Die Ferien haben für die Ordnungshüter der Polizei ruhig angefangen. Die Volksstimme begleitete am vergangenen Sonntag eine Polizeistreife in Schönebeck.

Schönebeck. Polizeiobermeisterin Petra Müller und Polizeikommissar Enrico Grube haben am Sonntag Dienst. Die beiden Beamten patrouillieren von 6 bis 18 Uhr durch die Elbestadt und die angrenzenden Gemeinden. Kaum Leute sind auf der Straße zu sehen, als sich der VW-Bulli durch die Straßen bewegt. An diesem Sonntagvormittag erwacht die Stadt erst langsam.

Trotzdem heißt es für die Beamten wachsam zu sein. Zunächst einmal werden die Einkaufsmärkte abgefahren. " Reine Routine ", sagt Enrico Grube. Auf einem der Parkplätze fällt dem Beamten ein abgestelltes Fahrzeug auf. " Was macht jemand an einem Sonntag vor einem Supermarkt ", denkt Enrico Grube laut nach.

Auf der Jagd

nach dem Diesel-Dieb

Als er den Bulli an dem Wagen vorbeilenkt, wird schnell klar, warum das Fahrzeug hier steht. Ein Mann sitzt mit einer jungen Frau in dem Wagen. " Da hat der Vater bestimmt mit seiner Tochter Fahren geübt ", schätzt Petra Müller die Lage ein. Als das Polizeifahrzeug in Höhe des Autos ist, sitzt der vermeintliche Vater hinter dem Steuer. Also alles in Ordnung, haken die Beamten ihre Beobachtung ab.

Weiter geht es in Richtung Felgeleben. Dort fällt dem Polizeikommissar ein Motorrad mit Mannheimer Kennzeichen auf. Er hält den Fahrer an. " Das Motorrad habe ich von meinem Sohn ausgeliehen ", sagt Ralf Krassmann. Er wollte mit dem Zweirad eine kleine Spritztour unternehmen. Überrascht ist er von der Kontrolle nicht.

Als er seinen Führerschein aus dem Jahre 1973 vorzeigt, muss Kommissar Enrico Grube erst einmal nachdenken, was mit der damals erworbenen Pkw-F ührerscheinklasse alles gefahren werden darf. Immer wieder hat der Gesetzgeber Veränderungen im Straßenverkehrsrecht vorgenommen. Das könne sich kaum noch jemand merken, schildert er. Hilfe hält seine Kollegin in Form eines kleinen Heftchens parat. Lange müssen die Beamten in dem Tabellenwerk nicht suchen, bis sie fündig werden. Ralf Krassmann darf das kleine Motorrad lenken, stellen sie schnell fest.

" Einfacher ist die Kontrolle des Führerscheins natürlich mit den neuen EU-F ührerscheinen. Hier sehen wir auf einen Blick, welche Fahrzeuge der Inhaber lenken darf ", erklärt Enrico Grube.

Bei der Rückfahrt durch die Schönebecker Innenstadt entdeckt Enrico Grube einen alten Bekannten hinter dem Steuer eines Autos. " Der Mann hat keinen Führerschein und sitzt hinter dem Lenkrad ", erzählt er. Schnell wendet er den Bulli. Da ist der andere bereits ausgestiegen und läuft gemächlich die Straße entlang. " Sie wissen, dass Sie nicht fahren dürfen ", sagt Enrico Krüger dem polizeibekannten Schönebecker. Der winkt nur ab und entgegnet, dass die Beamten seinetwegen nicht den ganzen Tag vor seiner Tür patrouillieren müssten. Trotzdem gibt Enrico Krüger seine Entdeckung an die Kollegen in der Revierstation weiter.

Nach der kurzen Mittagspause wird es dann hektisch. Die Beamten sind gerade auf dem Weg nach Pretzien, als der Diensthabende über Funk durchgibt, dass ein Bürger einen vermeintlichen Diesel-Diebstahl beobachtet hat. Alle Wagen der Revierstation steuern den Tatort, eine Lkw-Autowerkstatt am Rande der Stadt, an. Ein Mann mit einem dunklen BMW sei gesehen worden. Als die erste Streife eintrifft, fehlt von dem vermeintlichen Dieb jede Spur, heißt es über den Polizeifunk. Mit Blaulicht und Sondersignal nähern sich Petra Müller und Enrico Grube dem Einsatzort. Auf dem Weg kommt ihnen ein dunkler BMW entgegen. Die beiden stoppen das Fahrzeug, können aber nichts Verdächtiges feststellen. Also weiter zum Tatort.

