ohne ein passendes Gegenstück die Brücke nicht gebaut werde, dann müssten auch Fördermittel zurückerstattet werden. Geld, von dem andere IBAStädte prof tieren würden, aber nicht mehr Staßfurt.

Zeit für Alternative

ist nicht da

2010 müssen sich die IBAStädte mit ihren Vorhaben präsentieren, dem Vergleich untereinander stellen und dem Anspruch der internationalen Kritik mit ihren Projekten genügen. " Aufgrund der Kürze der Zeit wird es schwierig werden, ein anderes Projekt, das nachhaltig in das IBA-Thema passt, planungsfertig auf die Beine zu stellen ", so Zok. Verzögerungen könne man sich schon jetzt nicht leisten, denn ab dem kommenden Jahr gebe es keine Förderung mehr. " Gewonnen ist dann für Staßfurt gar nichts !"