In Schönebeck hat gestern eine neue Suppenküche eröffnet. Es ist die dritte in der Elbestadt und doch ist sie etwas Neues. Der soziale Treff Schönebeck " Suppe & Seele " ist in seiner Entstehung und der Umsetzung ein ambitioniertes Projekt, das auf die Idee einer Modeboutiquebesitzerin zurückgeht.

Schönebeck. Sorgfältig gekleidet in bester Kochmanier, das blonde Haar modisch zusammengebunden, das Gesicht perfekt geschminkt. Wer Monique Krause zum ersten Mal sieht, vermutet hinter der 34-Jährigen nicht die Chef n einer Suppenküche für Bedürftige. Die Magdeburgerin stand gestern Morgen um 8. 30 Uhr in einem ehemaligen Supermarkt in Schönebeck hinter einem Tresen und teilte Frühstück aus. 15 Neugierige waren dazu gekommen, und das, obwohl für die neue Suppenküche in der Welsleber Straße 60 a in Schönebeck keine Werbung gemacht wurde. Nur eine kleine Meldung in der Volksstimme am Tag der Eröffnung und Plakate bei der Kommunalen Beschäftigungsagentur ( KoBa ) hatten auf das neue Angebot aufmerksam gemacht.

Rührei, Brötchen, Wurst und Käse, eine Tomate und Tee soviel man wollte, standen für 25 Cent je Teller auf dem Speiseplan. Mit einem Lächeln und viel Freundlichkeit bewirteten Monique Krause und ihre Helfer vom Verein Vigaro sowie die Ein-Euro-Jobber der Koba, die in " Suppe & Seele " eine Beschäftigung gefunden haben, die Bedürftigen. Krause ist die Ideengeberin für den Sozialen Treff. Die zierliche Frau kann man sich leicht in einer Modeboutique vorstellen. Und genau das war bisher auch ihr Umfeld. Seit 15 Jahren betreibt sie ein Modegeschäft auf dem Berliner Kurfürstendamm. " Inzwischen kümmern sich zwei Festangestellte um meinen Laden, damit ich mich voll auf die Aufgabe hier konzentrieren kann ", erklärt sie.

Aber wie kommt eine Frau wie sie auf die Idee, eine Suppenküche zu gründen ? " Ich mache seit mehreren Jahren bei dem Promi-Entenessen von Frank Zander mit, bei dem zur Weihnachtszeit Obdachlose von Berlin bewirtet werden ", so Monique Krause. " Aber mich störte, dass die Geschäftsleute, die das Ganze organisieren, nie erwähnt werden. " Sie habe darum etwas eigenes machen wollen. So sei die Idee der Suppenküche entstanden. In Berlin und Magdeburg, ihrer Heimatstadt gebe es mit den Tafeln, die sich um Bedürftige kümmern, jedoch bereits eine gute Abdeckung. " So bin ich auf Schönebeck gekommen und zur KoBa gegangen. "

In Schönebeck gibt es bereits zwei Suppenküchen, die von der BQI ( Beschäftigungsförderungs-, Qualif zierungs- und Innovationsgesellschaft ) betrieben werden. Auch dafür stellt die KoBa Ein-Euro-Jobber. Doch eine Konkurrenzsituation fürchtet keiner der Beteiligten. Britta Duschek von der BQI, die gestern einen Antrittsbesuch machte, erklärte : " Unsere Suppenküchen in der ‚ Oase ‘ und dem Familienzentrum ‚ Malzmühle ‘ sind in anderen Stadtteilen. Außerdem variieren die Konzepte. "

Hartmut Nothdurft, Leiter der KoBa ergänzt : " Die ‚ Oase ‘ gibt in der Woche etwa 180 Essen aus, die ‚ Malzmühle ‘ 60 bis 100 Portionen. Grundsicherung bekommen in Schönebeck aber 3500 Menschen. " Bei diesem Potenzial könne eine dritte Suppenküche die beiden bestehenden nicht verdrängen.