Handy-Telefonat

kostet 40 Euro

Neben den beiden Dieseltanks des mit Autos beladenen Lastwagens ist eine große Spritlache auf dem Boden zu sehen. Die Tanks sind nicht verschlossen. Offenbar wurde hier Diesel abgezapft, vermuten die Beamten. Der Zeuge, der die Polizei informiert hat, ist noch vor Ort und schildert seine Beobachtungen. Unter dem Lkw entdeckt Enrico Grube eine große Dieselpfütze. Er lässt die Feuerwehr alarmieren, um den Kraftstoff zu binden. Wenig später heult in Alt Frohse die Sirene auf. Ein Tragkraftspritzenfahrzeug trifft wenige Minuten später am Tatort ein. Mit einigen Schippen voll Bindemittel bekämpfen die Blauröcke den Kraftstoff. In der Zwischenzeit versuchen die Beamten im Revier den Fahrer auszumachen, was ihnen auch gelingt. Nach einer Viertelstunde kommt ein junger Mann angefahren. Er habe seinen Lkw ausgeräumt, weil der in die Werkstatt soll, erklärt er den Beamten. Er habe auch die Kanister vom Fahrzeug genommen, räumt er ein. Warum die Polizei deswegen so einen Aufstand mache, fragt er.

" Wir sind froh, dass ein Bürger das gemeldet hat ", entgegnet Enrico Grube. Immer wieder werde aus den Lkw-Tanks Diesel abgezapft, erklärt er. Die Polizei sei deswegen erfreut, wenn ein Bürger etwas Verdächtiges melde. Dann informiert er den Fahrer, dass er wegen des Feuerwehreinsatzes womöglich eine Rechnung erhalten werde. " Das kann höchstens 50 bis 100 Euro kosten ", kennt sich der Fahrer offenbar mit den Tarifen aus.

Weiter geht die Streife durch die Stadt. In Felgeleben fällt den Beamten ein Mann in einem Lieferfahrzeug auf, der offenbar mit dem Handy in der Hand während der Fahrt telefoniert. Jürgen Feilenhauer heißt der Fahrer. Der Staßfurter ist auf der Suche nach dem Schönebecker Sportplatz. " Da brauchen wir nicht lange diskutieren. Ich habe telefoniert ", räumt er ein. Er habe seinen Sohn fragen wollen, wo der Sportplatz ist, sagt er. 40 Euro kostet das Telefonat. Ob es noch einen Punkt in Flensburg gibt, muss die Bußgeldstelle entscheiden, erklärt Enrico Grube.

Dann meldet sich der Diensthabende über Funk. Ein Bürger beschwert sich über Baulärm in Felgeleben am Kulturhaus. Als die Streife eintrifft, haben die beiden Hobbyhandwerker bereits den Lärm beendet. Mit einem Meißel haben sie in den Beton der Terrasse ein Loch für einen Sonnenschirm gestemmt. So laut sei es eigentlich nicht gewesen, meint einer der Beteiligten. Dennoch wissen die beiden, dass sie solche Arbeiten am Sonntag nicht verrichten dürfen. Da die Sache sowieso schon erledigt ist, belassen es die beiden Beamten bei der mündlichen Belehrung.

Nach der Streife folgt

Verwaltungsarbeit

Vor der Elbebrücke beobachten die Ordnungshüter anschließend den Verkehr. Ihre Aufmerksamkeit gilt Gurtmuffeln. Lange müssen sie nicht warten, bis der erste Fahrer ohne Gurt die Brücke passiert. Mit einer mündlichen Verwarnung kommen die Autofahrer davon. Bis zu 35 Euro könnten die Polizisten verlangen. " Bei Verwarnungen haben wir einen Ermessensspielraum ", erklärt der Kommissar. Anschließend geht es zurück in die Revierstation. Hier müssen die Ereignisse des Tages noch schriftlich erfasst werden.