Nach der Katastrophe von Nachterstedt wird in vielen Bergbaugebieten über mögliche Gefahren spekuliert. Auch in Schönebeck gab es ein Abbaugebiet unter Tage : Steinsalz war das begehrte Gut. Doch seit den 1970 er Jahren sind die sogenannten Glocken verfüllt. Eine Einsturzgefahr sei minimal, sagen die Experten.

Schönebeck. Salzabbau sei die gesündeste und für den Menschen sicherste Art des Bergbaus, zitiert Ines Grimm-Hübner die Expertin. Die Chefn des Schönebecker Soleparks hat sich von Berufswegen in den Salzabbau unter Tage eingearbeitet und mit Geologen und Bergbauexperten auseinandergesetzt. Und immer wieder erfahren : Der Steinsalzabbau in Schönebeck wurde so fachmännisch abgebaut, dass die unterirdischen Glocken, auf denen große Teile der Elbestadt nach 1980 entstanden sind, sicher stehen.

Der Salzabbau in Schönebeck geschah seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Graf-Moltke-Schacht. Bis in eine Tiefe von 445 Metern wurden die drei übereinanderliegenden Sohle-Ebenen getrieben. Für den Abbau des Steinsalzes wurde das Verfahren des Glockenspritzens angewandt. Mit einer Sprengung wurde eine Wasserleitung in die Steinsalz-Schicht getrieben. Das Wasser wurde mit einer Vorrichtung ähnlich einem Rasensprenger in den schmalen Schacht verteilt. Durch das Wasser wurde das Steinsalz verf üssigt. Die Lösung wurde wiederum nach oben gepumpt. Nach und nach wurden so Höhlen ausgespült, die der Fachmann als Glocken bezeichnet.

Diese Glocken waren bis zu 14 Meter hoch und hatten einen Durchmesser von 9 Metern. Zwischen den einzelnen Hohlräumen lag ein Meter Steinsalz. Die 26-prozentige Salzlösung musste zunächst ruhen, wurde dann in den Siedehäusern über Tage wieder getrocknet und das so verfestigte Steinsalz für die Weiterverarbeitung genutzt.

" Das Wasser für das Ausspritzen wurde von Ebene zu Ebene weitergegeben ", erklärt Ines Grimm-H übner. Dadurch habe das Aushöhlen in der tiefsten, der dritten Sohle, am längsten gedauert. " Die Methode war schlussendlich zu teuer ", erklärt die Solepark-Chefn, warum der Bergbau geschlossen wurde, obwohl unter Schönebeck noch ausreichend Steinsalzschichten lagern. Der Abbau per Sprengung, so wie er heute noch in Zielitz betrieben wird, ist effektiver.

Von 1974 bis 1983 wurden die etwa 1000 entstandenen Glocken in Schönebeck verfüllt. Das geschah durch Flutung mit Elbwasser. " Das Wasser wurde vorher mit Steinsalzlösung angereichert und so lange in die Glocken eingefüllt, bis diese luftdicht verschlossen waren ", erklärt Grimm-H übner. Heute sind die Glocken darum fest verfüllt. Es ist, als gebe es keine Hohlräume unter der Erde.

In den 80 er Jahren entstand über dem Abbaugebiet eine Wohnsiedlung. Zehngeschossige Plattenbauten an der Moskauer Straße sind die markantesten Gebäude. Ein Absenken oder eine geologische Veränderung wurde weder beim Bau noch später festgestellt. Das Gebiet gilt als sicher. Allerdings : Sollte durch irgendein Vorkommnis eine Öffnung in einer der Glocken entstehen, würde das ganze unterirdische System zusammensacken.

Unabhängig vom Abbau wurde in Schönebeck 1971 eine sogenannte Kaverne angelegt. Diese Höhle im Steinsalz, die auf der Salineinsel liegt, wurde zu DDR-Zeiten als Lager für chemische Abfälle aus den Buna-Werken genutzt. Von 1996 bis 2006 wurde diese Kaverne von der Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben für 22 Millionen Euro aufwändig entleert, gereinigt und mit unbedenklichen Stoffen neu verfüllt. Ein Einbruch gilt auch hier als unwahrscheinlich.

In den späten 60 er Jahren wurden einzelne Glocken für den Kurbetrieb genutzt. Die Patienten mit Atemwegserkrankungen schliefen unter Tage, auch Feste wie Weihnachten wurden gefeiert. " Die Schönebecker hätten diese Glocken gern weiter genutzt ", erklärt Ines Grimm-H übner. " Derzeit gibt es jedoch keine technische Möglichkeit, die Glocken oder einzelne Abteilungen des Schachtes wieder zu nutzen. " Damit bleiben die unterirdischen Höhlen unzugänglich und verfüllt.