Von 1934 bis zur Flutung der Staßfurter Kalischächte Berlepsch und Maybach 40 Jahre später schmückte ein Bildnis der Heiligen Barbara den Eingangsbereich zum Festsaal 400 Meter Untertage. Das Ölgemälde wurde sichergestellt und nach Aschersleben gebracht. Anfang dieses Jahres bemühte sich Thomas Wagner, Präsident des Rotaryclubs Staßfurt um die Rückkehr der Schutzheiligen, was gestern anlässlich der Feier zum Tag des Bergmanns im Staßfurter Museumshof seinen Abschluss fand.

Staßfurt. " Man kann den Ascherslebenern alles anvertrauen, sie geben es zurück ", schmunzelte Wagner während der Übergabe des mannshohen Bildes. Es sei damals in einem erbärmlichen Zustand gewesen. Mit vielen anderen Gegenständen aus den vor der Aufgabe stehenden Schächten war es in die Einestadt gebracht worden, wo der damalige Museumsleiter Udo Schulz eine Ausstellung " Bergbau im Harzer Vorland " zusammenstellte. Mit dem Versprechen, dass das Bild einmal zurückkehren werde, sobald Staßfurt wieder ein Museum hat. Eine Liesbethsche Bohrmaschine fand den Weg vor zwei Jahren bereits zurück. Die Heilige Barbara schien aber irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein.

Nun freute sich der Ascherslebener Oberbürgermeister Andreas Michelmann, das frisch restaurierte Gemälde an seinen Amtskollegen René Zok übergeben zu können. Ihre Enthüllung konnte die Heilige Barbara anscheinend kaum erwarten, und so war die Spannung dahin, als sich das Tuch vor ihr selbständig machte. Zur Freude der Anwesenden.

Oberbürgermeister René Zok und der Vorsitzende des Staßfurter Bergmannsvereins Gerald Meyer bedankten sich für die gute Geste der Stadt Aschersleben, beim Grafker und Restaurator Erwin Leuschner aus der Einestadt, sowie beim Staßfurter Speiseunternehmen RiRo für die 1000-Euro-Finanzierung der Restaurierung.

Das Ölgemälde wird nun neben dem Laurentiusschatz und Bergmannsfahnen einen würdigen Platz im Staßfurter Stadt- und Bergbaumuseum finden, kündigte Meyer an.

Zwei Kumpel, die gestern auf die Rückkehr der Schutzheiligen der Bergleute anstießen, können sich noch genau erinnern, an welcher Stelle sie einst im Berg verehrt wurde. 400 Meter Untertage war das, in einer Schluppe im Eingangsbereich zum Festsaal, dessen Wände aus glitzerndem Steinsalz bestanden. " So oft haben wir sie aber nicht gesehen ", erklärt Jupp Braun. Der heute 72-Jährige arbeitete zuletzt als Schachthauer. Der Saal sei bei Feierlichkeiten anlässlich des Tages des Bergmanns genutzt worden. Ansonsten hauptsächlich bei Besuchen von Jugendweihlingen oder anderen Gästen, die in den Schacht einfuhren.

Wer die Heilige Barbara gemalt hat, weiß man bis heute nicht. " Ich denke, das war ein Betriebsmaler ", meint Klaus-Dieter Zerbe. Es soll eine Woche nach der Einweihung des Bergmannsbrunnens am Großen Markt 1934 in den Schacht gebracht worden sein. Zusammen mit einer Gedenktafel an verunglückte und im 1. Weltkrieg gefallene Kumpel, die einst das Kalisalz und das weiße Gold von Staßfurt ans Tageslicht förderten.