" Suppe & Seele " ist laut Nothdurft in einem sozialen Brennpunkt von Schönebeck angesiedelt. In der Nähe liegt das Viertel " Straße der Jugend ", in dem viele Hartz-IV-Empfänger, Wohngeldempfänger und weitere Leistungsempfänger nach dem Sozialgesetzbuch XII, wie es im Amtsdeutsch heißt, leben. Sie alle haben Anspruch darauf, in der Einrichtung eine warme Mahlzeit oder Frühstück und Abendessen zu bekommen. 25 und 50 Cent müssen dafür gezahlt werden.

Wolfgang Möbes war bereits zum Frühstück gekommen und genoss ein paar Stunden später die Suppe – Mohrrübeneintopf gab es. " Ich fnde das ganz toll hier ", erklärte er. In den hellen und großzügig geschnittenen Räumen, fühlte er sich willkommen. Damit auch der Kühlschrank zuhause nicht leerblieb, nahm Möbes das Angebot an, sich für einen Euro einen Verpf egungsbeutel packen zu lassen.

Mozzarella, Wurst, Bananen, Radieschen, Äpfel und eine Eisbergsalat packte Simone Kleinert in den Leinensack. Die Ein-Euro-Jobberin fühlte sich sichtlich wohl mit ihrer neuen Arbeit. Sie hatte für jeden, der sich von ihr einen Beutel packen ließ, ein freundliches Wort. " Ich habe schon mal in Halle für die Caritas in solch einer Einrichtung gearbeitet. Ich fnde es schön, dass es so was jetzt auch in Schönebeck gibt ", sagte die 47-J ährige. Und die Lebensmittelausgabe ist gefragt : Am Freitag musste bereits nach kurzer Zeit Nachschub besorgt werden. Bis zu zehn Euro sind die Lebensmittel je Beutel wert. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Küchenarbeit. " Aber ich koche nicht, ich kann nur schnippeln ", lächelt sie.

Die Lebensmittel-Sponsoren hat Monique Krause akquiriert. 19 Supermärkte aus Magdeburg und Schönebeck unterstützen die Suppenküche. Konkurrenz zur Magdeburger Tafel würde dabei nicht entstehen, " da wir an unterschiedlichen Tagen die Lebensmittel abholen ", erklärt Krause. In den Ausbau des ehemaligen Supermarktes hat ihr Verein Vigaro ( Verein für Integration, Gemeinschaftsarbeit und Organisation ) einen fünfstelligen Betrag gesteckt. Allein die Instandsetzung der Kühlzelle habe 6000 Euro gekostet. Schönebecker Unternehmer haben Sach- und Geldspenden geleistet.

Der Verein hat 15 Mitglieder, darunter so prominente Namen wie Schwimmstar Dagmar Hase oder Stefan Kretzschmar. Mit deren Hilfe will Monique Krause für Öffentlichkeit sorgen und für Spenden. Die sind auch in der Kleiderkammer willkommen, die dem sozialen Treff angebunden ist.

Vereinschefn Krause, Vereinsmitglieder und zwei Sozialpädagogen kümmern sich um den reibunglosen Ablauf. Unterstützt werden sie von derzeit 33 Langzeitarbeitlosen, die über Maßnahmen der KoBa in das Projekt eingebunden sind. In naher Zukunft sollen es 50 sein, die wie Simone Kleinert und Heidi Müller eine Beschäftigung haben.

Der soziale Treff " Suppe & Seele " ist von Montags bis Sonntag geöffnet. So viel wir wissen, ist das einmalig im Salzlandkreis ", sagt Koba-Fachbereichsleiter Sven Hause. Und Monique Krause ergänzt : " Bedürftigkeit hört nicht am Wochenende oder den Feiertagen auf. " Ab 8. 30 Uhr gibt es Frühstück, Mittag ab 11. 30 Uhr, Abendessen ab 17 Uhr. Die Lebensmittelausgabe ist von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Im Kleidermarkt kann von 10 bis 18 Uhr gestöbert werden. Gegen 20 bzw. 17 Uhr am Wochenende schließt der Treff.